22.08.2016, 07:49 Uhr

Neuer Propst mit Humor und Gottvertrauen

Markus Grasl ist neuer Propst in Reichersberg. (Foto: Doms)

Markus Grasl über seine Aufgaben, das Gute an Krisen und die Rolle des Glaubens in unserer Zeit.

REICHERSBERG. Am vergangenen Sonntag wurde Markus Grasl als 74. Propst des Augustiner-Chorherren-Stifts Reichersberg geweiht. Im Vorfeld der Abtsbenediktion, bei dem der 35-jährige Niederösterreicher neben dem Segen auch die Insignien des Propstes – Stab, Mitra und Ring – erhielt, hatte die BezirksRundschau die Gelegenheit zu einem Gespräch.

BezirksRundschau: Als Propst kommt Ihnen die Aufgabe zu, das Stift sowohl nach innen zu stärken als auch nach außen zu vertreten – eine große Herausforderung.
Markus Grasl:
Viele haben mir zuletzt Kraft für meine neue Rolle gewünscht. Aber ich sehe meine neue Aufgabe nicht als Last, sondern als Chance, etwas Nachhaltiges zu gestalten. Herausforderungen gehören zur Verantwortung dazu. Ich habe dieses Amt nicht angestrebt, aber ich werde mich bemühen, voranzugehen.

Was wird Ihnen auf diesem neuen Weg helfen?
Ich bin kein Wunderwuzzi, aber ich habe Hausverstand. Ich handle lösungsorientiert und bringe große soziale Kompetenz mit. Das Entscheidende sind aber sicher der Humor und das Gottvertrauen.

Gibt es etwas, das Sie in Ihrer Amtszeit erreichen möchten?
In meinem Nachnamen steckt das Wort Gras, was für Wachstum steht. Wachstum ist ein Geschenk. Man kann nicht am Gras ziehen, um es zum Wachsen zu bewegen. Man kann nur die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Mein Ziel ist es, die Gemeinschaft zu stärken Dazu gehören für mich Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft. Wenn sich meine Mitbrüder hier wohl fühlen, werden wir das auch nach außen ausstrahlen. Ich sehe es als gutes Zeichen, dass in der Woche nach meiner Weihe ein neuer Mitbruder zu uns kommen wird. Wachstum ist ein großes Geschenk.

Was haben Sie von Ihren Vorgängern gelernt? Was möchten Sie gerne anders machen?
Man lernt von positiven und negativen Dingen. Andere zu beobachten, ist aber immer einfacher, als wenn man dann selbst derjenige ist, der Entscheidungen treffen muss. Schlussendlich kann man nur versuchen, etwas anders zu machen und einen besseren Weg zu finden.

Wer inspiriert Sie in Ihrem Beruf?
Es gibt natürlich geistliche Größen wie Papst Franziskus oder Kardinal König. Doch am stärksten haben mich sicher meine Eltern geprägt. Auch meine Schwester ist in meinem Leben sehr wichtig; wir halten stark zusammen. Am meisten inspirieren mich Menschen, die ehrlich und treu sind. Nicht die großen Superstars, sondern die „kleinen Leute“, die machen, was gerade ansteht. Wenn mir eine Frau erzählt, dass sie bereits drei kleine Kinder verloren hat, aber trotzdem weiter macht – da kann kein Papst mithalten.

Sie sind mit 20 Jahren eingetreten. Hatten Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Zweifel?
Natürlich. Aber Krisen stärken, denn sie verlangen in schwierigen Situationen nach einer Klärung, nach einer Entscheidung. Diese Entscheidungen machen frei und verwandeln die Energie, die man zuvor in das Problem gesteckt hat, in neuen Schwung.
Sie sind jetzt Anfang 30. Besonders Ihre Altersgruppe ist in der Kirche nur schwach vertreten. Wieso nimmt der Glaube in dieser Lebensphase keine zentrale Rolle ein?
Ich denke, dass der Glaube sehr wohl eine große Rolle spielt. Wir führen ein Leben in der Selbstverständlichkeit. Erst wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, wenn es ums Eingemachte geht, dann suchen die Menschen nach Antworten. Ich finde es nicht schlimm, wenn jemand nicht jeden Sonntag zur Kirche geht. Wie sehr man glaubt, wird nicht an der Zahl der Kirchenbesuche gemessen. Aber der Glaube drückt sich nun einmal in Gemeinschaft aus. Er will gefeiert werden, will sich mitteilen. Glaube ist ein hohes Gut, das gleichzeitig sehr zerbrechlich ist. Man muss ihn pflegen wie eine Beziehung, damit er bestehen kann.

Ein Blick in die Medien macht deutlich, dass Religion aber nicht immer zu harmonischen Beziehungen führt. Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Frieden in der Welt wieder herstellen?
Eine schwierige Frage. Vielleicht muten wir uns zu viel zu, wenn wir versuchen, ein versöhntes Miteinander zu erreichen. Nicht alles passt zusammen und es gibt unter den Menschen nicht nur Schafe. Ich denke, dass ein versöhntes Nebeneinander in Respekt und Toleranz ein angemesseneres Ziel wäre. Und wir sollten uns daran erinnern, dass es unser christlicher Auftrag ist, Menschen in Not zu helfen – unabhängig von der Religion. Wir alle haben eine Verantwortung – das gilt auch für andere Religion. Wir alle streben nach Heil und Erlösung.
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