04.10.2016, 14:30 Uhr

Ried bietet Lehrlingen einen guten Arbeitsmarkt

Tamara Poschauko und Michael Unfried sind Lehrlinge bei FACC. (Foto: Doms)
BEZIRK (ebe). Die Jobaussichten für Lehrlinge sind gut. Das zeigt zumindest der Fachkräftemonitor des Landes Oberösterreich. Denn die "Karriere mit Lehre" ist längst kein Einzelfall mehr. Viele Unternehmer und Führungskräfte haben ihren Berufsweg mit einer erfolgreichen Lehre gestartet. Doch für Unternehmen ist die Suche nach Lehrlingen oft genau so schwer, wie für Lehrlinge die Suche nach der passenden Lehrstelle. Klaus Jagereder, Leiter des AMS Ried, gibt einen groben Überblick: "In Österreich gibt es ein klares Gefälle in Sachen Lehrstellen. Während in Vorarlberg das Angebot an Stellen größer ist als die Zahl der Jugendlichen, ist in Wien genau das Gegenteil der Fall – zuviele Jugendliche für die angeboteten Ausbildungsplätze." Er spricht von 'Glück' in Ried, da der Bezirk einen sehr guten Arbeitsmarkt habe. "Für Unternehmer ist der gute Arbeitsmarkt und das große Angebot allerdings nicht immer einfach. Vor allem kleine Firmen kämpfen um gute Lehrlinge."

Die Anforderungen steigen

Die Anzahl der Lehrverhältnisse ist in den letzten zehn Jahren um mehr als elf Prozent gesunken, dennoch steigt der Bedarf von Fachkräften mit abgeschlossener Lehre bis 2020. Jagereders Sorge gilt den schwächeren Jugendlichen: "Die Anforderungen an Lehrlinge sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Firmen selektieren, wollen nur die besten Bewerber nehmen. Sonst verzichten sie gänzlich auf die Ausbildung. Dabei brauchen Firmen auch schwächere Lehrlinge. Das stärkt die soziale Kompetenz im Betrieb und fördert die Zusammenarbeit." Rund 100 Jugendliche sind derzeit über das AMS in der Vorbereitung auf eine Lehre oder in Ausbildung.

Zu spätes Umdenken

Jahrelang war die Wirtschaft froh über die Schulen, die die große Menge an Jugendlichen gut bewältigen konnte. Das Aufwerten der Lehre in den Köpfen der Menschen wurde leider übersehen. "Ein Umdenken schon vor zehn Jahren würde so manchem Betrieb die Sorge um einen Fachkräftemangel jetzt ersparen.", weiß Jagereder.
Besonders im Bereich der Gastronomie ist die Lehrlingssuche mühsam. Je abgelegener und kleiner ein Betrieb ist, desto schwerer kommen auch Bewerbungen herein. Kaufmännische Berufe, Metallbereich und der Handel haben es hingegen schon leichter, Lehrlinge zu finden. Christoph Wiesner, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Ried, weiß, worauf der Fachkräftemangel außerdem zurückzuführen ist: "Die Zahl der 15-Jährigen ist um 20 Prozent zurückgegangen. Durch den demografischen Wandel wird das Niveau auch in den nächsten Jahren gering bleiben. Dazu kommen die steigenden Anforderungen in den Lehrberufen, die für manche Jugendliche nicht mehr zu schaffen sind." Derzeit sind 1126 Lehrlinge in 320 Lehrbetrieben im Bezirk Ried beschäftigt.

Asylberechtigte schließen Lücke

Asylberechtigte sind im Gegensatz zu Asylwerbern arbeitsberechtigt. Sind sie unter 25 Jahren, dürfen sie auch als Asylwerber eine Lehre machen. In einzelnen Branchen springen die Unternehmer bereits auf den Zug auf, wie beispielsweise in der Gastronomie. Viele Jugendliche sind engagiert und intelligent und können mit den nötigen Deutschkenntnissen eine Ausbildung beginnen. "Allerdings müssen Öffentlichkeit und Unternehmen auch dafür sein. Nur dann kann die Ausbildung auch gelingen. Denn die Akzeptanz der Kollegen ist die Basis für die Integration am Arbeitsplatz", weiß AMS-Geschäftsstellenleiter Klaus Jagereder.
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