29.03.2016, 07:30 Uhr

Von der Juristin zur Edeldesignerin – Susanne Spatt im Chefinnen-Gespräch

Trachtendesignerin Susanne Spatt hat ihr Unternehmen vor 20 Jahren im eigenen Keller gestartet.

Sie sind seit 20 Jahren Trachtendesignerin – war das von Kindheit an Ihr Wunsch?
SUSANNE WACH-SPATT:
Nein, ich stamme aus einer Ärztefamilie und wollte eigentlich auch Medizin studieren. Mein Vater hat mir damals abgeraten, weil die vielen Nachtdienste als Arzt so anstrengend seien. Daraufhin habe ich Jus studiert und war als Juristin am Gericht tätig.

Wie wurden Sie Designerin?
Ich habe eine Dame kennengelernt, die für ihr Unternehmen, das entzückende handgesmokte englische Kinderkleider hergestellt hat, eine Nachfolgerin gesucht hat. Das war dann ich. Ich bin dann rasch auf Kinderdirndln umgestiegen und als ich damals damit auf der Messe in Salzburg war, haben die Fachgeschäfte das gekauft. Auf Anraten und auf Wunsch meiner Kunden habe ich mich dann auf Damendirndln und Trachten spezialisiert.

Haben Sie Rückschläge erlebt?

Ja, natürlich. Anfangs habe ich mich einmal verkalkuliert und bis man alle Rohmaterialien beisammen hat, das muss man auch erst in den Griff bekommen. Ich habe ja anfangs nur eine Mini-Firma gehabt, die ich zu Hause in meinem Keller betrieben habe. Ich bin auch nicht sicher, ob sich so etwas heute wiederholen ließe. Der Trachtenboom zu der Zeit war enorm, jetzt wird der Kuchen eher kleiner.

Helfen oder schaden Ihnen Billig-Trachtenketten?
Wenn etwas im Trend liegt, dann ist das immer gut, aber solche Ketten haben keine Bedeutung für uns. Wir bewegen uns in einem ganz anderen Preissegment und Verarbeitungsniveau. Für mich war es von Anfang an wichtig, hochwertige Stoffe wie reine Seide, Wollstoffe und Leinen oder Baumwolle zu verwenden. Tracht ist etwas Regionales und kann nur authentisch sein, wenn man es auch mit der Region in Verbindung bringt. Unsere Stoffe kommen auch nicht aus Indien oder sonst wo her. Unsere Kollektion wird in der Steiermark produziert, hier in Salzburg bieten wir Maßanfertigungen.

Gibt es einen Trend zur Wertschätzung von werthaltigen Produkten? Und hat das etwas mit Fair Trade zu tun?
Ja, diesen Trend gibt es. Und ja, das hat auch etwas mit Fairness zu tun. Unsere Dirndln sind alle made in Austria. Meine Tochter hat zu diesem Thema übrigens ihre Diplomarbeit geschrieben. Schlechte Umweltbedingungen, Kinderarbeit oder teilweise giftige Einfärbungen, die es in der Textilbranche ja gibt, können wir für uns ausschließen.

Sie haben vier erwachsene Kinder, die alle im Unternehmen mitarbeiten, und einen sechsjährigen Sohn. Als Sie vor 20 Jahren begonnen haben, waren Ihre Kinder zwischen sechs Monaten und dreieinhalb Jahren. Hatten Sie eine gute Kinderbetreuung?
Nein, überhaupt nicht. Die Kinder waren immer bei mir. Sie sind mit mir da hineingewachsen. Sobald sie telefonieren konnten, haben sie den Hörer abgehoben. Sie waren auf Messen mit, sie haben immer mitgeholfen – das ist bis heute so geblieben. Julia arbeitet im Design mit, Maria Theresia macht unsere Kataloge und den Facebook-Auftritt, Sophie kümmert sich um Make-up, Haare und Styling. Wir eröffnen hier neben unserem Brautsalon in Kürze auch einen Beautysalon, den sie leiten wird.

Wenn Sie die Diskussion um Vereinbarkeit von Beruf und Familie verfolgen: Was denken Sie darüber?
Es gibt sehr viele sehr fleißige Frauen. Aber ganz ehrlich: Solchen Diskussionen zuzuhören, das ist mir zu anstrengend und das interessiert mich auch nicht. Für mich kommt meine Familie an erster Stelle und ich bin gar nicht sicher, ob ich das alles alleine, ohne die Hilfe meiner Kinder geschafft hätte.

Hatten Sie nie Angst vor dem Scheitern?

Ich hatte keine Bedenken, dass ich das nicht schaffe. Ich habe nie genäht, denn dafür gibt es hervorragende Schneiderinnen. Was zählt, ist Kreativität – die bringe ich mit – und dann die Schnitttechnik und die Schneiderskunst. In beiden Bereichen kann ich gut mitreden, aber erledigt wird diese Arbeit von Profis.

Welche Tipps können Sie jungen Menschen mitgeben, die in die Designerbranche einsteigen wollen?

Schwierig ist es vor allem dann, wenn man dabei selbstständig sein möchte. Denn nur kreativ zu sein ist dann zu wenig, man muss auch ein Produkt kreieren, das sich verkauft. Leichter ist es wahrscheinlich, wenn man in der Designabteilung eines Unternehmens unterkommt. Ich glaube, man sollte sich viel anschauen, egal wo – in der Natur, in Galerien, in Museen – und diese Eindrücke dann in einem Produkt verarbeiten.

Wo haben Sie sich zuletzt Inspiration geholt?

In Florenz, im Palazzo Vecchio. Der ist wunderschön, auch in seiner Farbgebung. Und daraus machen wir gerade etwas für unsere neue Kollektion. Tracht ist ja farbenfroh und mit dem Handdruck meines Mannes Markus Wach ergeben sich wunderbare Farbkombinationen.


Interessiert an mehr Chefinnen-Gesrpächen? Hier geht es zur Interview-Reihe "Chefinnen-Gespräch".
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