12.04.2016, 00:00 Uhr

Purkersdorfs "Musik-Pioniere" im Interview

Gründungs-Obmann Franz Popp, Obfrau Susanne Bollauf und Gründungs-Kapellmeister Johann Bösendorfer.

Die Stadtkapelle Purkersdorf feiert heuer 30-jähriges Jubiläum: Interview mit den "Männern der ersten Stunde" und der heutigen Obfrau.

PURKERSDORF. Im Jahr 1986 wurde die Stadtkapelle Purkersdorf gegründet. Wie kam es dazu und wie verliefen die Anfänge?
FRANZ POPP: "Ich hab' mir damals gedacht 'Schade, in Purkersdorf gibt's gar keine Kapelle'. Dem damaligen Bürgermeister Franz Matzka, gleichzeitig mein Chef, gefiel die Idee und er nannte mir zwei Namen von Männern, die mich unterstützen sollten: Johann Bösendorfer und Herbert Pscheidt. Und dann haben wir von null begonnen."
JOHANN BÖSENDORFER: "Wir mussten sogar erst Instrumente besorgen und finanzieren. Es war ja nichts da, außer einer kaputten Trommel mit einem Loch."
FRANZ POPP: "Es gab auch einige private Sponsoren. Ein Mann der ersten Stunde war auch Herr Luger. Er ist uns bis heute als Sponsor treu geblieben."

Und wo wurde geprobt?
JOHANN BÖSENDORFER: "Am Anfang haben wir im Keller der damaligen Hauptschule geprobt, aber die Lautstärke hat uns den Putz von den Wänden gehauen (lacht)."
FRANZ POPP: "Als Anfang der 90er der Hort gebaut wurde kam Bürgermeister Schlögl auf uns zu und bot uns an im selben Gebäude ein Musikerheim für uns einzurichten."
SUSANNE BOLLAUF: "Heute ist es manchmal schon ein bisschen eng, aber es geht sich alles schön aus. Man muss halt ein Organisationstalent sein um alles unterzubringen (lacht)."

Wie schaffte man es in den Anfängen weitere Mitglieder zu werben?
JOHANN BÖSENDORFER: "Wir haben in den Schulen um Nachwuchs geworben, haben dort Instrumente hergezeigt und ausprobieren lassen und so weiter."
FRANZ POPP: "Johann Bösendorfer hat sich als Kapellmeister super um die Ausbildung des Nachwuchses gekümmert."
SUSANNE BOLLAUF: "Am Anfang war der Kontakt zur Musikschule etwas schwierig, denn die Ausrichtung war auch eine ganz andere. Es gab sehr lange die Devise, dass der Nachwuchs nur durch die Kapelle ausgebildet wird. Später suchte man den Kontakt zur Musikschule und jetzt herrscht ein wirklich guter Kontakt. Wir machen auch einiges mit der Musikschule gemeinsam."

Wie schwierig ist es heutzutage Jugendliche für die Stadtkapelle zu begeistern?
SUSANNE BOLLAUF: "Wenn's eine Gruppe ist, ist es meist nicht so schwierig, aber wenn's einzelne Personen sind gibt's da oft eine Schwellen-Angst. Und bei uns in Purkersdorf, mit der Nähe zur Großstadt, ist das schon eine Herausforderung, denn die Freizeitmöglichkeiten und die Bereitschaft der Bevölkerung sind einfach anders als in ländlicheren Gegenden. Aber wir haben Gottseidank viele Jugendliche in der Kapelle."
FRANZ POPP: "Diese Schwellenangst war schon oft ein Problem, dabei war und ist in all den 30 Jahren stets jeder herzlich willkommen!"
JOHANN BÖSENDORFER: "Ich könnte mir schon vorstellen, dass in Purkersdorf, bei fast 10.000 Einwohnern, ein paar mehr Leute dabei sind die ein Instrument spielen oder Interesse hätten."
FRANZ POPP: "Niemand sollte geschreckt sein weil er oder sie glaubt nicht gut genug zu sein. Wir sind so offen – jeder kann sich verwirklichen, alles ist möglich."
SUSANNE BOLLAUF: "Ich selbst bin ein Paradebeispiel, ich habe auch erst spät begonnen ein Instrument zu lernen."

Musikkapellen wird ja oftmals auch ein eher "veraltetes" Image zugeschrieben.
FRANZ POPP: "Man wird da musikalisch häufig in ein traditionelles Eck gedrängt, dabei spielen wir eine breite, musikalische Palette."
SUSANNE BOLLAUF: "Und die brauchen wir auch: Für unseren Ball brauchen wir Tanzmusik, beim Maibaum-Aufstellen eher Traditionelleres, beim Frühlingskonzert gibt's dann oft ein bisschen Moderneres und der Dirndlgwand-Sonntag hat wieder eher 'Frühschoppen'-Charakter."

Was ist oder war in all den 30 Jahren Stadtkapelle für Sie die schönste Erfahrung?
JOHANN BÖSENDORFER: "Das Musizieren mit anderen – gemeinsam kommt einfach mehr dabei raus."
FRANZ POPP: "Für mich ist es nicht nur das Musikalische, sondern das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Familiäre."
SUSANNE BOLLAUF: "Die Gemeinschaft in der Kapelle und das gemeinsame Musizieren sind wirklich eine Bereicherung."
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