02.06.2016, 12:37 Uhr

Jugendliche machten sich Gedanken über nachhaltiges Leben

ROHRBACH-BERG (anh). Beim Worlcafé "Gutes Lebensklima" im Pfarrhof konnten sich Jugendliche Gedanken über Lebensqualität und ein ressourcenschonenderes Leben machen. 23 Teilnehmer nahmen die Einladung der beiden Hauptinitiatoren – Jugendzentrum Movido/s'Haven und Leader-Region Donau-Böhmerwald – an und schüttelten so manch innovative Idee aus dem Ärmel. Als Belohnung gab es leckere Speisen.

Lieber heute damit beginnen als morgen

"Die derzeitigen Zahlen sollten uns mehr als nur zu denken geben", sagte Rita Schlagnitweit, Initiatorin der Jugendplattform, zu Beginn des Abends, "etwa 180 Leute gehen pro Jahr weg aus der Region, etwa um zu studieren, und kommen auch nicht mehr zurück, weil sie als Akademiker hier keine Arbeit finden. Lehrstellen gibt es hingegen zu viele. Hinzu kommt die Überalterung. In 30 Jahren etwa, wird es bedeutend mehr 85-Jährige in der Region geben. Es ist also an der Zeit, dass wir unseren Lebensstil überdenken. Dafür braucht es neue Ideen und Visionen." Beim Worlcafé hatten erstmals junge Leute die Gelegenheit, ihre Meinung kundzutun und gemeinsam darüber zu diskutieren. Der Abend war Teil des EU-Projekts GLAMURS, in dem es um grüne Lebensstile, alternative Wirtschaftsmodelle und regionale Nachhaltigkeit geht. Darüber berichteten Klaus Diendorfer von der Leader-Region Donau-Böhmerwald, Moritz Kammerlander vom Sustainable Europe Research Insitute und Paul Lauer vom Helmholtz Institut in Leipzig. Verschiedene Länder der EU realisierten dafür nachhaltige Projekte zu unterschiedlichen Themen wie Ernährung, Bildung, Mobilität, Arbeitszeit oder Energie und tauschten sich darüber kürzlich auch bei einem Exchange-Meeting in Rumänien aus. "Zusammen mehr erreichen", lautet ihr Credo. Für die Region Donau-Böhmerwald wurde eine "Vision 2040" entwickelt, sozusagen ein Wunschzustand, wie sich die Gegend bis dahin entwickeln soll. Wie wollen wir dann essen, leben, fahren oder wohnen? Und was können wir jetzt schon dafür tun, damit wir dies auch tatsächlich erreichen? Das sind dabei die wichtigsten Fragen.

Ernährung, Mobilität, Recycling

Auch die Teilnehmer des Worlcafés gingen dann gleich in medias res und machten sich Gedanken zu den drei Themenkreisen Ernährung, Mobilität und Recycling. Motivationsfaktoren, um ein ressourcenschonenderes Leben in puncto Ernährung anzusteuern, waren für die Jugendlichen vor allem Dinge wie Tierschutz, die eigene Gesundheit, die dadurch steigt, die damit verbundenere höhere Wertschätzung des Esens, wieder mehr Chancen für kleine landwirtschaftliche Betriebe, der derzeitige, unzufriedenstellende Milchpreis, die Vermeidung von Allergien oder das Verringern von Chemikalien im Essen. Lösungsvorschläge, um diesen Weg einschlagen zu können, waren etwa weniger Vorgaben seitens der Politik, Bauernläden, Schlachtauflagen, eine App, die verrät, wo es welche regionalen Produkte gibt oder Preisuntergrenzen und Verbesserungen in puncto Mindesthalbarkeitsdatum. Supermärkte sollten einen bestimmten Prozentsatz an Waren aus der Region zwingend anbieten müssen.
Beim Thema Recycling störten die Teilnehmer die derzeitigen Müllberge und die Langzeitfolgen von Umweltverschmutzung oder die momentane Lebensmittelverschwendung. Um hier ressourcenschonender leben zu können, sollten ihrer Meinung nach mehr Dinge repariert werden anstatt sie gleich wegzuschmeißen, etwa mit Hilfe von Repair-Cafés, und an der Bewusstseinsbildung der Menschen generell müsste gearbeitet werden. Förderlich fänden sie auch ein Pfandsystem für PET-Flaschen, die Förderung von verpackungsfreien Geschäften wie etwa dem Holis Market in Linz oder die Lockerung der Vorschriften, was das Wegschmeißen von übrigen Lebensmitteln in Supermärkten betrifft. Die Produktion von Waren, die nur schwer abbaubar sind, sollte eingeschränkt werden und das Konsumverhalten der reichen Länder müsste sich von Grund auf ändern.
Faktoren, die ihrer Meinung nach für ein ressourcenschonenderes Leben in puncto Mobilität sprechen sind die eigene Gesundheit, die man etwa durch Radfahren anstatt Autofahren verbessert, der Umweltschutz oder das Weitergeben von mehr Achtsamkeit an die nächste Generation. Wichtig dafür wären bessere öffentliche Verkehrsmittel, eine nachhaltigere Raumplanung mit weniger verbauten Flächen, mehr Anreize, um sich ein Elektroauto zu kaufen sowie auch mehr Anreize seitens Unternehmen, um etwa Fahrgemeinschaften zu bilden.
Beim Thema Mobilität kommt man im Mühlviertel natürlich auch nicht an der Mühlkreisbahn vorbei. Geht es nach den Teilnehmern des Worlcafés, so könnte daraus schon bald ein Erlebniszug werden. Angereichert mit verschiedensten Stationen, die sich entlang der Strecke befinden – ähnlich wie ein Märchenwanderweg oder die Grottenbahn – könnte so Familien mit Kindern etwa alte Sagen des Mühlviertels nähergebracht werden oder auch Schaubetriebe ihre Pforten öffnen. An Bord des Zuges würde man den Gästen selbstverständlich nur regionale Produkte anbieten, um so auch auf kulinarischer Ebene den Regionalbezug herzustellen.
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