08.08.2016, 12:38 Uhr

Klettern am Traunstein wird reglementiert

(Foto: Walter Perathoner)

Übereinkommen zum Naturschutz abgeschlossen – Brutgebiet seltener Vögel ist tabu – erstes Reglement dieser Art in Oberösterreich

GMUNDEN. Der „Wächter des Salzkammergutes“ kann nicht nur über drei markierte Anstiegswege erklommen, sondern auch über zahlreiche leichte, mittelschwere und schwierigste Routen erklettert werden. Dem zunehmenden „Wildwuchs“ an neuen Kletterrouten, deren Routenführungen sich via Internet und „Social Media“ relativ schnell ausbreiten, soll nun durch ein freiwillig zustande gekommenes Übereinkommen und durch entsprechende Kommunikation in der Kletterszene Einhalt geboten werden.
Seit jeher zieht der Traunstein Menschen aus Nah und Fern in seinen Bann und seine Besteigung ist für alle ein Erlebnis der besonderen Art. Der Elite seiner Bezwinger waren die markierten Anstiegswege bald keine Herausforderung mehr und sie wagten sich mehr und mehr in die Vertikalen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden deshalb auf allen Seiten des Berges neue und ungezählte Kletterrouten erschlossen, darunter die Klassiker wie Hochkamp, Zierler, Pauli-Kamine, Südwestgrat, Traunkirchner- und Fahnenkogelpfeiler sowie die Traunstein-Westwand. Neue Routen, wie etwa die schwierige „Kaffe & Kuchen“ durch die Westwand ziehen mittlerweile auch schon viele Klettertouristen aus dem Ausland an.
Insgesamt existieren auf dem Gmundner Hausberg 267 bekannte Routen. Nur fünf von ihnen – eine auf den Katzenstein, die Auslöserin des Reglements, zwei auf den Schifferstein/Sulzkogel und zwei durch die Brandkogel-Westwand – müssen jetzt wieder demontiert werden. Die Errichter, die allesamt bekannt sind, werden das auf eigene Kosten tun.
Die Feststellung des Traunsteins als Naturschutzgebiet wurde erstmals 1963 verordnet und 2000 beziehungsweise 2013 wurden die Grenzen neu festgelegt. In letzter Zeit hat das Erschließen neuer Kletterrouten aber beängstigende Formen angenommen, so Revierleiter Stefan Mößler vom Grundeigentümer Österreichische Bundesforste. Diese sind die größten Naturraumbewirtschafter Österreichs, die Erhaltung des Naturerbes hat daher eine besondere Bedeutung. Mit dem Naturraummanagement werden ökologisch wertvolle Flächen erhalten, geschützt, nachhaltig genützt und weiter entwickelt. Die Naturschutzbehörde, vom Amt der OÖ Landesregierung und ein sachverständiger Vogelkundler (Ornithologe) griffen das Thema „Klettern und Naturschutzgebiet“ ebenfalls auf und baten unter der Federführung von Gmundens Vizebürgermeister Wolfgang Schlair zu einer Gesprächsrunde. Teilnehmer aus Vertretern von Alpenverein, Naturfreunde, Naturschutz und Bundesforsten haben nach mehreren Gesprächsrunden ein Übereinkommen geschlossen, in welchem die Interessen zwischen ökologisch wertvollem Naturraum und dem gesellschaftlichen Bedarf an Klettergebieten Rechnung getragen wird.
Diesbezüglich wurden die sensibelsten ornithologischen Gebiete (Katzenstein und Brandkogel) aus der Benützung für Kletterer herausgenommen, andere Bereiche im Gegenzug legalisiert. Auch wurde vereinbart, dass unter Berücksichtigung anderer Naturnutzer der Naturfreundesteig als südliche Grenze des Klettergebietes vereinbart wurde. Übersichtstafeln im Bereich der Klettergebiete, auf den Homepages der alpinen Vereine, der Gemeinde und des Tourismus werden zusätzlich Aufklärung über die Gebiete geben.
Grundsätzlich sei festgehalten, so Vizebürgermeister Wolfgang Schlair, dass die bestehenden Kletterrouten im Naturschutzgebiet Traunstein weiterhin genutzt werden können. Das Übereinkommen sieht jedoch vor, dass in bestimmten Bereichen des Traunsteins (Katzenstein und Brandkogel) künftig das Klettern unterlassen werden soll und es dort auch keine Neuerschließung mit Kletterrouten mehr geben wird. Generell wird die Errichtung neuer Routen möglich bleiben, allerdings muss, wenn Haken und andere Kletterhilfsmittel im Fels verbleiben, beim Grundeigentümer Bundesforste und bei der Naturschutzbehörde um eine Genehmigung angesucht werden.
Das Übereinkommen ist die Summe aller Wünsche, Einwände und Vorschläge aller Betroffenen und Interessierten, wie künftig der ständig zunehmende Klettersport im Naturschutzgebiet Traunstein funktionieren soll, so Vizebürgermeister Wolfgang Schlair. Durch eine entsprechende Kommunikation und Publikation wie etwas in Kletter-Foren im Web oder in Kletterhallen soll die neue Gegebenheit und künftige Vorgehensweise in der Szene der Kletterer verbreitet werden.
Die Traunstein-Kletterverordnung ist die erste ihrer Art in Oberösterreich. Sie sollte auf anderen, stark frequentierten Bergen wie Dachstein oder Katrin Schule machen, wünscht sich Michael Brands von der Naturschutzabteilung des Landes OÖ.
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