04.08.2016, 10:46 Uhr

Generation Smartphone: Wenn der Freizeitspaß abhängig macht

(Foto: Syda Productions/Fotolia)
BEZIRK (kw). Partnersuche, Glücksspiele, Kontaktpflege, Shopping und seit neuestem auch virtuelle Monster. Die Angebote die das World Wide Web bietet sind schier endlos und werden weltweit täglich genutzt. Selbst Geschäftsanbahnungen und Marketing über Social Media sind längst Realität. Ein Leben ohne Internet ist sowohl für Privatpersonen als auch in der Berufswelt nicht mehr vorstellbar.

Zwanghafte Nutzung

Internetnutzung ist allgegenwärtig und der Grad zwischen problematischer Nutzung und Abhängigkeit ist schmal. In Zeiten von Smartphones, unbegrenztem Datenvolumen und Wlan ist "online gehen" so einfach und preiswert wie noch nie. Die Gefahr in die Abhängigkeit zu rutschen ist daher groß.
Dabei ist nicht die Zeit vor dem PC das Ausschlaggebende, weiß Psychotherapeutin Patricia Weißl-Günther aus Ried: "Abhängig ist, wer nicht mehr ohne Internet sein kann, wem digitale Kontakte wichtiger werden und wenn ohne Internet Unruhe oder Traurigkeit eintritt. Aber auch wer Bezugspersonen diesbezüglich belügt, sowie bei Leistungsbeeinträchtigungen in Beruf oder Schule und wer Spielen im Netz nutzt um Stress auszublenden."

Warum übermäßiger Internetkonsum nicht nur körperlich, auf Grund mangelnder Bewegung, gefährlich ist, erklärt Weißl-Günther so: "Die Fixierung auf die virtuelle Welt führt zur Vernachlässigung sozialer Kontakte oder beruflicher und schulischer Verpflichtungen. Auch der soziale Rückzug oder soziale Ängste werden dadurch gefördert."

Zeitliche Regelungen und Alternativen

Um ein Abdriften in digitale Welten zu verhindern sollen alternative Beschäftigungen gefunden werden. Dazu zählen Natur, Sport und Musik, sie tragen zu einer gesunden Entwicklung von Kindern bei.
Der totale Verzicht auf das Internet ist trotzdem nicht notwendig, denn: "Nicht das Internet an sich ist schlecht, sondern die Art und Weise wie es genutzt wird. Letztendlich ist es eine Frage der Dosierung. Betroffene müssen lernen bewusst mit dem Medium umzugehen", so Weißl-Günther.

Auch Innviertler Schulpsychologin Verena Pagitsch rät zeitliche Regelungen mit den Kindern und Jugendlichen zu vereinbaren: "Mit einem Wecker oder einer wöchentlichen Gesamtmedienzeit kann der Medienkonsum geregelt und kontrolliert werden. Grundsätzlich gilt 'je jünger, desto weniger'."
Konkret empfiehlt Pagitsch bei Kindern bis 10 Jahre sollen 45 Minuten nicht überschritten werden. Bei bis 13-Jährige soll nach einer Stunde Schluss sein.

Außerdem müssen Erwachsene ein Vorbild sein und den eigenen Umgang mit dem Smartphone hinterfragen. "Kleinkinder dürfen keinesfalls mit dem Handy oder Tablet ruhig gestellet werden", warnt Weißl-Günther.

Mobbing im Internet

Neben der Gefahr der Abhängigkeit lauern weitere "Bedrohungen" im Internet. Diese sind Kindern oft gar nicht bewusst und werden zum Teil auch von den Eltern unterschätzt.

Mobbing im Internet ist eine davon und tritt immer häufiger auf. Um dem entgegen zu wirken gibt es in Österreich seit 1. Jänner 2016 den Straftatbestand Cybermobbing.
"Es ist wichtig das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Damit sie sich im Falle eines Mobbingangriffes einem Erwachsenen anvertrauen können", erklärt Pagitsch. Die Psychologin ist selbst in der Beratungsstelle häufig mit der Bearbeitung von Mobbingfällen beschäftigt.
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