13.09.2016, 14:48 Uhr

Michael Reisecker: "Ich sammle nur Geschichten"

Michael Reisecker (Foto: Reiseckers Reisen)

Michael Reisecker, gebürtiger Hohenzeller und Aussteiger, gibt den BezirksRundschau-Lesern Einblicke in sein Filmemacher-Dasein.

BEZIRK. (ebe) Nach seinem Ausstieg 2009 machte sich Michael Reisecker aus Hohenzell auf die Reise. Mit Bus und Brillenkamera ausgestattet sucht er nach Menschen und ihren Geschichten. Die Zufallsbekanntschaften filmt er für seine Dokumentarfilm-Reihe „Reiseckers Reisen“. Die vierte Staffel des "österreichischen Roadmovies" gibt es ab 20. September auf ORF1 zu sehen.

BezirksRundschau:
Ab 20. September werden 10 neue Folgen von Reiseckers Reisen ausgestrahlt. Was erwartet die Zuschauer Neues?
Michael Reisecker: Das Konzept ist simpel. Ich mache nichts anderes, als Geschichten zu sammeln. Es macht mir nach über 900 Begegnungen noch immer Spaß, Menschen zu begegnen. Die Region ist die Bühne, auf der eine Folge stattfindet. Im Vordergrund steht der positive Grundgedanke, das ist mein Zugang zu den Menschen und ihren Geschichten. Verändert hat sich die Serie vor allem durch mich. Ich bin an anderen Themen interessiert als noch vor ein paar Jahren und habe viel dazugelernt im Bezug auf Filme.

In welche Regionen hat es dich in der neuen Staffel gezogen?
Vom Brandnertal in Vorarlberg, der alten Donau oder der Wachau – ich versuche, alle Bundesländer abzudecken. Vor allem reizen mich Regionen, in denen ich vorher noch nie war. Derzeit habe ich ein europäisches Format im Auge, mit einer Doppelfolge in Lignano starte ich gleich in dieser Staffel. Der Durchschnittsösterreicher urlaubt in Lignano, dort habe ich ein großes Sammelsurium an österreichischen "Bundesländlern" getroffen. Der Wiedererkennungswert für die Zuschauer ist bei den beiden Folgen sehr groß.

Du triffst sowohl geborene und eingewanderte Österreicher. Wie gehst du mit der Verschiedenheit um?
Es ist mir egal, ob mir eine österreichische, 70-jährige Luxus-Pensionistin, eine Asylhelferin oder die türkische Taxifahrerin ihre Geschichte erzählt. Transportieren kann ich mit meiner Dokumentation viel. Und so manchen bringe ich vielleicht zum Nachdenken mit den Charakteren, die ich schon sehr bewusst auswähle.

In welchem Bundesland fühlst du dich zuhause?
Ich pendle zwischen Vöcklabruck und Wien. Mehr "zuhause" fühle ich mich definitiv in Oberösterreich. Für die Aufnahmen bin ich viel unterwegs, für Filmschnitt und Regie sitze ich mit meinem Team von Geyrhalter Filmproduktion in Wien in einem Studio.

Seit 2009 bist du schon unterwegs, verändert deine wachsende Bekanntheit deine Interviews?
Vor dieser Tatsache hatte ich schon vor einigen Jahren Angst. Aber obwohl ich mit meiner späten Sendezeit nicht zufrieden bin, ist es doch ein großes Glück. Denn dadurch bin ich weniger bekannt. Meistens komme ich zu den Menschen, erkläre kurz Kamera und Mikrophon, und innerhalb kürzester Zeit ist es vergessen, dass eine Kamera mitläuft. Dadurch sind die Gespräche authentisch und echt. Ich bin eigentlich nur Vermittler zwischen den Gesprächspartnern und den Zuschauern vor dem Fernseher. Ich werte bewusst keine Aussagen, sondern rege die Zuschauer an, selbst nachzudenken. Jeder darf sich sein eigenes Bild machen.

Die Förderung vom Land wurde dir bereits zugesagt, das heißt deine Fans dürfen sich auf eine Fortsetzung freuen?
Es ist das erste Mal, dass während der Ausstrahlung der vierten Staffel bereits die Fünfte in Arbeit ist. Es wird weitergehen, und ich strebe über die Grenzen hinaus, Deutschland, Schweiz, möchte den europäischen Gedanken ausbauen. Aber die Umsetzung hängt letztendlich von den finanziellen Förderungen ab.

2009 bist du das erste Mal "ausgestiegen" und hast den Alltag hinter dir gelassen. Ist ein nächster Ausstieg vorstellbar?
Grundsätzlich ja. Ich bin aus der Beständigkeit ausgestiegen, und habe mit meinen Beruf als Filmemacher jetzt viele Freiheiten. So viel Freiheit hat seinen Preis. Meine Innviertler Freundschaften zu pflegen ist nicht leicht. Und ich habe das Vertrauen, dass im Leben wieder kommt, das für mich passt, ohne zwanghaft danach zu suchen.

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