29.04.2016, 10:47 Uhr

Was wirklich hinter der Zeckengefahr steckt

Ein Zeckenstich kann zwei entzündliche Erkrankungen des Nervensystems verursachen: FSME und Borreliose. (Foto: sasel77/Fotolia)

Andreas Kampfl vom Krankenhaus Ried berichtet über die Krankheiten FSME und Borreliose.

RIED. Mit den warmen Temperaturen und dem vermehrten Aufenthalt im Grünen steigt auch sie wieder: die Zeckengefahr. Durch einen Zeckenstich können zwei entzündliche Erkrankungen des Nervensystems verursacht werden: die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) und die Borreliose.

Über FSME

"Die Infektionsgefahr der Viruserkrankung FSME ist in ganz Europa gegeben. Sie beginnt im Februar und endet im November", informiert Andreas Kampfl, Leiter der Abteilung für Neurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. Er beschreibt den in zwei Phasen ablaufenden Krankheitsverlauf so: In der ersten Phase klagen die Patienten über Allgemeinbeschwerden wie Fieber (meist unter 39°C), Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Husten und Schnupfen. Nach einer meist beschwerdefreien Zeitspanne von maximal acht Tagen beginnen dann jene Symptome, die den Befall des Nervensystems signalisieren. In 25 Prozent der Fälle kommt es dabei zu einer isolierten Gehirnhautentzündung (Meningitis) mit Fieber, Nackensteifigkeit, Lichtscheue und Übelkeit.

"Bei 70 Prozent der Betroffenen ist jedoch eine Mitbeteiligung des Gehirns in Form einer Gehirnentzündung (Encephalitis) nachweisbar. Hierbei zeigen sich häufig eine Hirnschwellung und Einblutungen in das Gehirn mit Bewusstseinstrübungen, Lähmungen und epileptischen Anfällen. Bis zu zwei Prozent dieser Fälle enden leider tödlich", berichtet Kampfl. Der entzündliche Befall des Rückenmarks und der Nervenwurzeln mit einer Querschnittslähmung komme in bis zu zehn Prozent der Fälle vor und sei mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 20 Prozent verbunden.

Eine spezifische Behandlungsform der FSME gibt es nicht. Daher können nur die Symptome in Form von Fiebersenkung, Schmerzbekämpfung und neurologischer Rehabilitation behandelt werden. „Die Impfung gegen die FSME ist der einzig wirksame Schutz“ betont der Mediziner. Die geimpfte Person ist zu 99 Prozent vor der Erkrankung und deren Folgen geschützt. Klinisch relevante Impfkomplikationen treten laut Kampfl bei gesunden Menschen keine auf.

Die Borreliose

Anders als bei der FSME könne gegen die Borreliose nicht geimpft werden. Sie sei jedoch als bakterielle Erkrankung mittels antibiotischer Behandlung heilbar. Innerhalb von Tagen bis Wochen nach dem Zeckenstich kommt es zu einem typischen Hautausschlag: eine ringförmig verlaufende Hautrötung rund um den Zeckenstich (roter Ring) meist mit hellem Zentrum. Vier bis sechs Wochen nach dem Zeckenstich kann es zu einer entzündlichen Reaktion des Nervensystems („Neuroborreliose“) kommen. Diese zeigt sich zumeist in Form einer Hirnhautentzündung als auch in Form einer Nervenentzündung. "Die Nervenentzündung geht oft mit heftigsten, manchmal unerträglichen Schmerzen im Ausbreitungsgebiet der betroffenen Nerven einher. Oft kommt es zu einer Verstärkung der Schmerzen in der Nacht. In bis zu 90 Prozent der Fälle kommt es zu einer Gesichtslähmung", so Kampfl.

Er weist darauf hin, dass ein positiver Blutbefund alleine nicht bedeutet, dass eine Person tatsächlich an einer Borreliose erkrankt ist. Die sichere Diagnose einer FSME und Neuroborreliose könne nur durch eine exakte klinisch neurologische Untersuchung und durch die Beurteilung der Rückenmarksflüssigkeit mittels einer Lumbalpunktion („Kreuzstich“) gestellt werden. Dieser wird durch ein spezielles Verfahren an der Neurologie des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Ried schmerzfrei durchgeführt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.