08.06.2016, 08:00 Uhr

An der Uni brodelt es

Um Geld einzusparen, will das Vizrektorat für Lehre von Professoren der Anglistik mehr Arbeit für gleichbleibenden Lohn. (Foto: Franz Neumayr)

Um Einsparungen zu erreichen, versucht die Uni Salzburg Lehrende dazu zu bringen, mehr für den selben Lohn zu arbeiten.

SALZBURG (ck). An der Paris-Lodron-Universität Salzburg zieht ein Interessenskonflikt zwischen den Lehrenden der Anglistik und dem Rektorat immer weitere Kreise. Auf der einen Seite steht der Wunsch den Lehrauftrag mit möglichst hoher Qualität erfüllen zu können, auf der anderen Seite der Versuch Geld einzusparen. "Seit Bestehen des Fachbereichs war es so, dass alle Lehrveranstaltungen als gleichwertig angesehen wurden. Ob man den Studierenden die korrekte Aussprache beibrachte oder ob man über Literaturgeschichte vortrug war egal. Immerhin sind solche Sachen ja verpflichtend", erklärt Benjamin Wright, Lehrender am Fachbereich Anglistik und Mitglied des Betriebsrates. Nachdem vor einigen Jahren jedoch immer mehr Personen sich für dieses Studium entschieden, änderte sich die Situation schlagartig.

Englisch liegt im Trend

"Zunächst hat man auf den Boom reagiert, indem man Externe für kurze Zeit anstellte. Um Geld zu sparen wurde ab dem Wintersemester 2015 die Lehre kategorisiert. Wenn ich den Studierenden praktische Inhalte vermittle, so sei das nur noch 75 Prozent eines Vortrags aus der Theorie wert. Das Ergebnis ist, dass ich deutlich mehr lehren muss für dasselbe Geld. Dazu kommen noch die Stunden zur Vorbereitung, Besprechungen von Tests und so weiter", fährt Wright fort. Zieht man den Kollektivvertrag heran, so findet sich dort tatsächlich ein entsprechender Passus, der eine Kategorisierung "möglich" macht. "Das Rektorat bezieht sich auf den KV und meint, dies sei juristisch fundiert. Andere Juristen sehen das nicht so. Manche meiner Kollegen haben einen solchen Passus im Vertrag stehen. Einige, wie zum Beispiel ich, haben das nicht, müssen sich jedoch trotzdem daran halten. Problematisch wird die Sache vor allem dadurch, dass es keine Betriebsvereinbarung dazu gibt. Diese Einteilung in sogenannte lit. A - Lehrveranstaltungen und lit. B, die ja nur 75 Prozent von lit. A wert sind, wurde persönlich mitgeteilt und hat nur inoffiziellen Charakter", sagt Wright.

Qualität soll leiden

Leidtragende sind jedoch auch die Studierenden, deren Lehrveranstaltungsleiter nun weniger Zeit haben um sie individuell zu betreuen. "Wir halten das Vorgehen des Rektorats für kontraproduktiv, guter Lehre entgegenstehend und für die Motivation und Wertschätzung der Lehrenden katastrophal", heißt es von der Studienvertretung Anglistik dazu. Der für Lehre zuständige Vizerektor Erich Müller verweist darauf, dass es die "differenzierte Bezahlung schon seit Jahrzehnten" geben würde. "Die Universität Salzburg hält sich sehr genau an den Kollektivvertrag. Zusätzliche Betriebsvereinbarungen gibt es nicht", so Müller. Auch die Qualität sieht der Vizerektor für Lehre nicht gefährdet. "Wir führen regelmäßig Lehrveranstaltungsevaluierungen durch. Mir ist nicht bekannt, dass die Qualität nicht den Anforderungen entspricht", heißt es von Müller dazu. Christof Fellner, Mitglied des Fakultätsrats der "Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät" am Unipark Nonntal sagt dazu: "Studierendenbetreuung Light sorgt dafür, dass sich Studierende nach anderen Optionen für ihren Studienort umsehen und dadurch der Ruf der Universität weiter absinkt."
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