27.03.2016, 08:00 Uhr

Druck auf die Jagd wird nicht kleiner

Bei der Trophäenschau Anfang April ist eine gute Gelegenheit zum Hinschauen und Hinhören.

Höchste Abschusszahl und doch eines der schlechtesten Ergebnisse: Rotwildjagd im Außerfern.

AUSSERFERN (rei). Tirols Landeshauptstadt Innsbruck ist in Sachen Rotwildbestand und damit verbunden mit der Rotwildjagd wahrlich kein Maßstab. Ganze drei Abschüsse wurden für das mit 31. März 2016 zu Ende gehende Jagdjahr vorgeschrieben, zwei waren mit Stand Ende Februar getätigt, macht eine Erfüllung von 66,7 Prozent und damit den letzten Platz in Tirol. Aber Inns­bruck ist wie erwähnt nicht der Maßstab, zumal: läuft noch ein Tier dem Jäger vor die Flinte, wäre Innsbruck die Nummer eins mit 100 Prozent Abschusserfüllung.

Kleinster Bezirk hat höchste Vorgabe

Der kleinste Tiroler Bezirk, Reutte, hat hingegen mit 2407 vorgeschriebenen Abschüssen mit Abstand am meisten in ganz Tirol zu tun. Im „großen“ Schwaz müssen die Jäger laut Behördenplan z.B. „nur“ 1892 Stück Rotwild erlegen und sind damit der Bezirk mit den zweitmeisten Abschüssen. 1489 Stück konnten die Schwazer bis Ende Februar erlegen, macht eine Abschussquote von 78,7 Prozent.
In Reutte waren die Jäger im selben Zeitraum 1638 mal erfolgreich, die Abschussquote liegt damit aber bei nur 68,1 Prozent. Vergleiche mit anderen Tiroler Bezirken zu ziehen ist also fast nicht möglich. Nicht einmal mit dem Nachbarbezirk Landeck kann man das tun (1481 Abschüsse vorgeschrieben, 1091 bis Ende Februar erreicht, Quote 73,7%) und schon gar nicht mit Imst (741/639/86,2).

Motivation sinkt

„Das drückt schon sehr auf die Motivation der Jäger“, sagt Bezirksjägermeister Arnold Klotz. „Nirgendwo wird soviel Rotwild wie bei uns geschossen, dennoch liegen wir bei der Abschussquote weit hinten nach.“ Er weiß wovon er spricht. In den vergangenen Wochen hatte er besonders viel mit den Jägern in den Revieren zu tun, werden um diese Jahreszeit doch die Abschusszahlen für das neue Jagdjahr festgelegt.
„Wir haben im Außerfern mit Abstand die höchste Zahl an Berufsjägern in ganz Tirol, dennoch kommen wir einfach nicht an die geforderten Abschusszahlen heran“, ärgert sich Klotz über - seiner Ansicht nach - viel zu hohe Forderungen seitens der Behörde.
Dass die Abschusszahlen gerade im Außerfern so hoch sind, hängt mit einer enorm hohen Rotwild-Population zusammen und mit Tbc-Erkrankungen, die leider nach wie vor feststellbar sind.

Hoher Wildbestand

„Dem Rotwild gefällt es in unseren Wäldern wohl besonders gut. Es findet hier ideale Lebensbedingungen vor“, nennt Klotz die Erklärung dafür, dass es soviel Rotwild gibt. Und dass die Tbc-Erkrankungen zuletzt sogar wieder zugenommen haben, sieht der Bezirksjägermeister darin begründet, dass man andernorts, etwa im benachbarten Bayern, längst nicht so konsequent bei der Bejagung war, wie bei uns. Jetzt schwappt die Krankheit, die schon auf vier Prozent der erlegten Tiere unten war, wieder zu uns her­über und liegt aktuell in einigen Jagdrevieren wieder bei rund 10 Prozent.
Klotz ist in dieser Angelegenheit in engem Kontakt mit den Behörden: „Wir wissen, dass sich die Zahl der Erkrankungen wie Wellen dahinbewegt, mal ist man unten, dann oben. Derzeit sind wir wohl auf einem Wellenkamm.“

Trophäenschau am 2./3. April

Für Spannung ist also gesorgt, wenn 2. und 3. April die Trophäenschau in der Sporthalle in Reutte stattfindet. Bei der Eröffnungsversammlung am Samstag um 14 Uhr werden wohl offene Worte seitens der Jäger und der Behörde zu hören sein.
„Wir tun was wir können. Mehr geht nicht mehr“, erläutert Klotz den Standpunkt der Weidmänner. Ob man dies seitens der Bezirksbehörde auch so sieht? „Das werden wir ja bald zu hören bekommen“, ist sich Klotz bewusst, dass es - wie bei der Trophäenschau üblich - klare Worte von allen Seiten geben wird.
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