04.05.2016, 09:30 Uhr

Die Krux mit den Zweitwohnsitzern

Diese Grafik fertigte unser Regionaut Michael Aringer an: Er markierte Nebenwohnsitze in der "Schlafgemeinde" Pressbaum mit Blau. (Foto: Aringer)

Nebenwohnsitze in der Region sind beliebt, doch sie lassen die Gemeindekassen nicht klingen.

REGION (bt). Auch Nebenwohnsitze verursachen den Gemeinden Kosten, etwa für Infrastruktur, während nur Hauptwohnsitze Geld vom Bund bringen. "Das ist ein großes Problem", so Karl Schlögl, Bürgermeister von Purkersdorf, der auf 9.600 Hauptwohnsitze 1.800 Zweitwohnsitze verzeichnen kann. "Wenn wir in Purkersdorf den 10.000er-Sprung schaffen würden, dann würden wir um 1,5 Millionen Euro mehr Steuern pro Jahr bekommen. Bei einem Budget von 25 Millionen ist das sehr viel", so Schlögl.

Wiens Anreize locken

Viele würden das ganze Jahr in der Region wohnen und nur wegen bestimmter Vorteile mit Hauptwohnsitz in Wien gemeldet sein, etwa wegen der Berechtigung zu einer Gemeindewohnung. "Man hat auch Anspruch auf weitere Anreize wie Parkpickerl, vergünstigte Semestertickets für Studenten oder einen Platz in einem Pflegeheim", schreibt unser Regionaut Michael Aringer. Auf seine Anfrage meint Pressbaums Vize Alfred Gruber: "Um Abgaben von Zweitwohnsitzern einheben zu können, ist ein Landesgesetz notwendig."


Kinder oft zweifach gemeldet

In Pressbaum kommen auf 7.385 Haupt- 1.468 Nebenwohnsitze. "Pro Person mit Hauptwohnsitz in Pressbaum bekommt die Stadt etwas mehr als 700 Euro. Der Gemeinde entgeht so über eine Millionen aus Steuereinnahmen", rechnet Aringer vor. Ganz so schlimm ist’s laut Pressbaums Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner nicht, denn 300 von den Nebenwohnsitzern sind gleichzeitig auch Hauptwohnsitzer, meist ausgezogene Kinder.


Politiker machens vor

"Wir haben eine Werbeaktion gemacht und Gespräche geführt. Da hat man keine Chance", meint Schlögl ernüchtert, denn "selbst Spitzenmandatare von politischen Parteien haben den Hauptwohnsitz in Wien gemeldet, um dort eine Gemeindewohnung zu erhalten."
Billigeren Wohnraum sehen sowohl Schlögl als auch Schmidl-Haberleitner nicht als Lösungsansatz. "Wie soll man jemanden Parkpickerl und Gemeindewohnung in Wien nicht hergeben möchte mit einer billigeren Wohnung in Pressbaum oder Purkersdrof überzeugen", fragt sich etwa Schlögl.

Zur Sache:

Nebenwohnsitze in Prozent:
• Wolfsgraben: 24 Prozent
• Tullnerbach: 20 Prozent
• Pressbaum: 17 Prozent
• Purkersdorf: 16 Prozent
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