17.03.2016, 04:00 Uhr

Interview Josef Walch

Herr Walch, Wie steht es um den Wald im Außerfern?
JOSEF WALCH: In den 1980er- und 1990er-Jahren war der saure Regen unser Hauptproblem. Dank vieler Maßnahmen gibt es Entlastungen bei Schwefel, bei den Stickoxiden ist der Verkehr weiterhin problematisch.
Wir sehen das an Kronenverlichtungen. Hinzu kommt, dass wir aufgrund extremer Standorte, die schwer bis gar nicht zu bewirtschaften sind, viel alten Wald haben.

Spricht man über den Wald, kommt man am Wild nicht vorbei.
Das ist richtig. Wir haben unsere Probleme, nicht bei der Fichte, aber bei Tannen und Laubgehölzen. Hier ist der Verbiss zu hoch. Die Mischbaumarten fallen teilweise aus, die Waldverjüngung verzögert sich.

Ist das Verhältnis Forst/Jagd dadurch getrübt?
Wir haben ein gutes Gesprächsklima, aber es gibt unterschiedliche Ansichten. Wir müssen aufzeigen, wo die Probleme zw. Wald und Wild liegen. Die Jägerschaft muss die daraus resultierenden Vorgaben erfüllen, was nicht immer einfach ist.

Gibt es genügend junge Menschen, welche die Arbeit im Wald anstreben?
Die Forstarbeit ist sehr hart. Forstarbeiter oder Forstunternehmen gibt es im Bezirk nur wenige. Der Waldaufseherberuf ist sehr begehrt, neue Jobs gibt es allerdings nur bei Pensionierungen. Um die Waldaufseher-Nachfolge bewerben sich meist mehrere Kandidaten, die Waldaufseher müssen eine einjährige Ausbildung in Rotholz absolvieren.
Auch die Försterposten im Bezirk sind begrenzt. Viele Jahre lang fand sich bei uns niemand, der die Försterausbildung machen wollte. Jetzt besuchen sechs junge Männer die Försterschule in Bruck an der Mur.
Finden die Anliegen der Förster bei den politischen Vertretern gehör?
Großteils schon, speziell das Thema Schutzwald ist von großem Interesse. Hier sind auch die Fördermöglichkeiten sehr gut.

Sind Sie und Ihre Förster-Kollegen viel im Wald unterwegs?
Wenn es möglich ist, natürlich. Leider viel zu wenig, wie auch bei anderen Berufen fällt sehr viel Büroarbeit an.

Der Wald als Naherholungsraum gewinnt an Bedeutung. Ist das Verhältnis zu Wanderern, Radfahrern usw. ein schwieriges?
Aus forstlicher Sicht haben wir wenig Probleme. Im Rahmen des Landschaftsdienstes arbeiten wir bei der Schaffung von Erholungsangeboten mit.
Probleme gibt es teilweise durch die Beunruhigung des Wildes, die sich negativ auf die Jagd und indirekt auch auf den Wald auswirkt.

Das Gespräch führte Günther Reichel
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