14.07.2016, 14:26 Uhr

Großteil der Handelsangestellten gegen Sonntagsöffnung

Die GPA-djp präsentierte kürzlich ihre Ergebnisse einer landesweiten Umfrage zu Sonntagsöffnungszeiten. (Foto: Franz Neumayr)

Die GPA-djp präsentierte die Ergebnisse einer breiten Umfrage zur Sonntagsöffnung.

SALZBURG (ck). Für großen Wirbel sorgte der 27. Dezember 2015, als mehrere ADEG-Märkte im Bundesland Salzburg am Sonntag geöffnet hatten. Durch den Aufschrei der breiten Front der "Allianz für den freien Sonntag" rückte dieses bereits längere Zeit aufköchelnde Thema in den Fokus von Medien und Öffentlichkeit. Die GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten - Druck - Journalismus - Papier) befragte nun 16.000 Handelsangestellte in Salzburg zur Sonntagsöffnung im Handel.

Große Mehrheit gegen Sonntagsöffnung

Von den befragten Personen lehnen 95 Prozent eine Sonntagsöffnung aller Handelsgeschäfte komplett ab. Ein Prozent vertritt keine Meinung dazu, vier Prozent sehen die Öffnung positiv. Wertet man nur die Stimmen jener, die selbst am Sonntag beschäftigt sind, lehnen immerhin noch 86 Prozent dieses Vorgehen klar ab. Von den Handelsangestellten, welche nicht davon betroffen sind, lehnen sogar 97 Prozent die Öffnung am Sonntag ab. "Das von den Betrieben immer wieder vorgebrachte Argument, dass die Beschäftigten ja am Sonntag arbeiten wollen, haben wir hiermit klar widerlegt", sagt Gerald Forcher, Regionalgeschäftsführer der GPA-djp Salzburg.

Über zehn Prozent sind betroffen

Laut Umfrageergebnisse sind elf Prozent aller Handelsangestellten im Bundesland Salzburg von der Sonntagsöffnung betroffen. Davon haben 40 Prozent kein Mitspracherecht bei ihrer Einteilung. 91 Prozent der am Sonntag arbeitenden Personen erhalten Zuschläge in Zeit oder Geld, wobei neun Prozent jedoch keinerlei Zuschläge bekommen. Ein von den Betrieben illegales Vorgehen, da ein Zuschlag von 100 Prozent kollektivvertraglich geregelt ist. Bei 14 Prozent der Personen, welche Zuschläge erhalten, fällt jener niedriger aus, als er es sollte.

Familie geht vor

Von den befragten Personen gaben 75 Prozent an, nicht gerne am Sonntag zu arbeiten. Begründet wurde dies von 86 Prozent mit der Familie, von zwei Prozent mit dem Kirchgang sowie von zwölf Prozent mit mehr Freizeit. Bei 67 Prozent leidet überdies die Familie bereits unter der Sonntagsarbeit. Für 74 Prozent ist die Sonntagsöffnung ein Grund den Job zu wechseln, wobei selbst ein Zuschlag von 100 Prozent für 89 Prozent nichts am Jobwechsel ändern würde.

Kein Umsatzplus und nicht mehr Arbeitsplätze

55 Prozent der Beschäftigten sind der Ansicht, dass eine solche Öffnung keine Steigerung des Umsatzes bringen, sondern der Umsatz lediglich anders verteilt würde. Weiters sind 87 Prozent der Ansicht, dass die Sonntagsöffnung keine neuen Arbeitsplätze schafft. Von den Arbeitenden im Lebensmittelhandel, welche selbst betroffen sind, negieren 78 Prozent eine Umsatzsteigerung.
"Viele der Betriebe die am Sonntag öffneten, tun es inzwischen nicht mehr. Sobald einer beginnt, kommt es zu einem Dominoeffekt und alle öffnen. Die zusätzlichen Kosten rentieren sich für die Betriebe dann nicht mehr, da sich der Umsatz nur zeitlich anders verteilt, jedoch nicht merklich erhöht", so Forcher.
"Gerade der Salzburger Hauptbahnhof ist ein gutes Beispiel, dass keine weiteren dauerhaften Arbeitsplätze geschaffen werden. Immer wieder hören wir, dass es nur zu Mehrarbeit kommt, die Geringfügigkeit steigt und die enorme Fluktuation beim Personal dafür sorgt, dass man die meisten der Kollegen nicht ein Mal mehr kennt", sagt Michael Huber, Handelssekretär der GPA-djp Salzburg.

Umfassende Unterschiede bei den Bezirken

Das Gros der von der Sonntagsöffnung Betroffenen befindet sich in den Haupt-Tourismusgebieten Pinzgau und Pongau. Im Pinzgau müssen 32 Prozent am Sonntag arbeiten, im Pongau 28 Prozent, 15 Prozent in der Stadt Salzburg, 12 Prozent im Flachgau, acht Prozent im Lungau und 5 Prozent im Flachgau. Die Sinnhaftigkeit vereinen im Pinzgau 65 Prozent, im Pongau sogar 75 Prozent.

Positionierung von Gewerkschaft und AK

Für 94 Prozent der Befragten ist es klar, dass die Gewerkschaft sich gegen die Sonntagsöffnung positionieren muss. Immerhin ganze 85 Prozent sind für eine Ausweitung der Aktivitäten für den freien Sonntag. Ein erster Erfolg für Forcher ist beispielsweise, dass Angestellte von Tankstellen mit Shops von Spar oder Billa, welche auch am Sonntag arbeiten, nun nach dem KV der Handelsangestellten bezahlt werden müssen, wodurch ihr Bruttogehalt spätestens ab 2017 von aktuellen 1000 Euro Brutto auf 1500 Euro Brutto steigen wird. "Die Kaufkraft, also die Löhne, müssen gesteigert werden. Dann kann auch mehr konsumiert werden. Längere Öffnungszeiten bringen nichts. Außerdem hängt die Arbeitszeit auch mit der Würde der Menschen zusammen. Aktuell sind wir an der Grenze, was die Öffnungszeiten betrifft. Noch mehr benötigen wir nicht", kommentiert AK-Präsident Siegfried Pichler.

Kompromisse finden?

"Wir stellen uns ja nicht gegen Veränderungen. Sollte besonderes Interesse vorliegen, so lässt sich eine sozialpartnerschaftliche Übereinkunft finden, was Öffnungszeiten an Feiertagen und Sonntagen betrifft. Auch beim Fall ADEG hätte man, wenn man mit uns gesprochen hätte, eine Lösung finden können", erklärt Forcher. Erinnern sollte man sich hier jedoch an die im Februar 2014 von Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler unterzeichnete neue Öffnungszeitenverordnung. Zuvor hatte sich die Gewerkschaft mehrfach über nicht eingehaltene Sonntagsöffnungszeiten echauffiert, woraufhin das Land Salzburg - ohne die Sozialpartner - die Öffnungszeiten einfach an die Gegebenheiten anpasste und die Übertretungen somit legalisierte. Eine sozialpartnerschaftliche Übereinkunft wird bei solchem Vorgehen zur Farce. Offen bleibt übrigens, wie man bei diesen Sonderregelungen auf den ja zu erwartenden Domino-Effekt reagieren will.
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