29.09.2016, 12:25 Uhr

Jiu Jitsu Weltmeister im Gespräch

Niko Bichler (links) und Sebastian Vosta tragen stolz ihre Weltmeister Medaille

Sebastian Vosta und Niko Bichler sind Jiu Jitsu Weltmeister und Platz eins auf der Weltrangliste. Sie kämpfen im Duo. Im Gespräch erzählen sie über ihren Sport, Erfolge und Niederlagen.

Ihr seid Jiu Jitsu Weltmeister und Platz eins auf der Weltrangliste. Worum geht es bei eurem Sport? Könnt ihr Jiu Jitsu kurz erklären?

Sebastian: Jiu Jitsu ist eine japanische Kampfsportart. Aus Jiu Jitsu haben sich Karate, Aikido und Judo entwickelt. Aus Judo hat sich später auch Brazilian Jiu Jitsu entwickelt, was mittlerweile in Amerika eine extrem bekannte Sportart ist. Im traditionellen Jiu Jitsu, das wir betreiben, geht es um Schlagtechniken, Wurftechniken, Bodenfixierungen und Hebeltechniken. Wir sind in einer Wettkampfdisziplin tätig, in der es um Technikdemonstration geht. Wir haben ein einstudiertes Programm miteinander. Wir kämpfen gemeinsam auf der Matte und zeigen dieses Programm, präsentieren es. Dann werden wir von Kampfrichtern nach Punkten bewertet.

Wo waren eure sportlichen Anfänge im Jiu Jitsu?

Niko: Ich habe eigentlich angefangen, weil meine Schwester es damals auch gemacht hat. Ich hab mit viereinhalb Jahren in Pressbaum angefangen. Die ersten Jahre lernt man wie man richtig hinfällt, wie man richtig in einer Reihe steht. Man lernt disziplinäre Geschichten und Purzelbäume. Also wie man richtig fällt. Ab sechs sieben Jahren geht es dann richtig los mit Techniken und Schlägen. Die Disziplin lernt man aber von klein auf. Mein Anfang war in Pressbaum.

S: Ich bin über Freunde auf den Sport gekommen. Kurz nachdem ich in die Volksschule gekommen bin, war ich bei einem Freund zu Besuch. Damals musste er ins Training und ich wollte noch nicht nach Hause fahren. Deshalb haben sie mich damals mitgenommen. Ich habe mir das angesehen und lustig gefunden. Dann hab ich auch mit Jiu Jitsu in Pressbaum angefangen.

Bei welchem Verein seid ihr heute und wie oft trainiert ihr?

S: Wir sind im Verein Jiu Jitsu Goshindu Pressbaum. Dort sind wir offiziell zwei Mal pro Woche im Training. Es gibt dann noch ein Samstagstraining für Kadermitglieder. Wir persönlich trainieren auch noch unter der Woche, wenn kein Vereinstraining ist.

Man kann Jiu Jitsu auch alleine machen. Wie habt ihr in eurem Sport als Partner zueinander gefunden?

N: Kennengelernt haben wir uns schon lange vorher. (lacht) Jiu Jitsu kann man auch einzeln machen, das stimmt. Unser Trainer ist einer der Weltbesten Trainer für diese Demonstration. Da braucht man eben einen Partner mit dem man regelmäßig ins Training kommt. Wir haben erst relativ spät angefangen miteinander zu trainieren. Das war 2011.
S: Mein Partner hat damals aufgehört mit mir zu trainieren und der Niko war immer in einem dreier Rad drinnen. Sein Partner hatte parallel dazu noch eine weibliche Partnerin.
N: Genau, ich hatte also nur 50 Prozent der Trainingszeit. Dann sind die beiden in ein neues Förderprogramm gekommen und so hat sich das dann irgendwie ergeben.
S: Ich bin dann zum Niko gegangen und habe gesagt: Hey, wie wäre es mit uns zwei? (lacht)

Warum habt ihr euch entschieden als Team zu Wettbewerben anzutreten?

S: Das war nie eine Entscheidung. Wir sind damit aufgewachsen. Unser Trainer hat Teams ausgebildet. Sein Eigeninteresse ist nie in Richtung Fighting gegangen. Deshalb hat er nur Duo Teams trainiert.
N: So wie beim Schifahren gibt es verschiedenen Disziplinen. Man kann entweder Slalom fahren, oder Abfahrt. So ist es auch beim Jiu. Es gibt dieses Duo System, das auch wir machen. Es gibt ein Fighting System. Da kämpft eins gegen eins mit Schonern und Semikontakt. Das heißt ich schlage nicht k.o., sondern mache Punkte indem ich meinen Gegner berühre. Ich werfe meinen Gegner zu Boden und schaue dann, dass ich ihn festhalte. Dann gibt es noch Newaza. Das ist nur der Bodenkampf.
Ich war bei meinem ersten Wettkampf zehn. Damals gab es gar nicht die Auswahl ob wir Fighting oder Duo machen wollen. Es war einfach so.

Was waren bis jetzt eure größten sportlichen Erfolge?

S: WM Bankok 2015, das war der größte Erfolg. Cool war aber auch der Europacup. Das war unsere erste internationale Goldmedaille in Bukarest. Dann haben wir noch die Silbermedaille bei der WM 2014 in Paris gemacht. Dann haben wir noch etliche Bronzemedaillen bei Opens usw. Also wir haben lange gekämpft damit wir mal ganz oben stehen dürfen.

Habt ihr auch schon sportlichen Rückschläge erleiden müssen?

