31.05.2016, 09:07 Uhr

Eine Nacht am Friedhof

Die Organisatoren haben sich für "Die Lange Nacht der Kirchen" einiges einfallen lassen.

"Die Lange Nacht der Kirchen" lädt am Freitag, 10. Juni 2016, auf den Rieder Stadtfriedhof.

RIED (kat). Es ist schon etwas ungewöhnlich, eine Veranstaltung auf einem Friedhof abzuhalten. Aber genau das tun die Verantwortlichen der "Langen Nacht der Kirchen" heuer. Am Freitag, 10. Juni, ab 19 Uhr erwarten die Besucher am Rieder Stadtfriedhof Kultur, Spiritualität und Unterhaltung. Das österreichweite Motto heuer: "Die Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen, Nacht wird es dort nicht mehr geben." "Der Rieder Stadtfriedhof bietet eine friedliche Kulisse. Er ist ein Ort der Erholung, an dem es viele Kleinode zu entdecken gibt", erklärt Koordinator Christoph Wiesner die Entscheidung für den spirituellen Ort. Er ist der Meinung, dass viel zu wenig über den Tod gesprochen werde: "Dieses Thema wird verdrängt."

Programm in der Aussegnungshalle

In der Aussegnungshalle startet "Die Lange Nacht der Kirchen" um 19 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, der sich auch um den Tod drehen wird. Um 19.45 Uhr steht die "Heilkunst am Lebensende" im Mittelpunkt. Berufsgruppen der Abteilung für Palliativmedizin geben dabei Einblick in ihre Erfahrungen. Sieglinde Frohmann beleuchtet den Stadtfriedhof ab 20.45 Uhr historisch. Sie erzählt über Standorte, den Architekten Raimund Jeblinger sowie über Volkskundliches wie die Totenkrone, die Zehrung oder die Konduktsemmel. "Die Toten- und Konduktsemmel sollte eine Wegzehrung für alle sein. Sie war mit Anis bestreut. Die Totenkrone als Grabbeigabe war ein Symbol für das Leben, das durch den Tod gekrönt wird."

Um 21.30 Uhr stellt Pfarrer Tom Stark die Frage, ob Protestanten in den gleichen Himmel kommen, wie Katholiken. "Protestanten glauben, sprechen und denken anders über den Tod. Das fängt schon bei der Bestattung an. Ein Begräbnis ist bei den Protestanten eher ein Trost für diejenigen, die zurück bleiben".

Am Friedhof-Gelände

Am Gelände des Stadtfriedhofs findet die erste Veranstaltung der "Langen Nacht der Kirchen", um 19.30 Uhr statt. Meinrad Mayrhofer führt zu den Gräbern von Künstlern der Region sowie zu künstlerisch gestalteten Gräbern. Seine Tochter, Katharina Mayrhofer, präsentiert ihre aufblasbare, begehbare Rauminstallation "Dome". "In meinen Arbeiten beschäftige ich mich mit dem Raum. Ich nähere mich diesem Thema sehr wissenschaftlich", so Mayrhofer.

Um 20.30 Uhr startet ein historischer Trauerzug mit einem Pferdegespann. Er spannt den Bogen von den alten Teilen des Rieder Stadtfriedhofs bis hin zu den neuen, wie den Stelenpark. Die Reise spiegelt sich in der Musik wider – diese stammt von der Musikkapelle Eitzing, den Riada Wüdschützn oder einem Musiker der Wiener Philharmoniker. Den Abschluss des Trauerzugs bildet eine traditionelle Totenzehrung mit Rindfleisch.

Um 21 Uhr kann man sich bei einem Lichter-Labyrinth mit seinen eigenen Gedanken beschäftigen und um 22 Uhr erklingt am Friedhof ein Klanguniversum mit Ensembles der Landesmusikschule und mit Texten von Erich Fried. Beides findet nur per Schönwetter statt.

Aber noch andere außergewöhnliche Sachen sind bei der "Langen Nacht der Kirchen" zu erleben. So bietet die Rieder Stadtfeuerwehr mithilfe eines Krans einen "Blick vom Himmel" auf den Friedhof. Und alle, die schon einmal in einem Sarg "Probeliegen" wollten, haben hier dazu Gelegenheit.
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