06.04.2016, 00:00 Uhr

Die Bikerrouten der Region: Glück und Fluch auf zwei Rädern

Inge Nemec ist nicht nur als Fahrschullehrerin am Motorrad unterwegs, sondern auch als Vorstandsmitglied des "Wildsäue Unterwegs Fahr-Vereins" (kurz: WUFV). (Foto: privat)

Niederösterreich wird international zum Motorrad-Land. Lokalaugenschein auf den Biker-Routen im Bezirk.

REGION PURKERSDORF. Pünktlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erwachen auch die Motorradfahrer aus dem Winterschlaf. Aus der Bundeshauptstadt machen sich derzeit ganze Legionen von Bikern nach Niederösterreich auf, aber auch international werden wir immer mehr zum Land der „Gasradln". Das deutsche Forum „Kurvenkönig.de“ schwärmt etwa von "traumhaften Tourentagen auf einsamen Landstraßen…". Doch was für die einen Spaß und Freiheit bedeutet, bedeutet für Anrainer oft Lärm und Stress. Und für die Einsatzkräfte jede Menge Arbeit.
Die Bezirksblätter haben die beliebtesten Bikerrouten im Bezirk besucht – ein Lokalaugenschein.

Rasern beugt man vor

Nicht nur die B1 in Richtung Riederberg oder die B44 sind oft befahrene Routen. Besonders beliebt sind, wie die Polizei Pressbaum erklärt, vor allem auch der kleine Semmering, die Weidlingbachstraße samt Rauchengern und das Irenental. Vermehrte Unfälle oder "Hotspots" gäbe es jedoch, laut Polizei Purkersdorf und Pressbaum, keine. Eventuellen Rasern beugt man vor, wie die Polizei Pressbaum informiert: "Mit verstärkten Geschwindigkeits-Kontrollen an wechselnden Standorten."

Wildsäue sicher unterwegs

"Schon letztes Wochenende waren viele unterwegs, da kriegt man schon auch Lust", lächelt Inge Nemec. Sie ist nicht nur Fahrschullehrerin in Leo's Fahrschule in Purkersdorf, sondern auch Vorstandsmitglied des "Wildsäue Unterwegs Fahr-Vereins" (kurz: WUFV). "Wir wollen das Motorradfahren sicherer machen und schwächere Fahrer und Anfänger integrieren", erklärt sie. Bei gemeinsamen Ausfahrten fahren erfahrenere Biker ungeübteren Fahrern daher Linien vor. "Man will schon, dass sie mitziehen, aber nur so viel wie sie sich selbst zutrauen. Am Anfang muss man ja erst Sicherheit aufbauen", meint Inge Nemec.

Erst wieder warm fahren

Aufpassen sollte man, vor allem zum Saisonstart, jedoch nicht nur aufgrund der Straßenverhältnisse – da hier und da noch Schotter liegen oder die Straße rutschig sein kann – sondern auch aufgrund der eigenen Fähigkeiten, meint Inge Nemec: "Jetzt ist man ja monatelang nicht mehr gefahren. Viele vergessen dass man sich zuerst wieder ein bisschen 'warm fahren' sollte." Ihr Tipp: Warm-Ups und Fahrsicherheits-Trainings nutzen oder einige Fahrstunden nehmen – "und sich eingestehen dass einem das gut tut", so Nemec.

Vorsicht: Keine "Rutschzonen"

"Manchmal hat man mehr Radunfälle, manchmal mehr Motorrad- und manchmal mehr Autounfälle. Aber natürlich ist bei den ersten Touren, wenn viele unterwegs sind, die Wahrscheinlichkeit dass etwas passiert eher mehr gegeben", meint Samariterbund-Obfrau Brigitte Samwald. Besonders gefährlich seien natürlich Tage, an denen die Straßenverhältnisse noch eher feucht und dadurch etwas rutschig sind.
"Neuralgische Stellen" seien die oben genannten beliebten Motorradstrecken, erklärt Rotkreuz-Notfallsanitäter und Organisationsleiter Martin Bauer – und eben dort sei die Gefahr schwer zu verunfallen besonders groß, da es keine "Rutschzonen" gibt, " also die kinetische Energie sich im schlimmsten Fall an einem Baum zu einer Verformungsenergie umwandelt".

Anrainer: Lärm am Abend

Und wie verhält es sich mit dem Lärm für Anrainer? "Man kriegts schon mit, aber ich bin selbst Motorsport-Fan", lächelt Gerald Müller, Anrainer der Weidlingbachstraße in Tullnerbach. Er hat auch Verständnis dafür, dass "hier manche 10 oder 20 km/h schneller fahren als erlaubt – heikler wirds da schon im Ortsgebiet." Für gefährlicher hält er jedoch Rennradfahrer, die in Kolonnen nebeneinander fahren – denn diese würden manch ungeduligen Autofahrer zu riskanten Überholmanövern verleiten.
Auch Kerstin Karer aus dem Irenental sieht's gelassen: "An und für sich stört's mich nicht, ich versteh auch dass man hier fährt da es eine kurvige, schöne Strecke ist." Störend sei es jedoch, wenn besonders laute Motorräder oder auch Mopeds nach 20 Uhr fahren – "aber hätten wir keine kleinen Kinder würd's uns wahrscheinlich nicht auffallen", lächelt sie.


ZUR SACHE:

Im Bezirk Wien-Umgebung sind 7.343 Motorräder zugelassen. Niederösterreichweit befindet sich Wien-Umgebung damit auf Platz 3 hinter Baden und Mödling. (Stand: 31.12.2015)

Der Wildsäue Unterwegs-Fahr-Verein (kurz: WUFV) steht nicht nur für Spaß am Motorradfahren, sondern vor allem auch für Beratung, Betreuung und Bildung zu mehr Sicherheit beim Motorradfahren.

Tipps für Erste Hilfe bei Motorrad-Unfällen: Augenmerk auf Selbstschutz und Absicherung der Unfallstelle legen, sofern gefahrlos möglich den Verunfallten bis zum Eintreffen der Rettung nur schonend bewegen, Abnahme des Helmes durch geschulte Ersthelfer ist generell ratsam.
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