15.03.2016, 18:30 Uhr

Gesunde Hausmittel aus dem Wald

Der Bärlauch wirkt blutreinigend und antibakteriell. Man genießt ihn am besten frisch aufs Butterbrot oder das ganze Jahr über als Pesto. (Foto: Kräuterzentrum Manetzgruber)

Tannenwipfel, Waldbeeren, Bärlauch und Huflattich: Selbstgemachte Hausmittel aus dem Wald helfen bei Husten & Co.

TAISKIRCHEN (lenz). Die frische Luft, eine angenehme Ruhe und beruhigende Farben: Der Wald ist ein Erholungsort für Körper und Geist. Dass aber auch seine Früchte eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit haben können, weiß Kräuterfachfrau Erika Manetzgruber aus Taiskirchen. In ihrem Kräuterzentrum gedeihen auf rund 5000 Quadratmetern an die 350 heimische Wildkräuter – naturbelassen und ohne Kunstdünger. Auch im und rund um den Wald findet die Expertin Zutaten für allerlei Hausmittel. "Fichtenzapfen, Waldbeeren und deren Blätter, Huflattich, Brennessel oder Schlüsselblumen – in der Natur ist für jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen", weiß Manetzgruber und gibt Tipps für leicht zubereitete Hausmittel aus dem Wald:

• Fichtenzapfen-Likör

"Durch das ätherische Fichtenöl wirkt der Likör gut bei Husten und Heiserkeit, er schmeckt ähnlich wie der bekannte Zirbenlikör", erklärt Manetzgruber. Für die Zubereitung braucht man sieben grüne Fichtenzapfen, ein Liter Schnaps (etwa Korn) sowie 300 Gramm Kandiszucker. Die Zapfen in kleine Stücke schneiden, zusammen mit Schnaps und Zucker in ein Glasgefäß geben. Sechs Wochen an einem warmen, hellen Platz gut verschlossen stehen lassen und täglich einmal schütteln. Dann abseihen und in Flaschen füllen.

• Fichten- oder Tannenhustensirup

Dafür einfach zwei Hand voll junge Fichten- oder Tannenwipfel in einem halben Liter Wasser aufkochen und über Nacht stehen lassen. Abseihen, mit einem halben Kilo Rohrzucker so lange einkochen, bis der Saft schön dickflüssig ist. Am besten in einem breithalsigen Gefäß lagern (etwa Marmeladenglas), da der Saft eventuell nachdickt. Daraus kann er ganz einfach mit einem Löffel entnommen werden. Tipp der Expertin: "Der Sirup eignet sich auch sehr gut zum Verfeinern von Müslis."

• Selbstgemachte Zugsalbe

"Die Zugsalbe hilft gut bei Geschwüren, Hämorrhoiden und Entzündungen sowie eben als Zugsalbe bei eingezogenen Splittern oder Ähnlichem", weiß Manetzgruber. Zubereitung: Fichtenharz, Olivenöl und Bienenwachs zu gleichen Teilen bei niedriger Temperatur schmelzen und so lange rühren, bis die Creme eine schöne Konsistenz hat.

• Selbstgemachtes Bärlauchpesto

Der Bärlauch besitzt reichlich ätherisches Öl und wertvolle Mineralsalze, hat blutreinigende und antibakterielle Eigenschaften. "Sehr gut hilft die Pflanze zum Beispiel bei Arterienverkalkung und erhöhtem Blutdruck. Um sich die Heilkraft des Bärlauchs das ganze Jahr über zu bewahren, bietet sich die Zubereitung eines Pestos an", rät die Expertin. Für 1/4 Liter Pesto braucht man 150 Gramm Bärlauch, 30 Gramm grobes Salz und 1/8 Liter Rapsöl. Den Bärlauch mit dem Rapsöl zerkleinern, bis die gewünschte Feinheit erreicht ist. Zum Schluss das Salz unterrühren. In ein Schraubglas füllen und mit Öl bedecken. Kühl und dunkel gelagert hält das Pesto mindestens ein Jahr.

