18.05.2016, 00:00 Uhr

Mit H(a)ut und Haaren

Landestheater-Modistin Monika Vinzce mit dem Löwenkopf aus Mozarts "Zauberflöte"

Modistin Monika Vinzce macht nicht einfach nur Hüte, sondern bühnenreife Gesamtkunstwerke

Für die Premiere von "Shakespeare im Park: Queens and Kings" am 2. Juni legen Landestheater-Modistin Monika Vinzce und ihre Kollegin Lili Pfeiffer gerade noch letzte Hand an, in Gedanken sind sie aber schon beim Fantasietanzmärchen "Der König von Narnia" am 11. Juni. Denn gerade bei Tänzerinnen und Tänzern sind die Künste von Monika Vinzce gefragt: Die Kopfbedeckung muss auf der Bühne gut wirken, darf aber weder verrutschen noch die Tänzer in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken. Freilich: Verraten will sie nicht zu viel, die Kostüme kommender Premieren fallen unter das ungeschriebene Gesetz des Berufsgeheimnisses.

Man muss küssen können


"Man lernt im Lauf der Jahre schon einiges dazu, wie zum Beispiel, dass auch ein großer Hut so konstruiert sein muss, dass die Schauspielerin ihren Bühnenpartner – wenn es die Rolle so will – umarmen und küssen kann. Oder dass der Kopf eines Krokodils so gebaut sein muss, dass der Schauspieler sich damit auf allen Vieren gut bewegen kann", lächelt die Expertin.

Seit 44 Jahren ist Monika Vinzce Modistin im Landestheater. Sie hat davor die Modeschule in Hallein absolviert und ein Jahr als Herrenschneiderin in einem Geschäft gearbeitet. Das war für sie zu langweilig, auf ein Inserat hin bewarb sie sich am Landestheater. Seither hat sie für alle Bühnenproduktionen gearbeitet. Schritt für Schritt sowie mit viel Können und noch mehr Kreativität hat sie sich an diese Herausforderung herangetastet. "Man wächst mit seinen Aufgaben", sagt sie lächelnd.

5.000 Hüte im Fundus

Rund 5.000 Hüte, Häubchen und andere Kopfbedeckungen befinden sich in ihrem Fundus – darunter auch vier riesige weiße Löwenköpfe, die in 40-stündiger Handarbeit entstanden sind. "Die haben wir für Carl Philip von Maldeghems Inszenierung der "Zauberflöte" gemacht, und das war keine einfache Aufgabe", erinnert sich Monika Vinzce. "Alles, was wir als Vorlage hatten, war eine Skizze. Mit Schaumstoff haben wir uns langsam an die Form herangetastet und dann aus Webpelz diese Löwenköpfe hergestellt. Sie sehen, die haben keine gegossenen Zähne aus Harz, sondern weiche Schaumstoffzähne – die sehen gefährlich aus, wiegen aber fast nichts. Und das ist wichtig, denn zu schwer dürfen die Kopfbedeckungen nicht werden, das wäre eine zu große Belastung für unsere Schauspieler und Statisten."

Sie findet jede Perle

Ein größer werdendes Problem für sie ist das Verschwinden von immer mehr Detailgeschäften. "Wer verkauft denn heute noch Perlen, Federn, Rohlinge für Hutstumpen oder die Stoffe, die wir benötigen? Ich habe ein paar Geschäfte, bei denen ich telefonisch oder online bestellen kann, aber auch das wird immer schwieriger, weil wir ja nicht für eine ganze Kollektion bestellen, sondern immer nur für Einzelteile oder vielleicht eine Handvoll gleicher Teile." Aber es wäre wohl nicht Monika Vinzce, wenn ihr nicht auch für derartige Schwierigkeiten jedes Mal eine kreative Lösung einfiele.
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