06.07.2016, 10:11 Uhr

Hallstatt feiert 50 Jahre Ortsumfahrung

Eröffnung - Foto Gemeinde Archiv
Vor genau 50 Jahren, am 23. Juli 1966 wurden die neu erbauten Straßentunnels dem Verkehr übergeben. Landeshauptmann DDR. Heinrich Gleißner bei der Eröffnung: „Mit der Beendigung der Arbeiten an der Umfahrung Hallstatt, die sich nunmehr durch ein modernes, allen technischen Anforderungen entsprechendes Tunnelsystem repräsentiert, wurde ein Werk vollendet, das uns heute mit Stolz und aufrichtiger Freude erfüllt“. In der Hallstätter Gemeindechronik ist u.a. vermerkt: „Leider war am Tag der Eröffnung sehr schlechtes Wetter und die Feier musste im Tunnel abgehalten werden“ Das Bauprojekt hat aber eine lange, unrühmliche Vorgeschichte. Die Landesstraße durch Hallstatt war bis dahin ausschließlich mit PKW´s und nur mithilfe einer zeitaufwendigen Einbahnregelung auf einer einspurigen schmalen Straße möglich. Bereits im Jahre 1930 wurde in einer Volksabstimmung in Hallstatt der Autoverkehr durch den Ort abgelehnt. 1931 ist von den Gemeindevertretern der Bau eines Parkplatzes beschlossen und 1933 wurde der Tag und Nacht bewachte „Autopark“ eröffnet. 1934 befasste man sich zum ersten Mal im OÖ. Landtag mit dem Verkehrsproblem in Hallstatt, jedoch die notwendigen Geldmittel standen nicht zur Verfügung. 1935 wurde mit dem Bau der Dachsteineishöhlenstraße nach Obertraun begonnen und im Jahre 1951 ging die erste und 1956 die zweite Teilstrecke der Dachsteinseilbahn in Betrieb. Am 19.10.1957 befasste sich der OÖ. Landtag wieder mit dem Verkehrsproblem und bewilligte am 18.12.1958 die Geldmittel für das Sapp-Projekt, welches auch von Baureferenten Dr. Erwin Wenzel angestrebt wurde. Das Projekt, nach dem Verfasser W. Hofrat Dipl. Ing. Franz Sapp benannt, war in Anbetracht der vorerst in Aussicht gestellten Geldmittel eine Lösungsmöglichkeit und sah eine Führung der Straße am Seeufer und einen 330 Meter langen Tunnel hinter dem Ortsteil „Im Römischen“ vor. Das vom Projektanten sehr engagiert vorgetragene Projekt fand im Allgemeinen die Zustimmung der Vertreter der Saline, der Bundesforste, des Fremdenverkehrsverbandes, der Gastwirte sogar Landeskonservator Dr. Wibiral stellte fest, dass die Straße kein denkmalgeschütztes Objekt berühren wird. Nachdem die erste Euphorie nach der Grundsatzbesprechung im Jänner verflogen war und eine realistische Einschätzung der Situation Platz gegriffen hatte, mehrten sich die mahnenden Stimmen und Regierungsrat Dr. Friedrich Morton, Kustos des Hallstätter Museums wurde zu einem der heftigsten Kritiker des "Sapp-Projektes".
In Hallstatt gab es am 14.12.1958 eine Volksbefragung und 733 Hallstätter und Hallstätterinnen beteiligten sich an diesem Urnengang. 58% der Bevölkerung (422) stimmten dagegen und 42 % (311) dafür. Trotzdem entschieden sich 1960 die Gemeindevertreter in Hallstatt mit Mehrheit für das umstrittene Projekt. Daraufhin wurde 1961 mit dem Abriss des Hotel Kainz begonnen. Da letztendlich kein Geologe oder Bautechniker die Verantwortung für die sehr schwierig zu fundamentierende Seeuferstraße übernahm, waren die Verantwortlichen von der Undurchführbarkeit des Projekts dann doch überzeugt und das Sapp-Projekt scheiterte 1963. Am 18.04.1964 begann der Bau einer Ortsumfahrung mit zwei Straßentunnels und der Parkterrasse. 1965 gelang erfolgreich der Tunneldurchschlag und am 23. Juli 1966 wurde die Ortsumfahrung offiziell dem Verkehr übergeben. Es hat lange gedauert, aber der Weitblick der damals Verantwortlichen brachte für die Bevölkerung und Gäste bis heute eine gute, akzeptable Lösung.

Bürgermeister Alexander Scheutz zur Situation in Hallstatt: „Das Tunnelprojekt stellte damals das größte Straßenbauprojekt Österreichs dar und sollte in drei bis vier Jahren verwirklicht werden. Erwin Wenzl, der spätere Landeshauptmann von OÖ und damaliger Landesstraßenreferent bezeichnete Jahrzehnte später, im Rückblick auf seine politische Tätigkeit, das Projekt in Hallstatt als sehr schwierig, emotional belastend und als eine seiner größten Herausforderungen. Für seine Bemühungen, dass es zur Umsetzung der von der Bevölkerung bevorzugten Ortsumfahrung kam, wurde er vom Gemeinderat zum Ehrenbürger unserer Marktgemeinde ernannt. Heute sind wir sehr stolz, dass die Tunnellösung umgesetzt und so unser beeindruckendes Ortsbild erhalten wurde. Es waren die Hallstätterinnen und Hallstätter, die in ihrer Vorgangsweise zwar nicht immer einer Meinung waren, aber letztendlich doch so sehr auf ihren Ort geachtet haben, dass dieser 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde.


Chronologie Straßentunnel Hallstatt
1930 In einer Volksabstimmung wurde der Autoverkehr durch den Ort abgelehnt.
1931 Der Bau eines Autoparkplatzes wurde beschlossen.
1933 Der Autoparkplatz wurde in Betrieb genommen.
1934 OÖ. Landtag befasst sich mit dem Verkehrsproblem in Hallstatt.
1935 Beginn des Baues der Dachsteineishöhlenstraße
1951 Die Dachsteinseilbahn ging in Betrieb.
19571019 OÖ. Landtag befasst sich wieder mit dem Verkehrsproblem.
19581214 Volksbefragung in Hallstatt.
19581218 OÖ. Landtag bewilligt Geldmittel für das Sapp-Projekt
1960 Gemeindevertreter beschlossen umstrittenes Sapp-Projekt
1961 Abriss Hotel Kainz
1963 Sapp-Projekt gescheitert
19640418 Baubeginn der Ortsumfahrung mit zwei Straßentunnels
1965 Tunneldurchschlag
19660723 Ortsumfahrung wird offiziell dem Verkehr übergeben.
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