31.03.2016, 14:33 Uhr

Egal wie hoch der Zaun noch wird! Ein Kommentar

(Foto: https://mittelfranken.verdi.de/)

Seit Monaten gärt es in mir. Ratlosigkeit, Sorgen, Ohnmacht! Weltschmerz macht sich breit und lässt mich die Augen verschließen! Gefühle die mich ängstlich werden lassen verbieten mir Vieles zu kritisieren, von dem ich denke, dass es gerade falsch läuft! Denn ich weis auch nicht genau was zu tun ist. Aber eines weis ich! Österreichs Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bieten mir derzeit kaum die Lösungen, die ich für angebracht hielte den Problemen der Zeit die Stirn zu bieten. Denn sie behandeln nur Symptome! Das Problem sind nicht die armen Menschen die flüchten, sondern die Ursachen dieser Flucht. Und vor denen sind auch wir nicht sicher. Egal wie hoch der Zaun noch wird!


Eigentlich schade, dass so viele Menschen flüchten müssen. Und dann noch dazu ausgerechnet zu uns, wo es uns doch sowiso chronisch schlecht geht. Die Wirtschaft will nicht wachsen, Die Armut greift um sich, Der Terror zieht durch Europa, Das Wetter ist auch nicht mehr wie es früher war und die Flugzeuge stürzen beinahe paarweise vom Himmel. Eigentlich ist Alles schlecht. Und so wie wir Menschen es gerne machen, versuchen wir all diese Probleme zu lösen, indem wir gerade an dem herumwursteln, bei dem wir wenigstens eine kleine Hoffnung haben Irgendetwas bewirken zu können. Irgendwie die Veränderung aufzuhalten. Die Flüchtlinge, die Bettler, Die Ausländer, die Anderen werden zur Verantwortung gezogen, dafür dass Alles vor die Hunde geht! Dabei sind es gerade diese, die uns den Weg zeigen könnten. Den Weg zu den wirklichen Problemen. Den tatsächlichen Ursachen des Leides vieler Menschen auf der ganzen Welt.


Die Gründe für Flucht heißen Krieg, Armut und Not!

Ausweglosigkeit vertreibt die Menschen aus den Kriegsgebieten, den Krisenzentren der Welt in andere Länder, auf andere Kontinente. Ein verdrehtes, entfesseltes und unfaires Wirtschaftssystem fördert diese Krisen und führt zu Kriegen! Der Turbokapitalismus!

Nein, ich bin kein linkslinker Bolschewik, ich bin kein Grüner oder Dunkelroter ÖkoBioGutmensch, ich bin ein alteingesessener Oberösterreicher mit Frau, Kind, durchschnittlichem Verdienst, Haus, Kleinwagen und einem guten, manchmal sogar glücklichen Leben. Das ist zwar grundsätzlich schön so, aber damit bin ich auch ein Profiteur des Unrechts des Konzerne. Mit meinem Konsum, meinen Investitionen, täglichen Einkäufen, dem Benzin in meinem Tank, meinem Bankkredit trage ich dazu bei, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung ein bisschen ärmer wird. Ohne Schuld, ohne sichtbare Alternative!

Das Recht auf ein würdevolles Leben in Freiheit wird untergraben.

Eine viel zu freizügige internationale Finanzpolitik ermöglicht es global agierenden Unternehmen die Grundrechte, die sich das mitteleuropäische Bürger- und Arbeitertum seit der französischen Revolution hart erkämpft hat, zu umgehen, indem sie Produktionsstätten von alltäglichen Basisgütern in Länder umsiedeln in denen diese Grundrechte nicht gelten. Wo Kollektivverträge, Mindestlöhne und Gewerkschaften keine Bedeutung haben, wo Steuern und Abgaben für große Unternehmen beinahe nur in Form von Lobbyingarbeit oder direkter Bestechung existieren. Diese Welt hinter dem Zaun ist gleichzeitig Quelle für unseren Wohlstand und der Untergang unserer hart erkämpften Rechte auf eine soziale Marktwirtschaft.

Ganz offen haben westliche Institutionen diesen freien Geldverkehr seit Jahrzehnten in allen Ländern der Welt von der Kette gelassen. Vor unseren sehenden Augen fand diese „Verschwörung“ statt, Weltbank und der Internationale Währungs Fond (IWF) geben seit ihrer Gründung keine Kredite an Länder, die die Regeln des freien Finanzverkehrs nicht anerkennen. Sie werden erpresst und bestochen zuzustimmen, die Gewinne, der im Land produzierten Waren und Rohstoffe abschöpfen zu lassen. Die Länder der ehemaligen 3. Welt wurden durch Knebelverträge dazu gezwungen diese Richtlinien in ihre nationalen Gesetze zu übernehmen. Waren reisen mit viel zu geringen Zöllen, Geld reist fast gratis. Aber nur gut verdienende Menschen dürfen frei reisen (Oder zumindest nur Menschen aus Ländern mit hohen Wirtschaftsdaten).

