19.07.2016, 14:12 Uhr

In den Gemeinden "nah versorgt"

Der Dorftreff in Weilbach - eine gute Ergänzung zum Nahversorger, der aktuell allerdings gerade fehlt. (Foto: privat)

Bäcker, Fleischer oder Lebensmittelhandel – die Nahversorger sind auch Begegnungsorte.

BEZIRK (ebe). Von 36 Gemeinden im Bezirk Ried müssen insgesamt fünf ohne Nahversorger auskommen. So lautet die Bilanz des Institut market calling, das die Struktur des oberösterreichischen Lebensmitteleinzelhandels 2016 analysiert hat. Geprägt ist die Landschaft der Nahversorger vor allem von individuellen, selbständigen und klein ausgerichteten Unternehmen.

Ried gegen den Strom

Seit 2009 ist die Zahl der Gemeinden ohne Nahversorger von 56 auf 41 gesunken. "Das heißt Oberösterreich ist flächendeckend gut versorgt im Vergleich zu anderen Bundesländern", so Gremialobmann Johannes Jetschgo zur Studie. Im Bezirk Ried schlägt der Trend allerdings in eine andere Richtung: Waren es 2012 nur drei Gemeinden ohne Nahversorger, sind es heuer gleich fünf. Eine der Gemeinden, die seit kurzem keinen Nahversorger mehr hat, ist Weilbach. "Gerade für weniger mobile oder ältere Menschen ist die örtliche Einkaufsmöglichkeit unbedingt notwendig. Deshalb sind wir wieder auf der Suche nach einem neuen Nahversorger", weiß Josef Dötzlhofer. Bis ein neuer Pächter gefunden ist, übernimmt der Verein "Weilbach gut versorgt" den Dorftreff. "Die an den ehemaligen Nahversorger angeschlossene Gastronomie ist ein Treffpunkt für viele Menschen im Ort. Der soziale Aspekt zählt“, weiß Vereinsobmann Dötzlhofer. Ihm sowie vielen anderen Bürgern fehlt die örtliche Einkaufsmöglichkeit. Ziel ist es, bald einen Pächter zu finden.
Eitzing ist ebenso auf der Suche nach einer Lösung. Die kleine Gemeinde will im selben Gebäude wie das betreute Wohnen einen Bäcker unterbringen.

Konkurrenz Großmarkt

Auch Mühlheim am Inn kommt seit über 10 Jahren ohne Nahversorger aus. "Die Bürger in der Gemeinde fragen zwar nach einem Nahversorger, aber unsere Gemeinde ist dafür zu klein", weiß Karl Schwandtner, Amtsleiter in Mühlheim. "Gegen die Großmärkte, deren Sortiment und die längeren Öffnungszeiten kommt kein kleines Geschäft auf dem Land an. Das Problem liegt vor allem daran, dass jeder seine Großeinkäufe in den Supermarktketten erledigt. Für die schnellen Besorgungen und Kleinigkeiten, die spontan gebraucht werden, wäre ein Nahversorger vom Vorteil. Nur überlebt das kein Geschäft auf die Dauer, es rentiert sich nicht." Er sieht die Zukunft in kleinen Bussen, die mit einem kleinen Sortiment an frischen Lebensmitteln in die Orte fahren, und dort direkt verkaufen. "Wenn bei uns der Bäckerbus kommt, muss ich mich beeilen, dass ich ihn noch erwische", so Schwandtner, "sinnvoll wäre es, wenn der Verkauf an fixen Punkten, wie dem Ortsplatz, für eine Stunde läuft. Dann kann sich jeder Einwohner die Zeit einteilen. Im Mühlviertel gibt es bereits einige Projekte in dieser Form."

"Mit dem Bus ins "

Familie Zimmerer in Kirchdorf am Inn ist auch Betreiber einer Bäckerei und eines Spar-Marktes. "Diese Möglichkeit nutzen wir, wenn wir mit dem Bäckerbus unsere Tour fahren", erklärt Andrea Zimmerer. Sie packt nicht nur frisches Backwerk ein, sondern stattet ihre Lieferung zudem mit Milchprodukten, Schnittkäse oder Wurst aus. Zweimal pro Woche fahren sie durch die Nachbargemeinden, ihr Kundenkreis wächst stetig. "Gerade ältere Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist, aber auch Mütter von kleinen Kindern sind froh, wenn wir zustellen", so Zimmerer. Die Standorte, an denen sie verkaufen, variieren. "Wir halten teilweise im Ortszentrum, in Wohnsiedlungen, darüber hinaus stellen wir auch persönlich zu." Wenn jemand außertourliche Dinge, wie Waschmittel oder ähnliches braucht, kann er das bei Familie Zimmerer bestellen. Bei der nächsten Tour wird es dann eingepackt. Service also fast bis vor die Haustür.

Gemeinden ohne Nahversorger im Bezirk:
Eitzing, Mörschwang, Mühlheim, Weilbach und Wippenham. Mörschwang, Mühlheim und Wippenham sind durch die Nachbargemeinden versorgt und streben derzeit keine eigene Nahversorgung an. Eitzing will eine Bäckerei installieren, Weilbach sucht aktiv nach einem Nahversorger, ein Geschäftslokal ist vorhanden.

Sortiment und Kooperation:
In Oberösterreich sind rund 60 Prozent der Nahversorger Vollsortimenter, der Rest bietet ein Teilsortiment an. Zu Letzteren gehören beispielsweise Bäckereien, Fleischereien oder auch Tankstellen mit kleineren Shops. Einen Kooperationsvertrag mit der Kette Spar haben gut 40 Prozent der Nahversorger, mit Pfeiffer/Nah&Frisch kooperieren 31 Prozent und Adeg (Rewe) hat einen Marktanteil von 13 Prozent.
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