08.06.2016, 18:37 Uhr

Grundsatztreue und Gewissen in Russland hoch geschätzt

Bernhard Rammerstorfer mit Filmpreis des „European International Film Festival 2016“ in St. Petersburg, Russland (Foto: Bernhard Rammerstorfer)
Sankt Wolfgang im Salzkammergut: Weinbach | Am 4. Juni 2016 wurde der Dokumentarfilm „LADDER in the LIONS’ DEN“ (Deutsch „LEITER in der LÖWENGRUBE“) des österreichischen Autors und Filmemachers Bernhard Rammerstorfer und seinem US-Co-Produzenten A. Ferenc Gutai unter 432 Einreichungen aus 60 Ländern beim „European International Film Festival 2016“ in St. Petersburg, Russland mit dem „Special Jury Mention“-Award ausgezeichnet. Das ist mittlerweile die 12. internationale Auszeichnung für den Film seit der Premiere in den USA.

"Dieser Film wurde von der Jury ausgezeichnet, weil die Geschichte eines realen Mannes viel ausdrucksstärker ist als die fiktiven Geschichten in den Spielfilmen der offiziellen Vorauswahl. Dieser Streifen verbindet dokumentarische Elemente und nachgestellte Szenen historischer Ereignisse auf sehr professionelle Weise. Das Allerwichtigste ist, dass dieser Film Menschen inspiriert, für ihre Prinzipien einzustehen. Das ist besonders heutzutage ein sehr aktuelles Thema. Zudem hat dieser Film einen historischen Wert, denn er berichtet über die wenig bekannten Seiten des Zweiten Weltkrieges," so die Begründung der Jury.

Im November 2012 fand bei großem Besucherandrang (eine Woche lang ausverkauftes Kino) in Los Angeles die Weltpremiere des Films, der die Lebensgeschichte des ältesten Buchenwald-Überlebenden Leopold Engleitner (1905-2013) schildert, statt. Leopold Engleitner war dazu noch im hohen Alter von 107 Jahren angereist und 200 Medien berichteten weltweit. Seit der Premiere von „LADDER in the LIONS’ DEN“ erhielt der Film bereits 12 internationale Auszeichnungen bei Filmfestivals in den USA und Europa.
Die Sprachaufnahmen wurden vom international renommierten Sprecher (ARD, ZDF, 3sat), Texter und Regisseur Gordon Piedesack (www.piedesack.de) aus Rüsselsheim, Deutschland, produziert.

Nachdem Rammerstorfers Bücher „Ungebrochener Wille“ und „Im Zeugenstand“ bereits 2009 und 2013 in Moskau publiziert wurden und er sein neuestes weltweit einzigartiges Holocaust-Projekt „Taking The Stand“ im Oktober 2015 an den US-Eliteunis Harvard und Stanford präsentierte, ist dieser Filmpreis in Russland ein weiterer Meilenstein in der internationalen Anerkennung für den Autor und Filmemacher in seinem Bemühen zu einer objektiven Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen beizutragen.

Der Film schildert die außergewöhnliche Lebensgeschichte des ehemals ältesten Überlebenden der KZ Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück Leopold Engleitner (1905-2013), der als Zeuge Jehovas und Wehrdienstverweigerer den Nazis die Stirn geboten hatte und sich nicht zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht zwingen ließ.

Abgemagert auf 28 Kilogramm wurde er 1943 aus dem KZ mit der Verpflichtung zur lebenslangen Zwangsarbeit in der Landwirtschaft entlassen, bevor er kurz vor Kriegsende der Einberufung zur Deutschen Wehrmacht mit einer abenteuerlichen Flucht ins Gebirge entkam.

Im Alter von knapp 100 Jahren begann er mit Bernhard Rammerstorfer eine „Reise gegen das Vergessen“ und reiste über 150.000 Kilometer, um an Schulen und Universitäten in den USA und Europa sowie Russland der jungen Generation die Bedeutung von Toleranz und Frieden zu lehren.

Inhaltsangabe und Daten zum Film

Warum weigert sich ein Mann, der im KZ dem Tod ins Auge blickt, ein Dokument zu unterzeichnen, das ihm seine Freiheit ermöglichen würde?

Leopold Engleitner wurde als Zeuge Jehovas vor die Wahl zwischen Leben und Tod gestellt, entweder seinen Glauben aufzugeben und frei zu sein oder weiter im KZ dem Tod ins Auge zu blicken. Er fand aber den außerordentlichen Mut, zu seinem Glauben und seinem Gewissen zu stehen.

In „LEITER in der LÖWENGRUBE“ erzählt Leopold Engleitner seine Erinnerungen an historisch bedeutende Epochen des letzten Jahrhunderts, wie der Kaiserzeit, an den Ersten Weltkrieg, Austrofaschismus, Zweiten Weltkrieg, Nationalsozialismus und seine Leiden in drei Konzentrationslagern.

Engleitner ist in seiner Heimat zu sehen, bei seiner Rückkehr an Originalschauplätze in KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Niederhagen bei Paderborn und bei Vorträgen als Zeitzeuge gegen das Vergessen in Europa und den USA.

Darüber hinaus werden die wichtigsten Passagen seines Lebens durch Re-enactments filmisch dargestellt. Der Sprecher vermittelt zu Engleitners Schilderungen die historischen Kontexte, die durch Archivfilmmaterial belegt werden.

Gleichzeitig nehmen andere Holocaust-Überlebende, wie z.B. Adolf Burger, „Fälscher im KZ Sachsenhausen“, und Renée Firestone, eine jüdische Auschwitz-Überlebende, Hermine Liska und Richard Rudolph Stellung.

Es kommt auch Gottlieb Bernhardt, ein ehemaliger hochrangiger SS-Obersturmführer und Mitglied der Leibstandarte-SS Adolf Hitler, zu Wort, der kurz vor Kriegsende den Befehl zur Liquidierung von KZ-Häftlingen verweigerte und für diesen Film ein seltenes Fernsehinterview gegeben hat.

Neben den Erinnerungen Engleitners wird die Bedeutung von Grundsatztreue und Gewissensbildung thematisiert. Hätte es im März 1994 nicht die zufällige Begegnung mit Bernhard Rammerstorfer gegeben, wäre die Geschichte Leopold Engleitners für immer in Vergessenheit geraten.

BUCH und DVD-INFORMATIONEN:
Informationen zu den bisher von Rammerstorfer veröffentlichten Werken zum Holocaust (Buch „Ungebrochener Wille“, DVD „Nein statt Ja und Amen, sowie Buch und DVD „Im Zeugenstand“) auf: www.rammerstorfer.cc
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