S: Verloren haben wir oft genug. Aber damit haben wir immer gut umgehen können. Wir sind nie so verbissen in Wettkämpfe gegangen. Wenn wir verloren haben, dann haben wir eben verloren. Rückschlag, nicht so als ob wir was verpasst hätten. Es ist sich zeitlich immer so ausgegangen, dass wir keine Einbußen hatten was unsere Erfolge angeht. Wir haben aber jetzt fast ein Jahr Training verloren, weil ich mir das Kreuzband gerissen habe.

Mittlerweile fliegt ihr zu Meisterschaften quer durch die Welt. Gibt es ein Land an das ihr die schönsten Erinnerungen in Bezug auf Jiu Jitsu habt?

N: Kolumbien 2013. Das waren die Worldgames. Das ist so wie die olympischen Spiele, alle vier Jahre, aber für nichtolympische Sportarten. Das war ein Mega-Event. Die haben uns gefeiert. So viele Fotos hab ich in meinem Leben noch nicht gemacht.
S: Die Eröffnungsfeier war in einem Stadion das für 40.000 Zuschauer gebaut wurde. Das Stadion war bumvoll.
N: Man geht da rein und denkt sich: Daheim kennt mich keine Sau. (lacht) Hier jubeln alle.

Gibt es bei so viel Erfolg im Sport auch Schattenseiten?

S: Ja, die Schattenseiten haben sich schon nach fünf Tagen offenbart. Wir konnten in Kolumbien keinen Schritt vor die Haustüre machen, ohne ein Autogramm zu geben, oder ein Foto zu machen. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich das wegstecke wenn ich das jeden Tag hätte. Hier in Purkersdorf kann ich mich aber relativ leicht vor die Haustüre begeben. (lacht)

Mittlerweile seid ihr Weltmeister. War es immer euer Ziel dort zu sein wo ihr jetzt seid?

S: Definitiv. Damals mit sechs Jahren hat unser Trainer eine erfolgreiche Sportlerin aus unserem Sport eingeladen. Sie wurde damals Europameisterin und hat uns gezeigt, was die so machen. Ich bin dort gesessen uns habe mir das angesehen. Ich habe immer davon geträumt in irgendwas mal der Beste sein zu können. Das ist schon ein Kindertraum von jedem jungen Burschen. (lacht)
N: Dann gibt es zwei Ziele. Den schwarzen Gurt und den Gewinn eines internationalen Wettkampfs. Wenn es dann die WM ist, ist es nochmal besonders. Du weißt dann, an dem heutigen Tag war ich einfach der Beste.

Ihr wohnt in Gablitz. Was ratet ihr den Leuten aus der Region, die auch Interesse an dem Sport haben. Wie und wo können sie am besten damit anfangen?

S: Natürlich in unserem Verein. (lacht) Wir wären aber blöd, wenn wir nicht auch andere Vorteile hervorheben würden. Wir haben einen extremen Fokus auf Wettkämpfe. Wenn man mehr an Selbstverteidigung interessiert ist oder Fighting dann würde ich auch Wiener Vereine empfehlen. Jiu Jitsu ist aber ein reiner Vereinssport.
N: In Gablitz gibt es auch einen Verein. Für Gablitzer Kinder.

Sollte man mit eurem Sport schon als Kind beginnen oder kann man auch später noch einsteigen?

S: Natürlich, es ist nie zu spät anzufangen.
N: Es ist aber leichter als Kind, wenn man die Rolle lernt oder den Sturz.
S: Dinge wie laufen und gehen die man als Kleinkind lernt bleiben einem erhalten. Dinge die man sportlich als Kleinkind lernt behaltet man auch eher. Noch dazu kommt, dass die meisten Erwachsenen beruflich und familiär viel zu tun haben. Sport soll dann eher ein Ausgleich sein. Wenn dann dieser Ausgleich ist, dass du dich zwei Stunden die Woche damit befasst eine Technik genau zu lernen, dann kann das am Anfang unter Umständen sehr deprimierend sein.

Ist die Verletzungsgefahr im Jiu Jitsu hoch?

N: Im Hobbysport nicht. Wir nehmen sehr viel Rücksicht auf unseren Partner. Das höchste Gebot ist, dass wir den Partner nicht verletzten.
S: Jeder Trainer erwähnt das. Vorsichtig sein! Es gibt eigene Zeichen wie man Schmerz signalisieren kann. Zum Beispiel Abklopfen. Das sind eigentlich nur zwei, drei kleine Berührungen am Partner selbst, an sich selbst oder auf der Matte. So, dass der Partner gleich weiß: Schmerzgrenze erreicht, ich muss aufhören.
N: Das lernt man von klein auf. Ich weiß genau, wenn ich z.B. einen Hebel mache. Ab wann spürt man Partner das, ab wann tut es weh.

Was sind eure sportlichen Ziele für die Zukunft?

S: Worldgames 2017. Einmal noch gewinnen.
N: Vollgas geben, Medaille wär toll. Wenn wir es gewinnen, das wäre ja... (lacht)

Danke für das Gespräch. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute!

ZU DEN PERSONEN:
Der 21 Jährige Sebastian Vosta trainiert Jiu Jitsu seitdem er sechs Jahre alt ist. Niko Bichler, 20 Jahre alt hat mit vier Jahren mit dem Training begonnen. Im Team kämpfen sie seit dem Jahr 2011. Beide arbeiten nebenbei als Trainer im Verein Jiu Jitsu Goshindu Pressbaum und wohnen seit ihrer Kindheit in Gablitz.
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