23.03.2016, 14:52 Uhr

Weniger Kriminalität – mehr Waffen

Derzeit sind im Bezirk 1758 Waffenbesitzkarten ausgestellt, die Tendenz ist seit Herbst 2015 stark steigend. (Foto: diepre/Fotolia)

Die Unsicherheit in der Bevölkerung wächst, mit ihr auch die Zahl der Waffenbesitzkarten.

BEZIRK (ebe). Seit September letzten Jahres ist die Zahl der neuen Waffenbesitzkarten regelrecht in die Höhe geschossen. Waren es in den vergangenen Jahren 60 bis 70 Anträge pro Jahr, so wurden alleine im Jänner und Februar dieses Jahres 107 neue Karten ausgestellt. Bis zu 15 Anträge pro Woche, das ergibt eine achtfache Steigerung zum Vorjahr. "Zu 90 Prozent nennen die Antragsteller die Selbstverteidigung als Rechtfertigungsgrund", berichtet Helmut Hainzl von der Bezirkshauptmannschaft Ried. Ausgelöst wurde das steigende Interesse an Waffen durch die Flüchtlingsströme, die durch Europa ziehen. "Das Gefühl, vom Staat geschützt zu werden, lässt nach. Die Menschen wollen sich selber schützen. Gerade nach dem Terroranschlag in Paris folgte eine zusätzliche Antragswelle." Die Waffenbesitzkarte berechtigt zum Erwerb und Besitz von Schusswaffen der Kategorie B, das sind Revolver, Pistolen und halbautomatische Schusswaffen. Sie gilt unbefristet, alle fünf Jahre wird die waffenrechtliche Verlässlichkeit allerdings überprüft. Insgesamt gibt es im Bezirk Ried 1758 ausgestellte Waffenbesitzkarten. Thomas Ortner, Geschäftsführer von Waffen Ortner in Tumeltsham und Innungsmeister der ober-österreichischen Waffenhändler, bestätigt den Trend. "Es herrscht ein klares Stadt-Land Gefälle, die Nachfrage in den Städten ist derzeit größer. Vom Pfefferspray über diverse Faustfeuerwaffen bis hin zu Flinten mit Gummigeschoss – das steigende Interesse können wir gut beobachten", so der Experte.

Sorgen sind unbegründet
Grund zur Sorge gibt es laut Kriminalitätsstatistik keinen. "In Oberösterreich haben wir die geringste Kriminalitätsbelas-tung seit elf Jahren, trotzdem kommt das bei den Menschen nicht an", so Andreas Pilsl, Landespolizeikommandant in Oberösterreich. "Seit den Vorkommnissen in Köln ist die Anzeigebereitschaft zwar erhöht, die Anzahl der schweren Sexualdelikte hat sich aber trotz hunderttausender Flüchtlinge nicht verändert", weiß Pilsl. "Die Angst wird durch die mediale Berichterstattung ver-stärkt", meint Stefan Haslberger, Bezirkspolizeikommandant in Ried. Die Straftaten sind im Bezirk Ried im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent gestiegen, landesweit aber um 1,8 Prozent gesunken. Während Kfz-Diebstähle, Gewaltkriminalität, Wirtschaftskriminalität sowie Internetbetrug rückläufig sind, hat sich eine Zahl signifikant erhöht: Die Anzahl der Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser ist um ein Viertel gestiegen, das bestätigt auch Haslberger. "Bis auf die vermehrten Einbrüche ist in Ried keine erhöhte Gefahr zu erkennen. Und auch diese haben wir wieder unter Kontrolle." Wer das persönliche Sicherheitsgefühl trotzdem verstärken möchte: "Ein Pfefferspray in der Handtasche ist im Ernstfall ein Vorteil", so Haslberger.
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