20.06.2016, 17:23 Uhr

Überall nirgends endlich auch in Hallein

Theatermacherin Christa Hassfurther von Theater bodi end sole

Christa Hassfurther bringt ihre Koproduktion mit der ARGEkultur in den Ziegelstadl.

Wenn die Koproduktion "Überall nirgends lauert die Zukunft" von bodi end sole und der ARGEkultur Salzburg vom 3. bis 5. Juli im Ziegelstadl Hallein zu sehen sein wird, dann ist das Stück über Flucht und Vertreibung sozusagen zu Hause angekommen. Denn es hat mit Hallein zu tun: Mit seiner Vergangenheit, dem Displaced-Persons-Lager, das die US-Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem heutigen Holzlagerplatz von Schweighofer Fiber eingerichtet haben, und das bis 1952/53 bestanden hat. Und mit der Gegenwart, denn so wie überall im Bundesland Salzburg, leben auch heute wieder von Kriegen und Konflikten Vertriebene im Tennengau.


"Thema zieht sich durch die Jahrhunderte"

"Flucht und Vertreibung ist ein Thema, das uns durch die Jahrhunderte begleitet hat", erklärt Theatermacherin und Regisseurin Christa Hassfurther von bodi end sole. Von der Vetreibung der Protestanten vom Dürrnberg 1732, das angesprochene Camp Hallein nach 1945 oder eben die aktuelle Situation mit Menschen, die es etwa aus Syrien bis in den Tennengau verschlagen hat. Zusammen mit Autor Vladimir Vertlib – der mit seinen Eltern selbst aus der ehemaligen UdSSR emigriert ist – hat Christa Hassfurther eine Brücke aus der Geschichte in die Gegenwart geschlagen.


Ehemaliger Flüchtling begegnet seiner eigenen Geschichte und der eines Fremden

"Sie müssen wissen, dass die Menschen in dem 'Camp Hallein' damals Schulen eingerichtet haben, Werkstätten, in denen Berufe erlernt werden konnten und sogar Englisch-Kurse gehalten wurden", so die Regisseurin. In "Überall nirgends lauert Zukunft" kommt einer der ehemaligen "Displaced Persons" 70 Jahre danach wieder nach Hallein auf Besuch und trifft bei seiner persönlichen Spurensuche auf dem ehemaligen Areal des 'Camp Hallein' – das im Stück eine fiktive Flüchtlingsunterkunft ist – den aus Syrien stammenden Universitätsprofessor Ibrahim.

Die Flüchtlinge sind "echt"

Das Besondere: "Ibrahim" wird von Salim Chreiki gespielt, einem syrischen Schauspieler, der in Salzburg lebt. Neben ihm spielen noch acht weitere Flüchtlinge mit. Szenen ihrer eigenen Geschichten sind in das Stück eingewoben. "Das geht ganz schön unter die Haut", sagt Christa Hassfurther.

Parallel zu den Aufführungen zeigt Christa Hassfurther im Ziegelstadl Hallein auch "Fluchtraum Österreich", eine Plakatausstellung der TU Wien, die gemeinsam mit Architekten und Flüchtlingen entstanden ist. "Dabei werden zum Beispiel die Wege der Flüchtlinge nachgezeichnet und das, was sie mitgenommen, was sie auf der Reise verloren oder liegen gelassen haben. Um in der Türkei auf ein Schlepper-Boot zu kommen, durfte pro fünf Menschen nur ein Gepäcksstück mitgenommen werden", weiß sie.

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