19.07.2016, 11:47 Uhr

Aktive Arbeitsmarktpolitik für den Bezirk Gmunden

(Foto: Privat)
BEZIRK. „Die Arbeitsmarktsituation im Bezirk Gmunden zeigt grundsätzlich ein positives Bild. Mit einem Beschäftigungsrekord von 41.453 Arbeitnehmern im Mai 2016 hat die Beschäftigung um 388 Personen gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Im Mai 2011 betrug die Zahl beispielsweise 39.803 und im Mai 2008 39.384. Mit 4,1 Prozent Arbeitslosenquote liegt Gmunden um einiges besser, als das Bundesland Oberösterreich mit 5,3 Prozent Arbeitslosenquote. Verglichen mit dem Vorjahr stieg die Quote im Bezirk Gmunden um 0,2 Prozent, das sind um 110 Personen mehr, als im Juni 2015. Insgesamt sind im Juni 1792 Personen (797 Frauen und 595 Männer) beim AMS Gmunden arbeitslos gemeldet. Hinzu kommen 552 Schulungsteilnehmer (Vorjahr 581). Verglichen mit einer Arbeitslosenrate in Österreich von 8,1 Prozent oder in Wien von 13,2 Prozent, zeigt dies von einer hervorragenden Arbeit des AMS Gmunden“, sagt Martin Ettinger, Obmann der WKO Gmunden.

AMS Gmunden als serviceorientierter Partner für Betriebe und Arbeitnehmer

Täglich werden seitens des AMS Gmunden rund 170 Beratungsgespräche mit arbeitslosen Kunden geführt um die rasche Integration in den Arbeitsmarkt zu erreichen. „Unsere konkreten Angebote dienen in erster Linie der raschen Integration in den Arbeitsmarkt, sollte dies nicht gleich möglich sein kann ein Schulungsprogramm individuell zusammengestellt werden. 500 Betriebe werden pro Jahr vom Team des Service für Unternehmen besucht und beraten, um die optimalen Jobprofile für Arbeitnehmer und Unternehmer zu erfüllen“, beschreibt Jacqueline Beyer, Geschäftsleiterin des AMS Gmunden. „Wir kennen beide Seiten – wir unterstützen beide Seiten. Ein wichtiger Bestandteil in der täglichen Arbeit des AMS Gmunden“, so Beyer.
Mit arbeitssuchenden Kunden wird eine genaue Perspektivenplanung gemacht, um den optimalen Einsatz der Qualifikationen zu erreichen. Unternehmer in Gmunden können aus einer breitgefächerten Beratungspalette wählen: Vorauswahl, Jobbörse, potenzielle künftige Arbeitnehmer werden ins AMS Gmunden eingeladen und die Unternehmen haben die Möglichkeit ihr Unternehmen zu präsentieren, Einschaltung auf Österreichs größter Bewerberplattform, Potenzialanalyse mit den Bewerbern, arbeitsplatznahe Qualifizierung, Eingliederungsbeihilfen, Arbeitserprobung und vieles mehr.
„Der genaue Abgleich mit den Unternehmen bezüglich der vermittelten Bewerber ist uns ein wichtiges Anliegen, einerseits um den arbeitslosen Kunden Feedback zu geben und auf der anderen Seite um rasch den neuen Mitarbeiter zu finden“, sagt die AMS-Geschäftsleiterin. Bei den rund 500 Betriebsbesuchen die das Team von Peter Plank (Abteilungsleiter Service für Unternehmen) pro Jahr macht, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Rückmeldungen über das Bewerbungsverhalten ein wichtiger Bestandteil ist.

Leistungen der 40 AMS-Mitarbeiter im Jahr 2015

- 13.764 arbeitssuchende Personen wurden beraten und vermittelt.
- 600 Jugendliche wurden bei der Lehrstellensuche unterstützt.
- 5892 offene Stellen wurden akquiriert.
- 5776 Personen wurden über Aus und Weiterbildung im BerufsInfozentrum beraten.
- 1413 Personen über 45 Jahren wurden innerhalb von sechs Monaten vermittelt.
- 440 Wiedereinsteigerinnen wurden geschult und vermittelt.
- Jeder zweite Schulungsteilnehmer konnte innerhalb von drei Monaten einen Job finden.
„Eine Bilanz, die Aufschluss gibt über den Einsatz der Mitarbeiter des AMS Gmunden während eines gesamten Jahres“, stellt Beyer fest.

Offene Stellen besetzen

„Trotz größter Anstrengungen gelingt es vielen Betrieben nicht die oft dringend benötigten Hilfs- und Fachkräfte zu finden. Aktuell sind im Bezirk Gmunden rund 700 offene Stellen gemeldet. Vor allem in den Metall- und Elektroberufen, den technischen Jobs, im Tourismus und Handel können trotz der vorgemerkten Arbeitslosen viele offene Stellen nicht besetzt werden. Vielfach ist die mangelnde Qualifikation ein Grund für die schwierige Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Dieser Ursache wird jedoch mit einem intensiven Schulungsangebot begegnet. Nicht unwesentlich ist allerdings eine engagierte Vermittlungsarbeit des AMS. Wer unbegründet angebotene Jobs nicht annimmt, sollte auch von der Versichertenge-meinschaft nicht weiter unterstützt werden“, ist Robert Oberfrank, Leiter der WKO Gmunden, überzeugt. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz schreibt für den Anspruch auf Arbeitslosengeld Arbeitswilligkeit, Verfügbarkeit am Arbeitsmarkt und Arbeitsfähigkeit vor. Gerade der Regionalbeirat des AMS Gmunden (AMS, WKO, Industriellenvereinigung und ÖGB) gehen mit diesem Instrument der Arbeitsmarktpolitik sehr sorgsam um. „Es ist nicht das Ziel, Sanktionen am Rücken der Schwächeren auszutragen sondern jene Personen zu eruieren, welche nicht bereit sind, passende Jobs anzunehmen. In diesen Fällen kann es zum Verlust des Arbeitslosengeldes bis zu sechs Wochen kommen. Betriebe sollten jedenfalls an das AMS oder die WKO melden, wenn Vorstellungsgespräche im berühmten Abholen eines ,Stempels‘ münden. Das AMS Gmunden zeigt im Zusammenwirken mit den Sozialpartnern in dieser Thematik eine gute Performance und liegt im Vergleich mit den oö. Bezirken im Spitzenfeld“, so Oberfrank.

