07.04.2016, 08:00 Uhr

Gasthaussterben im Salzkammergut: Den Wirten fehlen die Nachfolger

Die Traunseewirte setzen auf einen gemeinsamen Auftritt und feiern am Freitag ihren Ball. (Foto: K. Fellner)

Viele Wirtshäuser im Bezirk müssen zusperren, weil sie keinen finden, der den Betrieb übernehmen will.

BEZIRK (km, pg). Dazu zählen auch zwei Traditionsbetriebe aus Bad Ischl: Die Rettenbachmühle schließt im Oktober endgültig ihre Pforten. Auch der Grabnerwirt wird wenig später – im April 2017 – sein letztes Gericht servieren. Grund sei bei beiden Betrieben das Alter der Wirtsleute und die Tatsache, dass aufgrund der wirtschaftlichen Situation nur schwer ein Nachfolger gefunden werden kann. „Die ganzen Verordnungen machen einem das Leben als Wirt nicht gerade leicht“, so Johann Grabner, der auf eine fast 200-jährige Wirtshauskultur zurückblicken kann. "Das generelle Rauchverbot 2017 vertreibt einem noch zusätzlich die Stammkundschaft, da nehme ich lieber meinen Hut und verabschiede mich in die Pension."

Traditionsbetriebe schließen, Caterer kommen

"In den letzten beiden Jahren ist auffällig, dass viele alteingesessene Traditionsgasthäuser die Türen schließen oder sich mit dem Gedanken tragen, ihren Betrieb gänzlich aufzulösen", erkennt Robert Oberfrank, Leiter der WKO Gmunden, diesen negativen Trend. Das wesentliche Thema sei dabei die mangelnde Nachfolge, da die Tätigkeit in der Gastronomie sehr zeit- und arbeitsintensiv sei und es zunehmend schwieriger werde, Erträge aus diesen Traditionsbetrieben zu erwirtschaften. Die Anzahl der Wirte im Salzkammergut ändert sich zwar nur marginal, dies ist aber auch auf die Veränderung der Betriebsformen zurück zu führen. "So sind heute Cateringunternehmen am Markt, die es in dieser Form bisher nicht gab", so Oberfrank. Ungünstige Rahmenbedingungen wie Steuerbelastung, Sozialversicherungsabgaben, ständige Kontrollen sowie fehlende Mitarbeiter tun ihr übriges. "Mitunter ist auch zu bedenken, dass in den letzten Jahren viele Vereinslokale bei Feuerwehren, Musikkapellen oder Sportvereinen mit öffentlichen Förderungen entstanden sind. Da kann ein Wirt nicht mehr mithalten, wenn in diesen Lokalen alle möglichen Privatfeiern organisiert werden. Die Wirte alleine bei Taufen, Hochzeiten oder Begräbnissen zu besuchen, reicht für den weiteren Bestand der gastronomischen Strukturen nicht aus!"

"Gemeinsam ist man stärker"

Um nach außen hin einen stärkeren Auftritt zu gewährleisten, haben sich viele Wirte im Bezirk zu Wirtevereinigungen zusammen geschlossen. So gibt es die "Traunseewirte", die am Freitag ihren Frühlingsball feiern, im Almtal wurde "Schmecktakuläres Almtal" gegründet, dazu gibt es die Salzkammergut Fischrestaurants. "Zusätzlich zu einem gemeinsamen Werbebudget stellen wir auch ein großes Netzwerk zur Verfügung", so Heide Kühnel, Obmann-Stellvertreterin. Neben wirtschaftlichen Problemen, sehen sich die Betriebe Kühnel zufolge auch den zahllosen Verordnungen und neuen Trends, wie "Homing", also Freunde einladen und zuhause aufkochen, gegenüber.
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