11.05.2016, 05:30 Uhr

Ich verschicke keine bösen Briefe

Eva Hody: "Auch Menschen und ihre Aktivitäten machen eine Stadt aus, nicht nur Gebäude."

Landeskonservatorin Eva Hody Chefinnen-Gespräch über neue Architektur, alte Villen und das Management der Veränderung.

Hauseigentümer und Denkmalschützerin – eine einfache Beziehung?
EVA HODY:
Nein. Aber zumindest ist es jedenfalls von meiner Seite immer eine wohlwollende Beziehung. Das führt in den meisten Fällen zu einem kooperativen und wertschätzenden Verhältnis. Der Denkmalschutz wird als Eingriff in das Eigentumsrecht empfunden, was er auch ist. Er wird in das Grundbuch eingetragen und der Eigentümer kann sein Gebäude nicht mehr beliebig verändern. Freiheitseinschränkungen mögen die Leute nicht, das kann ich gut verstehen.

Wieviel Weiterentwicklung von denkmalgeschützten Bauten können Sie zulassen? Ihre Berufsbezeichnung enthält das Wort "konservieren"?
EVA HODY: Ich spreche gerne vom Management der Veränderung. Mit neuen Anforderungen müssen sich Gebäude verändern, ohne dabei ihre Bedeutung als Denkmal zu verlieren. Ein gutes Beispiel ist die Residenz: Sie verfügt nun über einen Lift und ist dabei immer noch ein Residenzgebäude.

Lassen sich Salzburger gerne beim Bauen dreinreden?

EVA HODY: Die Frage ist, ob meine Arbeit als Dreinreden oder als Beratung wahrgenommen wird – ich möchte für Eigentümer und Objekt eine gute Lösung finden. Ohne Eigentümer kann ich kein Denkmal erhalten, er nimmt ja auch das Geld in die Hand. Beim Denkmalschutz geht es darum, Baufehler in Bezug auf historische Bautechnik zu vermeiden. Das kostet in manchen Fällen mehr, aber in vielen Fällen kann es Geld sparen – nur davon hört man leider kaum etwas in der Öffentlichkeit.

Wie schätzen Sie Ihre Nachrede bei den Bauherren ein?

EVA HODY: Ich glaube, es ist tatsächlich eine wertschätzende Nachrede. Vielleicht nimmt man mich als streng wahr. Auf Erstaunen trifft, dass ich auf Gerüste und in Baugruben steige und nicht vom Schreibtisch aus agiere. Ich will sachlich nachvollziehbar entscheiden.

Wie gehen Sie mit Besitzern erhaltungswürdiger oder denkmalgeschützter Villen um, die verkommen?
EVA HODY: Wenn Eigentum dem Verfall preisgegeben wird, dann ist die Situation meist schon sehr verfahren – entweder weil der Eigentümer das Grundstück freibekommen will, weil er schlicht kein Geld zur Erhaltung hat oder weil es schwierig ist, eine adäquate Nutzung zu finden. Auch da muss man respektvoll mit den Eigentümern umgehen. Kaum jemand lässt sein Haus freiwillig verfallen – außer wenn es um Spekulation geht. Das finde ich dann sehr unerfreulich. In sehr seltenen Fällen sage ich, so, jetzt müssen wir wieder reden, aber ich schreibe keine bösen Briefe, zumindest fast nie.

Wie sieht es denn mit neueren Gebäuden und Denkmalschutz in Salzburg aus?

EVA HODY: Denkmalschutz kennt in Österreich keine Altersgrenze. Genauso wenig wie Alter alleine ein Grund für Denkmalschutz ist, ist es ein Ausschließungsgrund. Gebäude müssen eine künstlerische, historische und kulturelle Bedeutung erfüllen, um unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Das kann moderne Architektur natürlich leisten. In Salzburg wurden zum Beispiel das Haus "Mierka" am Mönchsberg nach Plänen von Architekt Oswald Haerdtl aus dem Jahr 1956 oder das 1978 errichtete Holzbau-Wohnhaus von Architekt Gerhard Garstenauer in Aigen unter Schutz gestellt.

Aber insgesamt ist Salzburg in diesem Punkt säumig?
EVA HODY: Salzburg hinkt ein bisschen hinterdrein. Unter meinen Vorgängern wurde kein besonderer Fokus darauf gelegt, mir fehlen derzeit leider die Ressourcen dazu. Denn dafür benötigt man auch Mitarbeiter, die die Kompetenz haben, moderne Architektur zu beurteilen. Vorarlberg etwa hat da mehr Bewusstsein mit seiner fast 40-jährigen Tradition trendbestimmender Architektur. Salzburg ist da sicher viel verhaltener.

Steht sich der strenge Altstadtschutz hier selbst im Weg?

EVA HODY: Salzburg ist nicht sehr gut nur Altstadt. Nur 1,5 Prozent aller Immobilien stehen unter Denkmalschutz. Die neue Architektur außerhalb der Altstadt ist leider selten von Weltrang. Da kommt viel zusammen, was Salzburg in seiner Baukultur und Entwicklung lenkt bzw. einschränkt.


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