Mittlerweile wissen wir, dass Geheime Dienste einzelner Nationen die Regierungen einiger Länder während der letzten 70 Jahre absichtlich destabilisiert und dann nach politischem Gutdünken ausgewechselt haben, um bessere Handelskonditionen für Öl, Landwirtschaftliche Rohstoffe oder anderer Güter zu bekommen. Was bei uns als Wirtschaftswunder bekannt ist, war in Wirklichkeit ein gewaltiger Geldfluss. Geld, dass tatsächlich seit dem 17. Jhdt traditionell in die Zentren der Sklaverei, nach Amerika und Europa und mittlerweile an eine global handelnde Minderheit von Profiteuren wandert. Es gibt mehr Millionäre denn je, es gibt mehr Milliardäre denn je. Ähnlich den bekannten, brutal gegen Konkurrenz vorgehenden Oligarchen, sind nicht mehr nur einzelne Unternehmer skrupellos, sondern auch die etablierten Firmen, die auf der halben Welt unser Leben befüllen. Denn das Geld wird dort mehr, wo es ohne Skrupel und ohne Moral eingesetzt werden kann. Sobald sich ein Unternehmen einer moralischen Handlungsweise unterwirft, hat es einen Nachteil am freien Markt und verzichtet auf Gewinn, auf Aktionäre, auf Wachstum.

Undemokratische Weltregierung

Die einzige „Weltregierung“ die es derzeit gibt, ist durchsetzt vom Lobbying der Superreichen. IWF, Weltbank und die global agierende Weltmacht der Konzerne formulieren die Richtlinien, die von unser aller Regierungen dann in Gesetzestexte übernommen werden. Die Religion der Politik ist die Ökonomie! Sie wird von den Wirtschaftstreibenden als alleiniges Heilsinstrument an die Regierungen der Welt verkauft, an unseren Universitäten gelehrt. Deshalb setzen sich überwiegend Konzerne am globalen Markt durch, die es verstehen nationale Politiken zu korrumpieren, internationale Steuerschlupflöcher zu nutzen und absichtlich asozial zu wirtschaften.

Marken und Produkte die wir kennen und lieben bringen das Unglück in die Welt. An anderen Orten, anderen Kontinenten, Ländern, Regionen. NOCH NICHT so sehr bei uns! Aber hier fängt es auch schon an ungemütlich zu werden. Es wird bei den Ärmsten der Armen gespart. Mindestsicherung kassieren überwiegend alleinerziehende Mütter. Steuererhöhungen treffen vor allem eine kämpfende Mittel- und eine untergehende Unterschicht! Konzerne werden weiterhin von Steuern verschont. Spekulationen auf den Untergang ganzer Länder werden weiterhin nicht verboten.

Auf eine Welle von imperialistischen Versuchen, den auf amerikanischen Boden gewachsenen Turbokapitalismus weltweit zu etablieren, folgt nun die Antwort. Eine Welle der Not, des Unglücks schwappt in unsere abgeschotteten Lebensräume zurück. Die Globalisierung der Armut ist auf dem Weg und scheint auch vor unseren gesicherten Festungstoren nicht halt zu machen. Sie reist aber nicht mit den Flüchtlingen, sondern mit einer verdrehten Gesetzgebung, die Konzerne steuerschonend fördert und damit hart erkämpfte Grundgesetze und Menschenrecht auf der Ganzen Welt untergräbt.

Wichtig ist es dabei nicht aus den Augen zu verlieren, dass es nicht Flüchtlinge sind, die unsere Werte, unseren Lebenstil und unsere wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften gefährden, sondern dieselben Mächte vor denen diese Menschen gerade fliehen.
Soziale Ungerechtigkeit, niedrige Löhne, ein unwürdiges Leben ohne jede wirtschaftliche Möglichkeit oder Sicherheit. Das sollten unsere Feinde sein! Das sind die Ursachen, die einen Menschen zum religiösen Fundamentalisten heranwachsen lassen. Das sind die Ursachen von Krieg, Ungerechtigkeit und Flucht.

Auf einige dieser Ursachen haben wir selbst Einfluss durch unseren Konsum. Das ist der einzige Schlüssel, den jeder Einzelne in seiner Hand hat. Es scheint schwer zu sein, daran etwas zu ändern. Ich selbst schaffe es kaum. Ich muss tanken, brauche mein Auto, muss Lebensmittel kaufen, brauche Kleidung für mich und meine Lieben, die ich mir auch leisten kann, muss Geld verdienen in einer Firma von der ich weis, dass Sie ihr Geld auch mit Investitionen in hochrisikobewertete Aktien und Währungsspekulationen verdient. Die tägliche Fair-Trade-Banane und die 3 Fair-Trade-Kaffee´s, die ich dabei trinke ändern wahrscheinlich nicht allzu viel daran!

Also ich weis auch nicht weiter...

Aber ich versuchs!
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