08.09.2016, 06:30 Uhr

Hallstatt: Debatte über Massentourismus

An den Hotspots in Hallstatt tummeln sich immer viele Touristen. (Foto: Franz Frühauf)

Bürgerliste sieht Verkehrsbelastung als bedenklich – Bürgermeister will Lösungsgespräche.

HALLSTATT. Sachlich und trotzdem emotional – so beschreiben viele Teilnehmer der Diskussionsrunde "Verkehrslawine Stop" den gemeinsamen Informationsabend in Hallstatt. Initiiert wurde das Gespräch von Siegrid Brader und Fritz Idam, beide von der Bürgerliste "Bürger für Hallstatt". Man sprach über die Verkehrsbelastung, die großen Menschenmassen und diskutierte Lösungsansätze. "Die Probleme sind nicht von der Hand zu weisen", ist sich Brader sicher. Ihren Angaben zufolge würden täglich zwischen 40 und 80 Busse nach Hallstatt kommen. "Rechnet man mit 50-Sitzern und Touristen, die per Pkw, Bahn oder Schiff kommen, sind in Spitzenzeiten bis zu 7.000 Gäste in Hallstatt." Somit würden auf einen Hallstätter rund zehn Touristen kommen. Bürgermeister Alexander Scheutz kann die Aufregung nicht wirklich nachvollziehen: "Die Diskussion wegen zu vieler Touristen haben wir jedes Jahr. Natürlich kommt man an Spitzentagen auch an seine Belastungsgrenze, aber Fakt ist: Wir brauchen den Tourismus." Eine Obergrenze festzulegen, würde dem Ort nur schaden. Dem pflichtet auch Monika Wenger, Wirteobfrau der Hallstätter, bei: "Eine Reduktion der Touristen wäre nicht richtig. Was es braucht, ist eine bessere Kanalisierung." Von Massentourismus kann man laut Pamela Binder, Geschäftsführerin des Dachstein-Salzkammergut-Tourismus, nicht sprechen. Die touristische Situation sei sogar sehr zufriedenstellend: "Die Nächtigungszahlen sind sowohl im Winter als auch im Sommer gestiegen – auch viele asiatische Gäste bleiben oftmals mehrere Tage."

"Mit Oropax am Balkon"

Dass der touristische Andrang für manche Hallstätter nicht einfach ist, weiß Maria Unterberger. "Unser Haus hat eine Top-Lage mit Seeblick und ist sehr zentrumsnahe", so die Pensionistin, die direkt nach der Tunnelausfahrt beim Terminal wohnt. "Aber der Verkehr ist zu Stoßzeiten unerträglich." Zum einen sei da der Lärm, zum anderen die Belastung durch Schadstoffe. "Wenn wir am Balkon sitzen, dann oft mit Oropax", so Unterberger, "denn unterhalten kann man sich sowieso nicht mehr."

Problemlösung im Herbst

"Dass es gewisse Probleme gibt, ist unbestritten. Wir sehen dieses Verbesserungspotential und werden gemeinsam im Gemeinderat und in Ausschüssen nach Lösungen suchen", so Scheutz. Im Falle einer konstruktiven Gesprächsbasis sollen auch die Bürgerliste und sogar Obertraun als Nachbarort eingebunden werden. Vorschläge sind schon vorhanden: Eine Obergrenze für Busse, eine eigene Buchungszentrale zur Parkplatzvergabe, ein Parkleitsystem und eine Security, die den Verkehr regelt und Verstöße entsprechend ahndet.

Ihre Meinung

Genüsslich im eigenen Garten den lauen Sommerabend genießen, doch plötzlich kommt ein Wildfremder beim Gartentor herein und setzt sich dazu. Oder: Ein Tourist läutet an der Haustür und fragt, ob er einmal kurz die Toilette benutzen kann. Immer wieder kommt es zu unfassbaren und lustigen Begegnungen mit Touristen. Vor allem bei Einheimischen, die nahe an Touristen-Hotspots leben. Wenn Sie auch bereits einmal eine solche hatten, schreiben Sie uns an:
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BezirksRundschau Salzkammergut, Georgstraße 6/1, 4810 Gmunden.
Die BezirksRundschau behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken. Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Mehr Leserbriefe und Diskussionsbeiträge finden Sie auf: meinbezirk.at/salzkammergut

Fotos: Franz Frühauf
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Leopold Kleedorfer aus Weiz | 09.09.2016 | 08:04   Melden
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