03.05.2016, 15:27 Uhr

Nach Übergriff: Polizistin muss nach frauenverachtenden Tipps Stellungnahme abgeben

Die Polizei nimmt die Angelegenheit sehr ernst, die Beamtin muss eine schriftliche Stellungnahme vorlegen. (Foto: Ewald Fr_ch/fotolia)

Wien ist anders: Eine blonde Studentin wurde bei der U6 erst aufgrund ihrer Haarfarbe bedrängt, danach niedergeschlagen. Angeblich erhielt das Opfer von einer Polizistin daraufhin den Rat, sich die Haare zu färben. Von offizieller Stelle distanziert man sich von dem Ratschlag.

RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS/NEUBAU. Ein Vorfall bei der U6-Station Westbahnhof löst Empörung aus: Eine 20jährige Studentin wurde vergangene Woche um 21 Uhr zusammengeschlagen und ausgeraubt.

In einem Interview mit der Tageszeitung "Heute" beschreibt die Blondine den Tathergang, wonach sie ein Mann in einer unbekannten Sprache anredete und ihr in die Haare fasste. Als sich die Studentin lautstark wehrte, holte der Fremde zur Verstärkung drei weitere Männer. Zu viert sollen sie der Studentin ihre Handtasche entrissen haben und sie zu Boden geschlagen haben. Kein anderer Fahrgast half der 20-Jährigen.

Polizei zeigt sich entsetzt

Eine weitere Demütigung: Als sie die Straftat anzeigte, sei ihr von den Polizeibeamten geraten worden, sich die Haare dunkel zu färben, unauffällig zu kleiden sowie nach 20 Uhr als Frau nicht mehr auf die Straße zu gehen.

Nicht nur die Bevölkerung zeigt sich über die frauenverachtenden Tipps empört, sondern auch bei der Polizei ist man über die Ratschläge entsetzt. "Wir nehmen diese Aussage sehr ernst und eine weibliche Beamtin muss eine schriftliche Stellungnahme vorlegen", so Pressesprecher Thomas Keiblinger, der den Tathergang erklärt: "Im 23. Bezirk wurde Anzeige erstattet wegen Raub mit Begleiterscheinungen - es wurden ja auch Ausweise gestohlen. Wir haben nun ein Video vom Raubgeschehen angefordert." Den Ratschlag, dass sich Frauen die Haare dunkel färben sollen, bezeichnet Keiblinger als Schwachsinn.

Dem Bauchgefühl vertrauen

"Man muss auf der einen Seite seinen Gefahrenradar anstellen und seine Umgebung bewußt wahrnehmen", rät der Kontrollinspektor, um gefährliche Situation zu meistern. "Auf der anderen Seite soll man auf sein subjektives Gefühl hören: Sobald man das Gefühl hat, verfolgt zu werden, sofort zum Handy greifen und die Polizei anrufen! Das betrifft aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer."

Keiblinger rät im Falle einer Verfolgung das sofortige Aufsuchen öffentlicher Plätze. "Gehen Sie in ein Geschäft oder eine Bar hinein und stellen Sie sich an die Bar. Und unbedingt sofort die Polizei anrufen - wir kommen lieber einmal zuviel als einmal zu wenig. Da unsere Streifenwagen permanent unterwegs sind, haben wir einen hervorragenden zeitlichen Schnitt!"

Hintergrund

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