Wiesenegg blieb SPÖ-Ehrenvorsitz verwehrt

Willi Lechleitner
 
Hans Kuppelwieser
Die SPÖ im Bezirk Reutte vollzog am Samstag den Generationenwechsel. Harmonisch war die Versammlung nicht!

BREITENWANG (rei). Gerade einmal 38 Delegierte konnte Bezirks­obmann Helmut Wiesenegg bei der Bezirkskonferenz der SPÖ im Ehrenbergsaal im Veranstaltungszentrum von Breitenwang begrüßen. Später, als es zu den Abstimmungen kam, waren überhaupt nur mehr 36 anwesend.

Mit dabei dafür die Spitze der Tiroler Sozialdemokraten, angeführt von Landesparteiobmann LHStv. Hannes Gschwentner, Klub­obmann Hans-Peter Pock, LR Gerhard Reheis und den beiden Landesgeschäftsführern Christine Mayr und Harald Mimm.

Die konnten sich am Ende der Sitzung darüber freuen, dass die Bezirksversammlung einstimmig den Nachfolger von Wiesenegg sowie die große Mehrheit aller weiteren Funktionäre wählte, allerdings mussten Gschwentner & Co. sozusagen aus der ersten Reihe heraus miterleben, wie zerstritten die SPÖ in ihrem Inneren ist.

Lechleitner war unerwünscht
Es war Willi Lechleitner, der die Harmonie als erster platzen ließ. Er hatte sich für die Funktion des Kassiers beworben. Termingerecht, doch bei der entscheidenden Sitzung am 1. März ließ ihn Wiesenegg streichen und sorgte seinerseits dafür, dass ein anderes Mitglied für eine Position im Ausschuss angefragt wurde - nach Meldeschluss. Lechleitner verlas das entsprechende Protokoll.

„Aber ich ziehe meine Kandidatur gerne zurück, wenn auch Hans Kuppelwieser nicht kandidiert“, ließ Lechleitner die Bezirksversammlung wissen. Kuppelwieser schien als Kandidat für das Amt des Kassiers am Wahlvorschlag auf. Ein Umstand, der einem Teil der Delegierten gar nicht gefiel. Kuppelwieser ist 82 Jahre alt und gilt als treuer Gefolgsmann von Wiesenegg. „Wenn wir wollen, dass Ruhe in den neuen Vorstand einkehrt, dann braucht es einen echten Neustart“, meinte Lechleitner.

Dem konnte Kuppelwieser wenig abgewinnen. Als Leiter des Tagespräsidiums schnitt er Lechleitner das Wort ab: „Die Redezeit beträgt fünf Minuten. Die sind vorbei.“

Dann legte der 82-Jährige nach: „Du bist ein Querulant, sonst nichts. Solche Aufgeiger brauchen wir nicht in der Partei!“

Landesgeschäftsführer Harald Mimm sorgte wieder für Sachlichkeit. Er ließ bei der Wahl den Namen Willi Lechleitner neben jenen von Hans Kuppelwieser schreiben. 23 Delegierte stimmten für Kuppelwieser, 13 für Lechleitner. Der nahm das Ergebnis zur Kenntnis, und wunderte sich auch nicht: „Die ‚unseren‘ sind doch alle schon lange ausgetreten.“

Vorstand einstimmig gewählt
Einigkeit herrschte, was die ­übrigen Mitglieder des Bezirksvorstandes bzw. des Bezirksausschusses betraf - sie wurden einstimmig in ihre Funktionen gewählt. Damit ist Helmut ­Lorenz nun nicht nur Ortsparteiobmann von Reutte, sondern auch Bezirks­parteiobmann.

Bitterer Moment für Wiesenegg
Dann musste Helmut Wiesenegg wohl einen der bittersten Momente in seinem politischen Leben über sich ergehen lassen. Kuppelwieser stellte den Antrag, Helmut Wiesenegg zum Ehrenvorsitzenden zu wählen. Dazu verlas er eine fünfseitige Zusammenstellung über dessen Leistungen für die Sozialdemokratie in den letzten 50 Jahren.

Doch auch das fand nicht die einhellige Zustimmung. Christoph Scheiber, Betriebsratsobmann bei Plansee, meldete sich als Arbeitnehmervertreter zu Wort. Er bat unter dem Hinweis auf diverse Entscheidungen Wieseneggs ­gegen Arbeitnehmer, man möge den Antrag zurückziehen oder zumindest in der Ortspartei diskutieren, nicht aber auf Bezirks-ebene. Unverständnis darüber bei Hans Kuppelwieser: „Das ist ein Komplott! Die Verdienste Wieseneggs überwiegen.“

Sicher nicht, meinte Willi Lechleitner. Er erinnerte daran, dass die Zahl der SPÖ-Mitglieder unter Wiesenegg von 400 auf 150 gesunken und die Anzahl der SPÖ-Bürgermeister bzw. SPÖ-nahen Bürgermeister von fünf auf null zurückgegangen war.

Da die SPÖ unter Wiesenegg auch mehrere Parteiausschließungsverfahren betrieben hatte, kündigte Lechleitner an, ein solches nötigenfalls auch gegen einen möglichen Ehrenvorsitzenden Wiesenegg einleiten zu wollen. Er begründete dies damit, dass Wiesenegg ein Parteiausschließungsverfahren gegen den früheren Ehrwalder SPÖ-Bürgermeister Thomas Schnitzer eingeleitet hatte, weil dieser bei Landtagswahlen eine Wahlempfehlung für Ferdinand Eberle (ÖVP) abgegeben hatte. Bei den Stichwahlen in Reutte sei es dann Wiesenegg gewesen, der sich für Koler (ÖVP) und damit gegen Bgm. Luis Oberer - er ist SPÖ-Mitglied, arbeitet aber weder auf Orts- noch auf Bezirksebene bei den Sozialdemokraten mit - ausgesprochen habe.

Im Saal sah man nach diesem Schlagabtausch betroffene Gesichter. Die Abstimmung ­verlief geheim. Finstere Gesichter dann während der Auszählung und unübersehbare Nervosität beim neuen Bezirksvorsitzenden.

Wiesenegg verzichtete selbst
Noch bevor dieser aber das Wort an die Delegierten richten konnte, stand Wiesenegg auf und verzichtete von sich aus auf das Amt des Ehrenvorsitzenden: „Ich mache das für die SPÖ. Ich möchte gar nicht hören, wie die Abstimmung ausgegangen ist“, sagte Wiesenegg mit gedämpfter Stimme und gab seinem Nachfolger damit ein klares Signal, dass dieses Abstimmungsergebnis in den Schubladen verschwinden soll.
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