07.09.2016, 00:00 Uhr

"Schöne Orte erhalten und erschaffen"

In Kirchberg wurden viele Ideen zur Ortskern-Belebung gezeigt. (Foto: Foto: Land OÖ/Schauer)

Sunnseitn-Gespräche am Samstag, 10. September, 10 Uhr in Haslach, beschäftigen sich mit Ortskernen.

BEZIRK (bay). Zuerst das Geschäft, dann der Wirt: immer mehr Orten fehlt die zentrale Infrastruktur für ein lebendiges Miteinander. "Die Verödung von Ortszentren hat enorme soziale Auswirkungen. Wo werden künftig Familienfeste gefeiert, wie können sich ältere Menschen ohne eigenes Auto fortbewegen?", fragt sich auch Alexandra Föderl-Schmid. Die gebürtige Klaffeggerin ist Chefredakteurin der Tageszeitung "Der Standard". "Die Politik trägt mit ihren Entscheidungen wie der hohen Pendlerpauschale zur Zersiedelung bei", ist sie überzeugt. "Nur wenn wir die Machtfrage stellen, können wir die Schönheit in unserer Lebensumgebung zurückgewinnen", glaubt Moderator und Buchautor Tarek Leitner: "Eine das Leben für alle bereichernde Landschaft muss endlich zur politischen Kategorie werden", fordert er in seinem neuen Buch.

Überlegte Entscheidungen
Weil es so einfach geworden ist, Gebäude – welcher Art auch immer – in kürzester Zeit zu errichten, brauchen wir keine überlegte Entscheidung zu treffen. "Dieser Zustand des ,Alles-zugleich-haben-Wollens, und-das-sofort‘ bildet sich in der Landschaft ab: ungeplant, achtlos, verschwendend – eine Wegwerfarchitektur, die unsere Umgebung schlicht verunstaltet", sagt Leitner.

Öffis sind Thema
"Baukultur besteht aber aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und braucht vor allem Kommunikation und Verantwortung", sagt Architekt Josef Schütz aus Haslach. "Baukultur bewusst erleben und weitergeben, bedeutet, über zeitliche Dimensionen nachzudenken. Das verlangt einen engagierten Einsatz und ist keine Sache von einem Tag." Schütz meint weiter: "Wenn der öffentliche Verkehr die Voraussetzung für die Erreichbarkeit, Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit ist, so ist klar, dass diese Voraussetzung leider nicht im notwendigen Ausmaß vorhanden ist." "Erfolg verspricht Eigeninitiative, ganz im Sinne von Meister Eckert (1260-1328), der meinte, dass ein Vorleber besser sei als 1000 Vorbeter", sagt Josef Mathis. Er ist Obmann des Vereins Zukunftsorte und Vorstandsmitglied bei LandLuft, dem Verein zur Förderung der Baukultur in ländlichen Räumen. "Baukultur machen Menschen wie du und ich, sie berührt alle Lebensbereiche und kann das Wohlbefinden des Menschen steigern."
Weitere Beiträge zu diesem Thema gibt es bei den Sunnseitn-Gesprächen 2016 (siehe Zur Sache-Kasten rechts).

Zur Sache:

Sunnseitn-Gespräche mit Diskussion finden am Samstag, 10. September, 10 Uhr im TUK Haslach statt. Tarek Leitner, ORF-Moderator und Buchautor, hält ein Impulsreferat zum Thema. Im Anschluss daran diskutieren Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin „Der Standard“, Josef Mathis, Obmann des Vereins Zukunftsorte und Architekt Josef Schütz, Büro Arkade Haslach. Moderiert wird die Diskussion von Helmut Eder.
Musik: Gotthard Wagner (Geige) & Rudi Lughofer (Dudelsack)

Begleitausstellung:

Bilder aus dem Fotoworkshop "Das Land in Bildern“ mit Thomas Hackl zum granitsplitter-Jahresthema: „Mut zur Schönheit“ des kultURsprung.
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