05.07.2016, 07:18 Uhr

"Reisen ist für mich fast wie eine Sucht"

USA, Indien, Türkei, Costa Rica, Indonesien – für Rebecca Lobe ist kein Land zu weit und keine Herausforderung zu groß. (Foto: Lobe)
GURTEN (kw). Die 27-jährige Gurtnerin Rebecca Lobe im Interview über ihre Erfahrungen im Ausland.

BezirksRundschau: Nach der Matura an der Bakip Ried waren Sie ein Jahr als Au-Pair in Amerika tätig. Wie kam es dazu?
Rebecca Lobe: Als 10-jähriges Mädchen war ich begeistert von dem Kinofilm "Pünktchen und Anton" von Erich Kästner. Die Protagonistin Pünktchen hatte im Film ein Au-Pair aus Frankreich. Das hat mir sehr gefallen und damit war schon damals klar: Das will ich auch machen. Wegen meinem Interesse an Nordamerika und weil ich meine Englischkenntnisse verbessern wollte, habe ich mich schlussendlich für die USA entschieden.

War dieser Aufenthalt der Auslöser für Ihre weiteren Reisen?
Ja, ich denke schon. Während diesem Jahr habe ich meine erste längere Rucksackreise und meine ersten Erfahrungen als Alleinreisende sowie mit Couchsurfing gemacht. Vor allem habe ich entdeckt, wie einfach und preisgünstig Reisen sein kann. Woher diese Reiselust genau kommt, kann ich nicht sagen – es ist fast wie eine Sucht. Wenn man einmal entdeckt hat, wie viele schöne Plätze und interessante Menschen es auf der Welt gibt, will man einfach alles sehen und kennenlernen.

Sie haben Englisch, Psychologie und Philosphie in Wien studiert. Während Ihrem Studium waren Sie nochmal für längere Zeit im Ausland. Was haben Sie damals gemacht?
2015 habe ich ein Auslandssemester an der University of Chicago gemacht. Letztes Jahr habe ich mein Studium abgeschlossen und bin anschließend nach Madrid gereist. Dort habe ich für acht Monate in zwei Gymnasien Deutsch unterrichtet. Außerdem bin ich in den letzten Jahren als Rucksackreisende durch Indien, die Türkei, Costa Rica und Indonesien gereist.

Sie haben mit Ihren jungen Jahren also schon zahlreiche Erfahrungen gesammelt?
Während meiner Zeit im Ausland habe ich mehr über mich selbst und das Leben gelernt als in allen Schul- und Unijahren zusammen. Wer in ein fremdes Land zieht, die Sprache nicht beherrscht und sich in einer fremden Kultur zurechtfinden muss, lernt sich selbst erst so richtig kennen. Reisende sind meist selbstbewusster, aufgeschlossener und flexibler.
Vor allem in der jetzigen politischen Situation sind solche Erfahrungen unabdingbar. Wer selbst schon mal Ausländer und auf fremde Hilfe angewiesen war, ist von Stereotypen, Vorurteilen und Rassimus weiter entfernt. Zumindest habe ich den Eindruck, dass Menschen mit Auslandserfahrungen mutiger und sensibler mit kultureller Heterogenität umgehen.

Das heißt, Sie würden Auslandsaufenthalte generell weiterempfehlen?
Absolut. Es gibt hervorragende Programme: Au-Pair, Auslandszivildienst, Freiwilliges Soziales Jahr, Voluntariat, Work and Travel, und und und. Ich kenne keine Person, die das sogenannte "gap year" bereut hat. Ich würde sagen, man spricht nicht von einem verlorenen Jahr, denn dieses Jahr ist alles andere als verloren. Deswegen rate ich allen jungen Leuten: raus aus Österreich, raus aus der Komfortzone. Nehmt euch eine Auszeit und geht ins Ausland – ich bin davon überzeugt, dass ein Auslandsaufenthalt einen positiven Eindruck beim zukünftigen Arbeitgeber hinterlässt.

Stärkt Ihnen Ihre Familie den Rücken für Ihre Unternehmungen?
Meine Eltern reisen selbst gerne und sind daher sehr offen gegenüber anderen Kulturen. Sie haben mich und meinen Bruder schon bald mit Menschen aus verschiedenen Erdteilen bekannt gemacht. Ich denke, sie sind stolz auf mich, dass ich das alles alleine und selbständig organisiere und durchziehe. Wahrscheinlich hoffen sie jedoch, dass ich irgendwann sesshaft werde – und zwar in Österreich.

Haben Sie schon Pläne für die Zukunft?
Im September beginne ich mit meinem Unterrichtspraktikum. Da es die Möglichkeit im Ausland, an österreichischen Schulen, zu unterrichten, will ich diese Gelegenheit auf alle Fälle nutzen. Madrid war also bestimmt nicht mein letzter Auslandsaufenthalt.
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