07.06.2016, 15:20 Uhr

"Von 64 heimischen Fischarten sind 39 bedroht"

Nicht nur der Fischotter stellt eine Gefahr für die heimischen Fischarten dar. (Foto: Josef Limberger)

Milde Winter, Raubvögel und -fische und Veränderungen in der Natur: die Fischbestände im Innviertel sind bedroht.

BEZIRK (ebe). "Lag vor 20 Jahren der Schwerpunkt der Fischotter im Mühlviertel, so zog er sich in den letzten Jahren bis ins Innviertel. Die Welle rollt flächendeckend über das Land", weiß Siegfried Pilgerstorfer, Landesfischermeister. "Zusätzlich zur Gefahr durch Raubtiere kommt die Veränderung der Natur durch Kraftwerksbauten und Bodenversiegelungen. Dadurch sind derzeit 39 von 64 heimischen Fischarten bedroht."

Milde Winter & Beutegreifer
Viele Baggerseen frieren bei den milden Temperaturen im Winter nicht mehr zu. So haben Raubvögel das ganze Jahr über freien Zugang zu frischem Fisch. "Der Kormoran, der nach wie vor ein geschützter Raubvogel ist, läuft Gefahr, Überhand zu nehmen", weiß Wolfgang Hampel, Obmann des Angelsportvereins Innviertel. Der Vorrang des Kormoranschutzes ist laut Landesfischereiverband nicht mehr begründbar. Der Vogel habe einen mehr als günstigen, absolut gesicherten Erhaltungsstatus, während viele Fischarten massiv bedroht seien. Oberösterreichweit haben in der vergangenen Wintersaison Kormorane rund 65.000 Kilogramm hochwertigen Fisch aus den Flüssen und Seen in Oberösterreich gefressen. Auch Gänsejäger und Fischotter stellen eine Gefahr für den heimischen Fischbestand dar. Hampel weiß: "Wir Angler müssen uns an die veränderte Natur anpassen. Dabei unterstützt uns der einfache Zugang zu Fachwissen durch das Internet."

Fischbestand im Überblick
Zu den Hauptfischen in den Seen und Flüssen zählen: Karpfen, Schleie, Bach- oder Regenbogenforelle, Raubfische wie Zander und Hecht sowie auch Weißfische, Rotaugen und Rotfedern. "Wir achten auf einen ausgeglichenen, naturnahen Ökobestand im Gewässer", weiß Hampel. Die Fanglisten müssen von jedem Vereinsmitglied genau geführt und abgegeben werden. Auf dieser Basis findet die Berechnung des Fischbestands statt. Seit fast 20 Jahren hat der Angelsportverein Innviertel mit Sitz in Obernberg einen Baggersee gepachtet. "Unseren Verein gibt es schon seit knapp 60 Jahren. Früher wurde großteils der Inn im Raum Obernberg und Reichersberg befischt. Auch heute haben unsere Vereinsmitglieder so manches Boot im Inn liegen. Der Großteil fischt aber im See nähe Altheim, der vom Verein gepachtet wurde. Mit sechs Hektar Größe und rund 18 Metern Tiefe liefert er gute Fangergebnisse."

Die App für Fischer
Oberösterreichweit sieht der Landesfischereiverband das größte Problem in der Entwicklung der Beutefänger, wie Fischotter, Gänsejäger und Kormoran. Deshalb wurde eine App für die Bestandserhebung von Beutefängern organisiert. "Mit der App kann jeder Fischer melden, wenn er Gänsejäger, Kormorane und Fischotter gesichtet hat. Die Zählregionen werden somit größer und zeigen den Änderungsbedarf auf", so Pilgerstorfer. Er sieht es an der Zeit, genau wie in der Jagd auch in der Fischerei ein klares Reglement zu schaffen. "Der Naturschutz muss bis ins Wasser reichen." Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes Oberösterreich: "Es gibt bereits einen Arbeitskreis Managementplan Fischotter. Heuer starten die wissenschaftlichen Untersuchungen dazu. Mit den Ergebnissen werden dann konkrete Maßnahmen umgesetzt. Allerdings sind neben den Beutejägern viele weitere Faktoren maßgeblich am Schwinden der Fischbestände beteiligt, wie die Erwärmung der Gewässer, das Verschlämmen von Bächen oder die Einschwemmung von Hormonen durch Kläranlagen."
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