08.03.2016, 08:38 Uhr

"Ich war nie das brave Dirndl"

Ingrid Rachbauer-Mamoser

Ingrid Rachbauer-Mamoser fuhr mit 15 ihre ersten Meter im Lkw und übernahm mit 22 Rachbauer Kran.

In der Firmengeschichte von Rachbauer-Kran steht, dass Sie und Ihre drei Brüder zwischen Werkstätte und Beifahrersitz aufwuchsen. Wie darf man sich das vorstellen?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER:
Samstags durften wir unserem Vater beim Schmieren des Lkw helfen. Und mit 14 oder 15 Jahren bin ich das erste Mal ein paar Meter mit dem Lkw gefahren und durfte den Kran steuern.

War es für Sie klar, dass Sie einmal einen Teil der Firma Ihres Vaters übernehmen würden?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER: Nein. Ich wollte zwar immer schon Lkw-Mechanikerin werden, wurde dann auf Anraten meines Vaters aber Speditionskauffrau. Ich war glücklich als Angestellte bei einer Spedition. Dann, da war ich 22 Jahre alt, wollte mein Vater, dass ich zurückkomme und die Geschäftsführung für Rachbauer Kräne übernehme. Ich wollte erst nicht, aber er war sehr geschickt: Er hat mir für etwa ein Jahr eine Teilzeitstelle angeboten und mich sehr gut bezahlt. Und so bin ich dann hineingewachsen. Und ich war bereit, Verantwortung zu übernehmen.

In die Welt der Ladekräne, Baukräne und Zusatzgelenke sind Sie erst hineingewachsen?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER: Ich hatte den Vorteil, dass ich immer sehr gut organisiert war. Und ich habe natürlich den C- und E-Führerschein und bin eine Zeit lang Lkw gefahren. Mein fachliches Wissen über Kräne habe ich mir bei der Konzeption unseres Fuhrparks angeeignet. Wir haben ja keine Fahrzeuge von der Stange, jedes ist einzeln nach unseren Wünschen maßgefertigt.

Was hindert Frauen im Gegensatz zu Männern oft daran, ganz an die Spitze zu kommen?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER: Manche Frauen trauen es sich nicht zu, und wenn man Familie und Kinder hat, dann wird es schwierig mit einem 60-Wochenstunden-Job. Ich selbst habe bis zwei Tage vor der Geburt meines ersten Kindes und dann eine Woche danach Vollzeit gearbeitet – bis meine Tochter fünf und mein Sohn drei Jahre alt waren. Dann habe ich mein Arbeitspensum in kleinen Schritten reduziert. Jetzt bin ich an drei Tagen nachmittags bei den Kindern und sehr glücklich darüber.

Können Frauen beides haben: einen Top-Job und Familie?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER: Es ist machbar, aber es ist ein Prozess, den man innerlich mit sich selbst führt. Er heißt: Zeit gegen Geld. Und wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich es wieder so machen würde: Ja!

Sie sind Marktführer bei Schwerlastkränen, waren die ersten mit einem Mobilbaukran: Wie funktioniert der Innovationsprozess bei Rachbauer-Kran?
Meine Brüder und ich sammeln regelmäßig neue Ideen. Wir wollen immer bei den ersten dabei sein. Und das ist auch das Spannende an meinem Beruf, dass wir uns immer wieder neu beweisen können.

Womit zum Beispiel?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER: Vielleicht mit einem Raupenkran für den Glasmontagebereich oder mit einem großen Kran, den wir 50 Meter weit ausladen können. Derzeit schaffen wir 40 bis 42 Meter, am Bau ist aber jeder zusätzliche Meter gefragt.

Sie werden Ihren Fuhrpark in einem Monat wieder vergrößern, wird ihre Firma weiterhin wachsen?
INGRID RACHBAUER-MAMOSER: Ja, wir haben wieder ein neues Kran-Fahrzeug konzipiert, welches in etwa einem Monat in Betrieb geht. Außerdem haben wir hier in Siezenheim zu unseren 4.000 Quadratmetern jetzt noch 3.000 dazu genommen, weil wir mehr Platz brauchen. Die weitere Überlegung ist neben unserem bestehenden Dispo-Büro in Siezenheim noch einen weiteren Büro-Standort zu bauen, möglicherweise wird dies ein Holzbau werden.

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