10.03.2016, 08:43 Uhr

Seelsorge oder Psychotherapie: Stadtpfarrer Rupert Niedl im Gespräch

Rupert Niedl, Stadtpfarrer in Ried, beobachtet, dass Menschen ihm offener begegnen, wenn er nicht als Amtsperson auftritt.

Wenn die Seele erkrankt, braucht der Mensch Hilfe. Ob ein Theologe oder ein Psychologe besser weiterhelfen kann, oder beide in Anspruch genommen werden, muss individuell entschieden werden.

RIED (ebe). Der Mensch besteht aus "Leib und Seele", er kann sowohl körperlich erkranken, als auch seelischen Belastungen ausgesetzt sein. Zweiteres nimmt in den letzten Jahren enorm zu. Familienschicksale, Stress, Druck oder dauerhafte Überbelastung. Die Vielfalt der Gründe ist groß, genauso groß ist das Angebot, Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Ich stehe Menschen gerne zur Verfügung, die ihre Seele entlasten wollen", so Rupert Niedl, Stadtpfarrer in Ried. Er geht selbst auf Personen zu, wenn er merkt, dass sie bedrückt sind und sucht das Gespräch. "Mir fällt allerdings auf, dass Menschen wesentlich offener mit mir reden, wenn ich nicht als Amtsperson auftrete. Beim Autowaschen beispielsweise bleiben die Leute stehen und beginnen zu erzählen. Die Atmosphäre ist eine andere, als am Sonntag nach dem Gottesdienst", so Niedl.

Was uns bedrückt
Psychische Belastungen sind vielfältig. "Wenn der Kinderwunsch einfach nicht klappen will, oder Babys tot auf die Welt kommen, fallen die Betroffenen in eine tiefe Trauer. Leider ist es ein Tabu in unserer Gesellschaft, darüber zu sprechen. Diese Schicksale belasten die Partnerschaft oder Ehe enorm", so der Stadtpfarrer. Ob Menschen ihren Halt im Glauben suchen, und sich an einen Seelsorger oder Pfarrer wenden, oder einen Therapeuten aufsuchen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf die Frage, ob Seelsorge und Psychotherapie sich gegenseitig ersetzen könnten, antwortet Niedl: "Ich sehe vor allem in der Kombination die heilende Wirkung. Ich habe meine Empfehlung zur externen Hilfe öfter gegeben. Ich bin bei familieninternen Diskrepanzen selber befangen, weil ich die Familien kenne. Ein Mediator ist unvoreingenommener und objektiver in solchen Fällen."

Theologie versus Psychologie
Im Gespräch mit einer Psychologiestudentin konnte Niedl klare Parallelen erkennen. Die Inhalte der beiden Studiengänge überschneiden sich häufig, und das Konkurrenzdenken ist rückläufig. "Der Respekt füreinander ist gewachsen, die Wertschätzung mehr. Der Theologe sieht das Wertvolle an der Berufsgruppe der Psychologen, und umgekehrt genauso."
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