03.08.2016, 09:00 Uhr

"Manche tun einem leid" – Chefinspektor Richard Hribernigg im Interview

"Ich will Salzburg möglichst unattraktiv für zwielichtige Gestalten machen", sagt Richard Hribernigg.

AGM-Wals-Chefinspektor Richard Hribernigg über Drogen, Waffen und illegale Migranten.

Was sind die Hauptaufgaben Ihrer Dienststelle?
RICHARD HRIBERNIGG: Die Dienststelle ist kurz nach der Osterweiterung der EU geschaffen worden. Damals hat es geheißen, dass immer mehr Menschen im grenzfreien Verkehr illegal nach Österreich kommen. Deshalb kontrollieren wir im Landesinneren. Wir beschäftigen uns mit allen strafrechtlichen Delikten, etwa der Schlepperei, dem Rotlicht-Milieu, Drogen und der illegalen Migration.

Wie entwickelt man hier das nötige Gespür, wen man überhaupt aufhalten soll?
Das ist unterschiedlich. Geplant wird schwerpunktmäßig. Unsere Leute wissen in der Früh nicht, mit wem sie unterwegs sind und ob sie in Zivil oder in Uniform unterwegs sind. 70 Prozent der Aufgaben werden in Zivil erledigt. Wenn es darum geht, Präsenz zu zeigen, tragen wir Uniform. Es gibt Schulungen für unterschiedliche Bereiche, etwa Suchtgift oder Dokumentenfälschung. Erst gestern haben wir einen Marokkaner gehabt, der Drogen in einen Gips eingebaut hat. Es ist auch wichtig zu wissen, wie etwa ein echter pakistanischer Führerschein oder ein Reisepass aus Togo aussieht – das ist ein Heidenaufwand. Wenn wir Schlepper suchen, achten wir auf Kastenwagen und Autos mit dunklen Scheiben. Auch, ob Leute in ein Auto passen, oder nicht spielt eine Rolle.

Haben Sie hier Beispiele?
Es hat einmal einen Asfinag-Bus mit lauter schwarzen Insassen gegeben, die alle Asfinag-Jacken getragen haben. Da haben wir überlegt, wie viele Schwarze überhaupt dort arbeiten und gleich gewusst, dass etwas nicht stimmt. Tatsächlich haben wir hier illegale Migranten in einem gefälschten Bus aufgegriffen. Auch bei den Gründen, warum in Österreich Asyl beantragt wird, habe ich schon vieles gehört. Ein Somalier hat angegeben, dass er hier ist, weil er Skifahren lernen will. Bei der großen Flüchtlingswelle vor einem Jahr haben wir mehr als 1.000 Bewerber behandelt, die Garage der Dienststelle ausgeräumt und Betten aufgestellt. Es gibt riesige Unterschiede – von Familien und einzelnen Leuten, die einem richtig leid tun, bis hin zu welchen, die nur hier sind, weil sie ein Haus und ein Auto wollen.

Wie gefährlich ist ihr Beruf?
Es gibt immer wieder gefährliche Situationen für unsere Leute. Vor kurzem haben wir jemanden festgenommen, der am Weg in das Krankenhaus durchgedreht und ein langes Messer aus dem Ärmel seiner Jacke gezogen hat. Er war nicht zurechnungsfähig. Auch versteckte Waffen stellen eine Gefahr dar. So gibt es etwa Kreditkarten, die mittels Rasierklingen zu Messern umgebaut werden, oder Taschenlampen mit Elektroschockern. Wir arbeiten sehr eng mit den Kollegen aus unserer Schwesterndienststelle in Piding-Urwies zusammen, treffen uns einmal pro Woche und tauschen unsere Erfahrungen aus.

Der Amoklauf in München hat auch zahlreiche Salzburger verunsichert. Wie schnell kann hier die AGM Wals reagieren?
Unser Vorteil ist, dass wir hier sofort reagieren können. Wenn wir etwa bei einer Mautstelle den Verkehr aus Italien kontrollieren, können wir das bei einem derartigen Anlass jederzeit abbrechen und zur Grenze ausrücken. In diesem Fall hat es anfangs geheißen, dass es drei Täter sind, also wurden sofort die Posten am Flughafen, am Bahnhof und am Walserberg verstärkt. Alles andere war in dieser Situation nicht mehr wichtig.

In welcher Reiserichtung werden mehr Menschen aufgehalten?
Wir sind hier ein bisschen der Spielball der Europapolitik. Wenn Ungarn die Grenzen aufmacht, verstärken wir die Kontrollen aus Richtung Osten, wenn Ungarn die Grenzen dicht hält, schauen wir verstärkt auf die Balkanroute. Egal, welche Entscheidung Europa trifft, wir spüren das unmittelbar und müssen unsere Kontrolltätigkeit anpassen. Man muss extrem flexibel sein. Regeldienst gibt es bei uns nicht.


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