26.07.2016, 16:30 Uhr

SPÖ-Klubchef Bernhard Auinger zeigt neue Nähe zur ÖVP

SPÖ-Klubchef Bernhard Auinger will die Bereiche Mobilität und Wohnen neu andenken.

Bernhard Auinger, SPÖ-Klubchef und Nachfolger von Heinz Schaden, im Stadtblatt-Gespräch.

SALZBURG (lg). Im Mai wurden Sie als Nachfolger von Bgm. Heinz Schaden präsentiert - was hat sich seither für Sie verändert?
BERNHARD AUINGER:
Zugegeben, meine Auftritte in der Öffentlichkeit sind häufiger geworden, mein Arbeitspensum um zehn bis 20 Prozent gestiegen. Zudem gab es sehr viele positive Rückmeldungen aus der Belegschaft, das spornt einen natürlich an.

Wie schwer ist es, in die Fußstapfen von Heinz Schaden zu treten?
BERNHARD AUINGER:
Es ist heute eine andere politische Situation als damals und Heinz Schaden und mich verbindet eine enge und loyale Zusammenarbeit. Das war auch die Grundlage für meine Entscheidung, dass ich als Nachfolger zur Verfügung stehe. Aber ja, die Fußstapfen in die ich treten werde, sind sehr groß.

Sie werden als SPÖ-Kandidat in die Gemeinderatswahl 2019 gehen. Welche Schwerpunktthemen sehen Sie auf sich zukommen?
BERNHARD AUINGER:
Die beherrschenden Themen werden Mobilität und Wohnen sein, das betrifft einfach die gesamte Bevölkerung. In der Mobilität steht uns sicherlich die größte Veränderung bevor, der Trend wird in Richtung autonom fahrende Busse und Taxis gehen. In deutschen Städten ist das bereits Realität, dass selbstfahrende Busse oder U-Bahnen 24 Stunden zur Verfügung stehen.

Selbstfahrende Taxis und Busse führen dazu, dass Taxi- oder Buslenker nicht mehr benötigt werden?
BERNHARD AUINGER:
Es wird zu Umlagerungen kommen, jede neue Technologie benötigt und bringt neue Arbeitsplätze. Das geht von der Produktion bis zur Wartung, es werden sich völlig neue Arbeitsmöglichkeiten auftun.

Wie will man das allgegenwärtige Thema, "leistbaren Wohnraum" zu schaffen, in den Griff bekommen. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier?
BERNHARD AUINGER:
Man muss abseits der zum Scheitern verurteilten Wohnbauförderung denken, die in Wahrheit mehr eine Luxusförderung war. Grund und Boden wird nicht mehr, daher muss man schauen, wo es Nachverdichtungspotenzial gibt und beim Thema Raumordnung auch über die Stadtgrenzen hinaus denken. Da müssen die Umlandgemeinden an einem Strang ziehen. Mit dem "Garantie-Modell" wollen wir in einem Testlauf rund 100 leerstehende Wohnungen zur Vermietung lukrieren.

Aber dadurch werden die Mieten oder die Eigentumspreise nicht günstiger werden.
BERNHARD AUINGER:
Ich war kürzlich in Berlin, dort wird wesentlich günstiger gebaut. Man muss mit den Experten reden, da gibt es bereits bei der Planung Einsparungspotenziale von zehn bis 20 Prozent, ebenso bei der Ausführung. Es muss nicht immer der teuerste Parkettboden oder die teuerste Ausstattung im Bad drinnen sein, auch bei den Tiefgaragenplätzen ließe sich was einsparen. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Sie sind bei Porsche Betriebsratsvorsitzender und zeigen bei Ihren Auftritten und in sozialen Medien Volksnähe. Sollen dadurch auch die Kernschichten der SPÖ, die teils eher zur FPÖ abgewandert sind, wiedergewonnen werden?
BERNHARD AUINGER:
Aus meiner Tätigkeit bringe ich sicherlich Wirtschaftskompetenzen mit und kann mein Know-how einbringen. Die Themen Arbeit und Wohnen sind natürlich Kernthemen der SPÖ, die letzten Wahlen haben gezeigt, dass wir bei den jungen Wählern Stimmen verloren haben. Wir müssen die Jugend wieder mehr ansprechen, das passiert eben auch durch eine Stadt, die sich weiterentwickelt und lebt und sich nicht nur wie ein schmuckes Museum präsentiert. Ich bin ein Sozialdemokrat, stehe für eine moderne Gesellschaft, in der keiner auf der Strecke bleibt.

Der kommunalpolitische Kurs hat sich in letzter Zeit von der einstigen SPÖ-Bürgerliste-Achse mehr zur SPÖ-ÖVP-Achse gewandelt, bei den Mammutthemen wie Paracelsusbad oder Mönchsberggarage wird Einigkeit zwischen SPÖ und ÖVP demonstriert. Soll dieser Weg weitergegangen werden?
BERNHARD AUINGER:
Früher war eine andere Zeit, da hatten die "grünen Themen" mehr Platz. Heute geht es um Arbeitsplätze, das steht im Fokus. In der ÖVP hat ein Umdenken stattgefunden und die Zusammenarbeit ist konstruktiver geworden. Aber das ist reine Sachpolitik, prinzipiell kann ich mit jedem zusammenarbeiten.

Beim Thema Raumordnung und Betriebserweiterungen fordern Sie, mehr Vernunft statt Ideologie walten zu lassen. Was erhoffen Sie sich dadurch?
BERNHARD AUINGER:
Wir können uns angesichts der Arbeitslosenzahlen keine wirtschaftsfeindliche Politik erlauben oder Betriebserweiterungen von Vornherein ausschließen. Da muss man, wenn ich etwa an die Erweiterung von Maco denke, mal über seinen Schatten springen und sagen: "Es tut mir leid um die zwei Haselnusssträucher und die Äskulapnattern, aber hier werden Arbeitsplätze geschaffen."

Die Stadt-SPÖ ist eine der wenigen starken Bastionen - machen Sie sich Sorgen um die Landes-SPÖ, wo ja bereits 2018 gewählt wird?
BERNHARD AUINGER:
Ich bin grundsätzlich nicht unerfreut, dass die Wahltermine jetzt ein Jahr getrennt voneinander stattfinden. Walter Steidl hat die SPÖ damals unter sehr schwierigen Bedingungen übernommen und hat einen guten Start hingelegt. Bei der Kanzler-Frage rund um Werner Faymann hat Steidl einen klaren Standpunkt vertreten und das hat ihm viel Aufwind in der Landespartei gegeben. Der positive Effekt mit dem neuen Kanzler Christian Kern hat für zusätzlichen Rückenwind gesorgt, er spricht als Sozialdemokrat auch Tabu-Themen an und nennt die Probleme beim Namen, das sorgt für Vertrauen. In der Landes-SPÖ gibt es viele junge, hungrige Köpfe, da ist viel Potenzial da.

Mit der Initiative "Frisch gekocht an Salzburgs Schulen" will die Landes-SPÖ in den nächsten 15 Jahren die Schulen mit einer eigenen Schulküche ausstatten. Wollen Sie dieses Thema in der Stadt auch forcieren und alle städtischen Schulen damit versehen?
BERNHARD AUINGER:
Beim Bildungscampus Gnigl wird eine eigene Küche integriert werden, auch bei den anderen Schulen, die wir sanieren, wird das sicher Thema sein. Mir schwebt aber auch vor, an drei bis vier Standorten in der Stadt diese Küchen zu integrieren und von dort aus die Schulen in den umliegenden Stadtteilen zu beliefern.
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