28.07.2016, 21:12 Uhr

Größtes Handicap: Schnuppermöglichkeit in Betrieben

PTS-Direktor Hans Peter Indra zeigt Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner die Holzwerkstatt, wo die fleißigen Asylwerber Holzverbindungen herstellen.
Asylwerber sollen Chance in Mangelberufen erhalten, Betriebe wollen mögliche Arbeitskräfte kennenlernen

BEZIRK (alho). Viele Hürden machen es sowohl Betrieben als auch Asylwerbern nicht gerade einfacher zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen: Betriebe suchen gerade in Mangellehrberufen laufend Arbeitskräfte, wollen dazu allerdings mögliche Lehrlinge durchs Schnuppern im Betrieb ein wenig kennenlernen. Das derzeitige Ausländerbeschäftigungsgesetz verbietet Asylwerbern ein „Schnuppern“ in Betrieben, wodurch von vornherein kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz besteht. Die Bezirkshauptmannschaft Rohrbach, das Arbeitsmarktservice und die Wirtschaftskammer starteten unter Mithilfe der Polytechnischen Schule Rohrbach das Projekt „jugendliche Asylwerber in Lehrstellen vermitteln“. PTS-Direktor Hans Peter Indra war gerne bereit die Türen der Schule zwei Tage zu öffnen und dabei speziell gewünschte Fachbereiche, in denen es beruflich einen Mangel an Arbeitskräften gibt, anzubieten: Baunebengewerbe, Holz, Metall und Gastronomie. Indra: „Am ersten Tag konnten Asylwerber nach persönlicher Einschätzung in zwei Fachbereichen schnuppern, am zweiten Tag wurde konkret in einem der Bereiche gearbeitet. Dies geschah unter Begleitung von Lehrern, die im jeweiligen Fachbereich ausgebildet sind und die Aufgabenstellungen zeigten.“ Vertreter einzelner Betriebe informierten sich und beobachteten die möglichen Arbeitskräfte bei ihren Tätigkeiten.
„Den jungen Leuten soll eine Perspektive gegeben werden. Sie werden in Mangellehrberufe gebraucht. Die Betriebe habe mit einer solchen Aktion die Möglichkeit entsprechend benötigtes Personal zu finden“, ist PTS-Direktor Indra überzeugt, ergänzt aber sofort: „Effektiver und sinnvoller wäre es, wenn die gesetzliche Grundlage geändert würde, da aufgrund der fehlenden sprachlichen Grundlage noch ein Jahr in einer Schule, etwa einer berufsvorbereitenden Polytechnischen Schule und ein Kennenlernen der Kultur gewinnbringend für alle wäre.“
Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Klaus Grad richtet ebenso einen Appell an die Politik wenn er so wie Michaela Billinger vom Arbeitsmarktservice Rohrbach das gesetzlich unmögliche Schnuppern für Asylwerbe als Hauptproblem sieht. Klaus Grad nennt als Kriterien und Herausforderungen Asylwerber in dringend gesuchten Arbeitsstellen unterzubringen: Deutsche Sprachkenntnisse, bisherige Berufserfahrungen, Eignungen, Fähigkeiten und Neigungen, religiöse Hintergründe bzw. Rahmenbedingungen, Wünsche, Ziele der Asylwerber, rechtliche Rahmenbedingungen in Österreich. Neben dem Schnuppern-Handicap erklärt Grad: „Die Kollektivverträge im Bau bzw. Holz (Tischler) sehen bei Jugendlichen über 18/20 Jahren eine Einstufung im dritten Lehrjahr vor, was praktisch ein k.o-Kriterium bedeutet. Religiöse Hintergründe erschweren den Einsatz in manchen Lehrberufen (Schweinefleisch, Ramadan, Kopftuch,…), Lehrlingsfreifahrt steht nicht zu, etc. Trotzdem wollen wir versuchen, Jugendliche im Bezirk zu vermitteln und sie nicht untätig sein lassen. Viele machen derzeit Deutschkurse und auch die Prüfungen dazu. Der nächste Schritt ist, Jugendliche konkret bei Firmen unterzubringen. Wir hoffen, es gelingt uns die eine oder andere Vermittlung!“
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