15.07.2016, 15:47 Uhr

Purkersdorf: Aufregung um Schwimmkurs für Flüchtlinge

Gerty Schabas mit drei der Kurs-Teilnehmer. (Foto: privat)

Im Purkersdorfer Wienerwaldbad hielten acht ehrenamtliche Helfer einen Schwimmkurs für rund 20 Flüchtlinge ab – der Kurs wurde nun verboten.

PURKERSDORF. Wie meinbezirk.at berichtete, wurden in Purkersdorf Schwimmkurse für rund 20 Flüchtlinge abgehalten – und kurz darauf verboten. Nun gehen die Wogen hoch.

"Niemand soll ertrinken müssen!"

"Das hat einen Riesenwirbel verursacht", erzählt Gertrude Schabas im Gespräch mit den Bezirksblättern. Sie engagierte sich von Anfang an für die ehrenamtlich abgehaltenen Deutschkurse in Purkersdorf, ist stark in der Flüchtlingshilfe im Ort involviert und war auch beim nun umstrittenen Schwimmkurs als Betreuerin mit dabei.
Der Grundgedanke dahinter sei folgender gewesen, wie Gerty Schabas schildert: Immer wieder habe man in den letzten Wochen und Monaten von ertrunkenen oder beinahe ertrunkenen Flüchtlingen gehört. Um einen solchen Vorfall präventiv verhindern zu können, wollte man daher auch den interessierten jugendlichen und erwachsenen Flüchtlingen aus Purkersdorf und Gablitz das Schwimmen beibringen. "Ich habe mich bemüht eine offizielle Organisation zu finden, die einen Schwimmkurs abhalten, doch man findet niemanden – es scheitert an den Kapazitäten", so Gerty Schabas. Daher entschied man dies selbst zu tun.

Problemloser erster Tag

"Das erste Mal hat’s super funktioniert: Wir sind schon um 9 Uhr gegangen damit wir auch niemanden stören oder im Weg sind und waren zu mittags wieder draußen. Am nächsten Tag gab's dann plötzlich Probleme und der Schwimmkurs wurde verboten", so Schabas.
Am ersten Tag habe sie am Eintrittschalter etwas von Schülergruppen gelesen und erklärt, dass sie die Schüler der Deutschkurse in Purkersdorf seien. Sie habe sich erkundigt, ob sie als solche als Schülergruppe gelten würden. Dies sei kein Problem gewesen, die acht Betreuer hätten ihre Eintritte bezahlt, als Schülergruppe seien die rund 20 Flüchtlinge – wie alle Purkersdorfer Schülergruppen – gratis ins Bad gekommen. Im Nicht-Schwimmer-Bereich hätten die acht Betreuer, darunter eine studierte Sportwissenschaftlerin und geprüfte Schwimmlehrerin, den rund 20 Flüchtlingen dann die ersten Schwimmbewegungen beigebracht. Gegen mittags habe man das Bad verlassen.

Problem: Haftungsfrage

Am nächsten Tag sei schon am Eingang mitgeteilt worden, dass es nicht möglich sei das Bad nochmal als Schülergruppe zu betreten, es müsse für jeden einzelnen Eintritt bezahlt werden. Unangemeldet einen Schwimmkurs abzuhalten sei zudem nicht gestattet, vor allem aufgrund der ungeklärten Haftung, so die Mitteilung vonseiten des Badbetreibers. Der Eintritt wurde, schildert Gerty Schabas, daraufhin entsprechend bezahlt und den Anwesenden erneut weiter das Schwimmen beigebracht.
„Bei 8 Betreuern für 20 Leute und bei Jugendlichen bis erwachsenen Männern im bauchtiefen Nichtschwimmer-Bereich kann wirklich nichts passieren“, meint Gerty Schabas und kann das Haftungs-Argument nicht nachvollziehen, immerhin seien die Flüchtlinge allesamt entsprechend versichert. Auch Gerüchte um angebliche Übergriffe oder Streitgespräche mit den Bademeistern weist sie entschieden zurück: "Das stimmt nicht – es gab keinen einzigen Vorfall.“

Bürgermeister wittert Provokation

"Es ist ganz einfach: Jeder kann in das Purkersdorfer Schwimmbad wenn er Eintritt bezahlt und sich an die Badeordnung hält", so Bürgermeister Karl Schlögl und führt weiter aus: "Es geht nicht, dass mehr als 20 Leute geschlossen als Gruppe in das Schwimmbad gehen, sich nicht anmelden, keinen Eintritt zahlen und dann dort einen Schwimmkurs machen ohne dass die Haftungsfrage geklärt ist." Vorab das Gespräch zu suchen wäre wünschenswert gewesen. Der Stadtchef vermutet bewusste Provokation: "Es gibt Leute, die suchen nur die Provokation und nicht das Gemeinsame, sondern immer nur die Auseinandersetzung – und dazu gehört auch Frau Schabas."

Der Schwimmkurs sei vor allem aus den genannten Sicherheitsgründen abgehalten worden, mit Provokation habe das nichts zu tun, reagiert Gerty Schabas: "Es ist richtig, dass ich nicht angepasst bin, nicht kusche und mich nicht einschüchtern lasse. Provokation suche ich nur dann wenn ich der Meinung bin dass etwas nicht in Ordnung ist." Sie will nun das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen.

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Thomas Wolff aus Purkersdorf | 15.07.2016 | 20:49   Melden
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