• Wilde Beeren: Frucht und Blätter

Wilde Him- und Brombeeren schmecken nicht nur besonders gut, sondern stärken auch das Immunsystem und wirken entgiftend, Brombeeren zudem beruhigend. Am besten genießt man die Früchte ganz frisch. "Bei dem guten Geschmack dieser Beeren geraten die Blätter oft in den Hintergrund, dabei sind auch diese wohlschmeckend und voller wertvoller Inhaltsstoffe", weiß Manetzgruber. Vor allem für Frauen sind die Blätter dieser Pflanzen sehr gut geeignet, da sie Frauenleiden entgegen wirken. Am besten verarbeitet man sie zu Tee, sowohl frisch als auch getrocknet. Die Blätter wirken vor allem im Mund- und Rachenbereich entzündungshemmend, generell durchblutungsfördernd sowie gegen Durchfall und Hautausschlag. "Bei Hautausschlag bietet sich zudem eine Waschung mit einem starken Aufguss an. Ein starker Wildhimbeerblatt-Aufguss wirkt zudem als Sitzbad gegen Hämorrhoiden."

• Walderdbeeren: frisch und als Tee

Die kleinen Erdbeeren aus dem Wald schmecken am besten frisch und haben einen wunderbaren Duft. "Ihre nieren- und harnleiterreinigende Wirkung entfalten sie am besten, wenn man sie frisch genießt", weiß die Expertin. Aber auch ein Tee aus den an Gerbstoffen reichen Blättern (frisch oder getrocknet) wirkt nierenstärkend und blutreinigend. Zudem schafft er Abhilfe bei Frauenleiden, Durchfall sowie Entzündungen in Mund, Hals und Rachen.

• Heidelbeeren & Holunder

Frische Heidelbeeren haben eine eher abführende Wirkung, getrocknet bewirken sie das Gegenteil und sind ein gutes Hausmittel gegen Durchfall. Holunder besitzt eine schweißtreibende und blutreinigende Wirkung, aber Achtung: Die Beeren nur essen, wenn sie wirklich reif sind! Aus den Holunderblüten lässt sich ein wohlschmeckender Saft herstellen.

• Gegen Husten: Huflattich & Lungenkraut

Sowohl die Blüten als auch die Blätter des Huflattich entfalten getrocknet als Tee ihre hustenlindernde Wirkung. "Frisch aufgelegt wirken die Blätter, wenn man sie vorher in der Hand etwas zerdrückt, auch bei Entzündungen", verrät die Expertin. Ein weiteres Hausmittel bei Husten ist das getrocknete Lungenkraut, das als Tee seine lungenstärkende Wirkung zeigt.

• Salat mit Brunnenkresse

Vor allem an kleinen Bachläufen findet man die Brunnenkresse. Sie enthält sehr viele Bitterstoffe und Eisen, wirkt blutreinigend und verdauungsfördernd. Die würzige Pflanze genießt man am besten frisch in Salaten oder als Aufstrich.

• Preiselbeeren & klebriges Labkraut

Preiselbeeren können sowohl frisch als auch getrocknet gegessen oder weiterverarbeitet werden. Sie wirken sehr gut bei Harnwegsinfekten oder Blasenentzündungen. Ebenso das klebrige Labkraut, das getrocknet als Tee seine harntreibende und entgiftende Wirkung entfaltet. Als starker Aufguss in einem Sitzbad wirkt es nierenstärkend.

• Die Schlüsselblume als Hausmittel

Sie ist nicht nur schön anzusehen, die Schlüsselblume. Für eine Nutzung als Hausmittel sammelt man am besten die Blüten samt Kelch, da dieser wertvolle Wirkstoffe enthält. Getrocknet als Tee besitzt die Blume eine schleimlösende Wirkung und hilft bei Husten. Zudem wirkt sie herz- und lungenstärkend, beruhigend und blutreinigend.

• Vielseitige Brennessel

"Die Brennessel ist eine überaus vielseitige Pflanze. Sie wirkt blutreinigend, blutbildend, harnsäuretreibend und senkt den Blutzuckerspiegel. Sie kann unter anderem bei gichtischen und rheumatischen Beschwerden, Haarausfall, Verstopfung oder brüchigen Nägeln angewendet werden", weiß Manetzgruber. Dabei können alle Pflanzenteile verwendet werden. Die Blätter etwa – frisch oder getrocknet – als Sitzbad in Form eines starken Teeaufgusses. Auch als "Spinat" lassen sich die Blätter gut verarbeiten, stark zerkleinert passen sie auch gut ins Salatdressing. Und die Expertin hat noch einen Tipp: "Im Herbst bietet sich an, die Samen der Brennessel zu ernten. Getrocknet passen sie sehr gut ins Müsli, in Salate und Aufstriche oder in den Brotteig."

Mehr Infos zu Kräutern und ihrer Wirkung gibt es im Kräuterzentrum Taiskirchen bei Erika Manetzgruber: www.kraeuterzentrum.at
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