Saisonstellen in der Hotellerie und Gastronomie

„Wie das Amen im Gebet, herrscht jährlich Anspannung vor der Erlassung der Verordnung über die Beschäftigung von Saisonkräften im Tourismus. Betriebe werden in ihrer Arbeit ungemein behindert, wenn für offene Stellen in der Tourismus-branche, die ohnehin seit Jahren nicht besetzt werden können, sehr restriktive Bestimmungen für die Bewilligung von Mitarbeitern aus Drittstaaten verordnet werden. Kritikpunkte sind die Anzahl der bewilligten Kontingentplätze, so wie im heurigen Jahr geschehen, die zusätzliche Voraussetzung, dass ein Saisonnier bereits in den Sommersaisonen 2014 und 2015 beschäftigt gewesen sein musste“, klagt Oberfrank. Das führte heuer dazu, dass nicht einmal die bescheidene Anzahl der Kontingentplätze ausgenützt werden konnte und andererseits die Wirte nicht wussten, wie sie die anfallende Arbeit bewältigen sollten. Ergebnis sind eingeschränkte Betriebszeiten und unzufriedene Gäste. Außerdem kommt es durch fehlende Mitarbeiter zu Stresssituationen in den Betrieben, die sich auf Arbeitsklima und Qualität auswirken. „Es ist daher unsere dringende Forderung, praxisgerechte Verordnungen für Unternehmer und Arbeitnehmer zu schaffen“, so Oberfrank.

Kooperation, um Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden

• Ein neuer Weg – Ihr neuer Job: Täglich werden im WIFI Gmunden, in Zusammenarbeit mit dem BFI, durchschnittlich 100 Arbeitssuchende weitergebildet. Insbesondere werden die Kursteilnehmer in EDV, Englisch, Verkauf, Buchhaltung und Lohnverrechnung, Lagerwesen sowie Bürotätigkeit ausgebildet. Während der durchschnittlichen Verweildauer von 5,62 Wochen werden aktuell 27 Prozent der Teilnehmer am Arbeitsmarkt vermittelt. Drei Monate nach Ausbildungsende befinden sich knapp 50 Prozent in einem fixen Beschäftigungsverhältnis. „Mit diesen Werten liegen wir österreichweit im Spitzenfeld“, ist Oberfrank stolz.
• Job-Börsen: Das AMS veranstaltet jährlich mehrere Börsen um Arbeitssuchende und Betriebe zusammenzubringen. Betriebe stellen ihre Jobangebote vor und stehen den Bewerbern anschließend für Einzelgespräche zur Verfügung. Durchschnittlich beteiligen sich bei einer Jobbörse bis zu 20 Betriebe und rund 150 Arbeitssuchende nehmen dieses Angebot in Anspruch. Das AMS organisiert ähnliche Veranstaltungen auch in Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Der direkte Kontakt zwischen Arbeitgebern und zukünftigen Arbeitnehmern ist ein erfolgreiches Veranstaltungsformat und bringt viele Menschen in Beschäftigung.
• Berufsinformationen: Sowohl dem AMS als auch der WKO ist es wichtig, Jugendliche über Berufsmöglichkeiten zu informieren. Die Lehrlingsmesse des AMS Gmunden oder die Jobrallye der WKO Gmunden, sowie zahlreiche Berufsinformationsnachmittage oder die Potenzialanalyse tragen dazu bei, die richtige Berufsentscheidung für das Leben zu treffen. Das beste Mittel gegen Arbeitslosigkeit ist eine sorgfältige Berufswahl und eine ständige Weiterbildung.
• Weitere gemeinsame Angebote: Intensive Sprachausbildung von Asylwerbern im WIFI Gmunden zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt. 160 Kursbesuche zur Sprachausbildung und Alphabetisierung sowie 70 zertifizierte Sprachprüfungen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass bereits 14 Asylwerber bzw. –berechtigte in einem Lehr-verhältnis ausgebildet werden und 11 Personen als Saisonkräf-te in der Tourismusbranche arbeiten.
Neben diesen gemeinsamen Maßnahmen gibt es eine Vielzahl von Initiativen des AMS (Metallausbildung, Lehrausbildung in der Gastronomie usw.), um die Arbeitslosigkeit möglichst kurz zu halten. „Nur in gutem Zusammenwirken von Wirtschaft und AMS kann eine rasche Vermittlung, eine Abdeckung der offenen Stellen und damit eine Senkung der Arbeitslosenquote erreicht werden“, sind Jacqueline Beyer, Martin Ettinger und Robert Oberfrank überzeugt.
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