18.10.2016, 11:19 Uhr

Fußballplatz: Stätte des Sports und des Dialogs

SV Ried-Manager Stefan Reiter appelliert an die Behörden, Integration nicht durch Bürokratie schwerer zu machen, als sie ohnehin ist – er weiß: Sport spricht alle Sprachen.

RIED (ebe). "Der Fußball war immer ein Weg der Integration. Mit diesem Abend wollen wir das Bewusstsein stärken", betont Bezirkshauptmann Franz Pumberger beim Informationsabend zum Thema "Sport spricht viele Sprachen", zu dem sich Vertreter aus Politik, Exekutive, Fußballverband und Migranten selbst trafen. "Die ersten Hürden der Quartiersuche wurden durch die Unterstützung der Gemeinden, Caritas, Volkshilfe und Rotem Kreuz geschafft. Jetzt stellt sich der gesamten Bevölkerung die Aufgabe der Integration, egal ob am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. „Fußball ist ein Weg, der Menschen zusammenführt“, so zitiert Pumberger Nelson Mandela, einen Freund des Fußballs.

Kinder lernen über das Spielen. Gib ihnen einen Ball, und sie werden zu spielen beginnen. Das bestätigt auch Ingijad Djulic, Trainier beim ProSV Ried, die derzeit sieben Flüchtlingskinder in den Teams haben. "Ich versuche die Kinder auf dem selben Weg zu integrieren, wie ich damals integriert wurde – nämlich mit Sport. Automatisch lernte ich die deutsche Sprache und schloss soziale Kontakte."
Fußball ist laut Stefan Reiter, sportlicher Manager der SV Guntamatic Ried, gelebte Integration. "Wir haben durch die Flüchtlingswelle neue Talente im Land. Sie heißt es zu motivieren. Denn erst nach dem positiven Bescheid überlegen sich die Flüchtlinge, wo sie bleiben wollen und ziehen in die Ballungszentren. Wollen wir sie im Innviertel halten, heißt es sie aktiv zu integrieren, wie beispielsweise in den Fußballvereinen", so Landtagsabgeordneter, Bürgermeister Präsident, Hans Hingsamer.

Genaue Zahlen

Sowohl in Braunau, Ried als auch in Schärding sind derzeit jeweils rund 650 Flüchtlinge untergebracht, dazu kommen 600 in Grieskirchen und 400 in Eferding. "Es funktioniert gut, sie in kleinen Gruppen unterzubringen", erklärt Schärdings Bezirkspolizeikommandant Matthias Osterkorn. Wieviele davon auch tatsächlich in Österreich bleiben werden, darüber ist sich Bezirkshauptmann Franz Pumberger noch unsicher. Es sei noch zu früh um das Abzuschätzen. Er rechne mit über 1000, die in den umliegenden Bezirken den Asylstatus bekommen werden.
Die Steuerungsgruppen in allen Bezirken sind gefordert, die Herausforderung auch weiterhin zu meistern. Von Gemeinden, NGOs (Caritas, Volkshilfe, Rotes Kreuz), AMS, Wirtschaftskammer, Pflichtschulen und den Bezirkshauptmannschaften sind alle in dieser Gruppe vertreten. Sie suchen gemeinsam nach bestmöglichen Lösungen. "Ein Spaziergang ist das ganze nicht“, ist sich Pumberger sicher.

Fußball ist weltumspannend

Franz Maier vom Präsidium des oberösterreichischen Fußballverbandes hat die Aufgabe Integration über. Er weiß, die Zahl der Syrer, Iraker, Iraner und Afghanen ist im Fußballverband im Vergleich zu den Vorjahren stark gestiegen. Der Fußballverband gibt Vereinen Tipps bei Meldungen, Minderjährigen oder dem Sprachpass. Auch von 360 Schiedsrichtern haben in Oberösterreich bereits 20 Prozent einen Migrationshintergrund „Fehler machen Österreicher und Nicht-Österreicher gleich“, so Thomas Prammer vom oberösterreichischen Schiedsrichterkollegium. Alle werden begleitet, aufgefangen, egal welcher Herkunft. Denn besonders Schiedsrichter mit Migrationshintergrund erleben oft sehr persönliche Beschimpfungen. Leider ist Integration ist immer zweiseitig. Unser Zie ist der Abbau von Vorurteilen.“

Wertevermittlung seit Jahrzehnten

„Fußball versuchte schon sehr früh, männlich Flüchtlinge zu integrieren. Denn wenn junge Kinder zu Vereinen kommen und mit anderen Kinder zusammen ihre Freizeit verbringen, braucht es keine Deutschkurse. Dort werden Werte vermittelt, dort müssen sich Kinder an Organisationsstrukturen halten. Diese Erfahrung habe ich schon vor 25 Jahren gemacht, und mache ich auch heute noch", so die Erfahrungen Reiters.
„Einen Doppelpass kennt jeder, ein Tor und den Jubel ebenso. Fußballer haben eine gemeinsame Sprache,“ weiß auch Edi Causevic, Trainer im Landesverbands-Ausbildungszentrum Ried (LAZ). Er ist sich sicher, dass Fußball Integration beschleunigt. Und auch Manager Reiter betont: "Es ist egal, von wo sie kommen. Wir nehmen alle Nationen. Allerdings stelle ich eine Große Bitte an alle Behördern und Verbände, die Sache nicht komplizierter zu machen, als sie ohnehin schon ist."
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Roswitha Stetschnig aus Völkermarkt | 18.10.2016 | 14:04   Melden
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