20.04.2016, 00:00 Uhr

Graffiti: Den Schmierfinken auf der Spur

"Teilweise könnte man es als Kunst bewerten, aber es passiert im Zuge eines Strafdelikts", erklärt Bauamts-Leiter NIkolaj Hlavka.

Früher sah man sie nur in Krimis aus New York, heute sind sie weit bis in die entlegensten Gebiete vorgedrungen.

PURKERSDORF. Graffitis verursachen jährlich einen Schaden in Millionenhöhe. Die Sprayer hinterlassen ihre „Kunstwerke" und Unterschriften (Tags) an Hauswänden, S-Bahnen oder Brücken. Wir haben uns an die Fersen der Sprühdosen-Aktionisten in der Region Purkersdorf geheftet.

Brücken und Unterführungen sind beliebt

"Den Schaden hat die Allgemeinheit zu tragen und den Verursacher findet man meist nur selten heraus", bringt es Purkersdorfs Bauamts-Leiter Nikolaj Hlavka auf den Punkt. Einzig wiederkehrende Zeichen bei professionellen Sprayer-Gruppen können manchmal Hinweise geben – "die sind aber kaum in Purkersdorf", erklärt Nikolaj Hlavka. Dennoch gibt es auch hier beliebte Ziele, vor allem diverse Brücken und Bahn-Unterführungen. Aber auch Verkehrszeichen werden immer wieder gerne besprüht, beschrieben oder beklebt.


Geldverschwendung


"Der Bauhof hat die Aufgabe solche Sachen zu entfernen und Verkehrszeichen laut Straßenverkehrsordnung wieder herzustellen", erklärt Nikolaj Hlavka. Und dies kostet natürlich Geld – die alljährliche Schadenshöhe geht alleine für die Stadtgemeinde Purkersdorf leicht in Tausender-Höhen: "Die Reinigungsmittel sind sehr teuer, denn sie müssen hohe Reinigungskraft haben aber auch umweltschonend sein. Und der Stundenaufwand ist ein Wahnsinn. Es ist schade um das Geld – damit könnte man sinnvoller andere Projekte verwirklichen."

Unüberlegtheit und Übermut

Die Delikte kann man zumeist auch an der Jahreszeit festmachen, erklärt Baudirektor Hlavka: "Je wärmer es wird desto mehr wird's. Das hängt natürlich auch vom eingesetzten Mittel ab, denn manche Farben brauchen einen gewisse Wärme." Doch warum tut jemand so etwas? "Ich glaube es ist oft eher Unüberlegtheit und Übermut – der Jugendliche ist sich oft nicht bewusst was er da tut", meint Nikolaj Hlavka.

Legale Flächen abgelehnt

Mehreren Stadt-bekannten Jugendgruppen wurden vonseiten der Stadtgemeinde sogar schon Flächen angeboten, welche sie legal bearbeiten dürften – "da wo die 'Kunst' als Kunst wahrgenommen wird und nicht als Zerstörungswut", erkärt Hlavka. Doch das Angebot wurde abgeschlagen, es herrschte kein Interesse.

Polizei: Besonders achtsam bei Streifen

Weder im Vorjahr noch heuer verzeichnete man in Purkersdorf überdurchschnittlich viele Graffiti-Sachbeschädigungen, erklärt man auf Nachfrage vonseiten der Polizei Purkersdorf. Die Dunkelziffer der nicht angezeigten Vorfälle sei aber möglicherweise höher. Oftmalige Ziele seien Bahnhofs-Bereiche und Unterführungen. Die Ausforschung des Täters sei oft schwer, da meist keine Spuren hinterlassen werden und die "Tatorte" in der Regel nicht videoüberwacht sind. Bei Streifen würde aber auch stets auf derartige Delikte Bedacht genommen, so die Polizei Purkersdorf.

Zur Sache:

Rechtlich gesehen kommen beim Sprayen Sachbeschädigung (§ 125 StGB) und schwere Sachbeschädigung (§ 126 StGB, ab 3000 Euro Schaden) zum Tragen. Es sind Strafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vorgesehen. Nicht zu vergessen sind auch die zivilrechtlichen Klagen der Geschädigten, die der Täter durch den hohen Schaden oft ein Leben lang nicht zurückzahlen kann.

Bezirk Wien-Umgebung:
Angezeigte Fälle wegen Sachbeschädigung durch Graffiti im Zeitraum Jän-Dez 2014: 71 / Aufklärungsquote 2014: 49,3%
Angezeigte Fälle wegen Sachbeschädigung durch Graffiti im Zeitraum Jän-Dez 2015: 72 / Aufklärungsquote 2015: 15,3%
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