16.03.2016, 10:00 Uhr

"Wie alt ist der Kobernaußerwald?"

Spannende Infos rund um die Entstehung des und das Leben im Kobernaußerwald bietet Naturcoach Elisabeth Wolfsegger in ihren Führungen. (Foto: naturspielerin.at)

Einst Palmen, heute Fichten: Naturcoach Elisabeth Wolfsegger gewährt in ihren Führungen Einblicke in die spannende Welt des Kobernaußerwaldes.

BEZIRK (lenz). Heidelbeeren pflücken, Schwammerl suchen oder einfach die frische Waldluft genießen – der Kobernaußerwald bietet seinen Besuchern viele Möglichkeiten. Mit einer Fläche von rund 600 Quadratkilometern gehört er in Verbindung mit dem Hausruckwald zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Mitteleuropas. Neben Beeren, Schwammerln und Bäumen gibt es im Kobernaußerwald noch einiges mehr zu entdecken, wie Elisabeth Wolfsegger weiß. Die studierte Geowissenschaftlerin bietet als diplomierter Naturcoach Führungen durch die Pflanzen- und Tierwelt an. Unter dem Titel "Wie alt ist der Kobernaußerwald" werden Infos zum Thema Wald im Allgemeinen sowie zum Kobernaußerwald im Besonderen geboten. "Wer wissen will, wie sich unsere Landschaft formte und was wir finden, wenn wir ein tiefes Loch graben, der ist hier richtig", erklärt Wolfsegger.

Tropischer Kobernaußerwald

So ist der Kobernaußerwald heute ein vor allem von Fichtenforsten bedecktes Hügelland mit seichten, unverbauten Bachtälern und Resten von naturnahen Waldtypen. Bis vor knapp zwei Millionen Jahren aber sah es hier ganz anders aus: "Der Wald hatte einen südlichen Charakter. Es gab Bäume, wie wir sie vom Mittelmeerraum kennen. Doch dann wurde es empfindlich kalt. Die letzte Eiszeit endete vor etwa 12.000 Jahren – aus der tropischen Vegetation war eine baumlose kalte Steppe entstanden", erklärt die Expertin. Erste Heimkehrer rund 4000 Jahre später waren die Birke und die Kiefer. Es folgten Eiche, Linde, Ulme, Ahorn und Esche.

Heute: Fichte, Tanne und Buche

In der Bronzezeit – 2000 vor Christus – wurde das Klima wieder kühler. Die wärmeliebenden Bäume wurden durch die Buche ersetzt. "Bis heute leben wir in der 'Buchenzeit'. Der natürliche Mischwald im Kobernaußerwald besteht vor allem aus Fichte, Tanne und Buche. An den Bachläufen findet man auch Esche und Schwarzerle", weiß Wolfsegger. Durch den Eingriff des Menschen beträgt der Anteil der Nadelgehölze mittlerweile rund 80 Prozent, davon zu drei Viertel Fichte. Diese liefert doppelt so viel Holzmasse wie die Buche und wird daher gerne zum Aufforsten herangezogen. Allerdings versauert der nährstoffarme Boden im Kobernaußerwald durch das saure Nadelstreu zusätzlich. "Inzwischen nimmt der Laubbestand wieder zu. Man hat erkannt, dass ein reiner Fichtenbestand bei Wetterkatastrophen oder Schädlingsbefall wenig Gegenwehr zeigt", erklärt Wolfsegger.

Alpengesteine im Kobernaußerwald

Entwurzelte Bäume wirken wie Fenster in die tieferen Schichten und befördern meist helle Gerölle an die Oberfläche. "Findet man in den tieferen Lagen des Innviertels eher Ablagerungen marinen Ursprungs, so zeugen der Rücken des Hausrucks und des Kobernaußerwaldes von einem gewaltigen Flusssystem, dass nach der Hebung der Alpen Gestein von dort bis zu uns transportiert hat." Es handelt sich dabei also nicht um Ablagerungen eines Gletschers, sondern um Gestein, das vor rund zehn Millionen Jahren durch Flüsse den Weg zu uns gefunden hat.

Mensch & Tier: Belebter Wald

Eine Besiedelung rund um das Waldgebiet lässt sich anhand von archäologischen Funden bis ins Jahr 5000 vor Christus dokumentieren. "Täler wie das Mattigtal, das Moosbachtal oder das Riedltal können ab der Kelten- und Römerzeit als besiedelt angesehen werden. Ein 300 Jahre alter Prügelweg wurde zum Beispiel erst vor kurzem entdeckt." Doch nicht nur Menschen, auch Tiere sind in dem großräumigen Waldgebiet anzutreffen. Neben Fledermäusen, Fischottern und Fröschen unter anderem auch Eidechsen und Kreuzottern sowie geflügelte Freunde: Schwarzstorch, Graureiher, Uhu, Wanderfalke, Specht oder Neuntöter.

Mehr Infos
Als Geowissenschaftlerin und diplomierter Naturcoach bietet Elisabeth Wolfsegger Führungen durch den Kobernaußerwald an. Mehr Infos dazu direkt bei ihr:
Elisabeth Wolfsegger, Burgwegerstrasse 201, 4923 Lohnsburg am Kobernaußerwald
Tel.: 0680/13 44 832
Web: www.naturspielerin.at
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