06.10.2016, 21:52 Uhr

Wissenschaftlerteam entschlüsselt Trickkiste von "Täuschpflanzen"

Universitätsprofessor Stefan Dötterl und Dr. Annemarie Heiduk mit der „raffinierten“ Fallschirm-Leuchterblume. (Foto: Andreas Kolarik/Rohrer)

Unter der Federführung von Annemarie Heiduk gelang es einem Projektteam aus Salzburg, Deutschland und Südafrika nachzuweisen, dass die Fallschirm-Leuchterblume den Duft einer sich wehrenden, sterbenden Honigbiene imitiert

„Wir konnten feststellen, dass die Fallschirm-Leuchterblume – eine von weltweit 15.000 Täuschpflanzen – 33 Substanzen nachahmt, die angegriffene Bienen aus verschiedenen Kopf- und Hinterleibsdrüsen abgeben. Und das, um zwei Millimeter große Nistfliegen in ihre Falle zu locken. Die Lösung des Rätsels, warum die Fliegen von Blüten der Fallschirm-Leuchterblume angelockt werden, ist der Grundstein zur Aufklärung weiterer Nistfliegen-Bestäubungssysteme“, so Forscherin Annemarie Heiduk. Unter ihrer Federführung ist es einem internationalen Projektteam gelungen, nach sieben Jahren Forschungsarbeit nachzuweisen, dass die Pflanze den Duft einer sich wehrenden, sterbenden Honigbiene imitiert.

Pflanze braucht Fliegen zur Fortpflanzung

Nistfliegen sind „Futterdiebe“, die ihr Futter normalerweise bei Spinnen oder Gottesanbeterinnen stehlen, sobald diese eine Honigbiene erbeutet haben. Werden sie allerdings von einer Leuchterblume durch ähnliche Duftstoffe geködert, fallen die Fliegen in den Blütenkessel. Anstatt hier den ersehnten Sonntagsbraten vorzufinden, werden die Fliegen etwa 24 Stunden festgehalten, um somit für die Bestäubung der Pflanze zu sorgen. Danach „spuckt“ die Pflanze ihre Opfer aus und die Fliegen müssen sich erneut auf Futtersuche begeben.

Die Fallschirm-Leuchterblume, die in Südafrika zu finden ist, ist nur eine von vielen „Täuschpflanzen“, die Insekten in die Irre führen. „Man kann davon ausgehen, dass es etwa 15.000 Täuschpflanzen gibt, die ihre Bestäuber nicht mit Nektar, Pollen oder anderem belohnen. Wir versuchen zu entschlüsseln, warum es so viele dieser Pflanzen gibt und uns interessiert, wie sie sich darauf spezialisiert haben, ihre Bestäuber anzulocken“, sagt Pflanzenökologe Stefan Dötterl von der Universität Salzburg. Das neue Wissen rund um die Bestäubung durch Futterdiebe wird jetzt genutzt, um zu fragen, inwiefern auch andere Pflanzen diese Strategie wählen. Bei Pfeifenblumen konnte man etwa nachweisen, dass sie die Inhaltsstoffe von attackierten Wanzen nutzen, um bestäubende Fliegen anzulocken.
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