Stehen bleiben: Mautstelle

 
Pottendorfer Maut letzter Mautner Matthäus Mannhalter 1915
Den Schutz vor Angreifern, aber auch Geld für die Stadtkassen, brachte das Mautrecht mit sich. Bis 1931 bezahlte man für die Einfuhr von Waren nach Wiener Neustadt.

WIENER NEUSTADT. Wenn heute von Maut die Rede ist, denken wir alle an Straßengebühren, wie Autobahnen oder Bergstraßen. Den Begriff Maut gibt es aber schon seit Jahrhunderten. So verlieh bereits der Stadtgründer Leopold der V. Wiener Neustadt ein Marktrecht, das die Stadt zur Einhebung eines Obolus für eingeführte Waren berechtigte und mithalf die Stadtkassen zu füllen, um den kommunalen Verpflichtungen wie Schutz der Stadt vor Angreifern, nachkommen zu können. Im Laufe der Zeit veränderte sich das Mautrecht immer wieder und erst 1931 wurde es in der herkömmlichen Form abgeschafft.
Wie aus einem vom Reisebüro der Stadtgemeinde 1928 herausgegebenen Stadtplan, der einem Führer durch Wiener Neustadt beigelegt war, ersichtlich ist, existierte zu dieser Zeit noch das alte Mauthaus an der Brunner Straße. Eines der wichtigsten Mauthäuser stand Ecke Wiener Straße/Kreuzgasse, an der Ecke des heutigen Walther-von-der-Vogelweide-Parks. In der Neunkirchner Straße bestand ein Mauthaus, das die Nummer 82 trug. Am Ende der Akademiemauer, stadtauswärts rechts, nach der Straßenverwaltung, scheint ein weiteres Mauthaus im Straßenregister auf. „Das interessanteste für uns Kinder aber war die Mautstelle in der Ungargasse, wo sich in der Straßenmitte ein Pfahl befand, der sich nach zwei Seiten in einem Zaun fortsetzte. Dieser Zaun war drehbar und wurde abends quer gedreht, so dass er die Straße absperrte und erst morgens wieder in Fahrtrichtung gedreht wurde, damit die Fahrzeuge und Fußgänger (sie kamen ja aus dem Ausland Ungarn) die sich angesammelt hatten, in die Stadt konnten“, schilderte Amtsrat i. R. Helene Reimann ihre Kindheitserinnerungen im Amtsblatt vom August 1988.

Ein Mauthaus besteht noch
Das einzige noch erhaltene Mauthaus befindet sich in der Pottendorfer Straße, stadtauswärts links, vor dem Mahnmal für die Mauthausenopfer. Die Tochter des letzten Mautners, Aloisia Huber geb. Mannhalter, erzählte seinerzeit der damaligen Stadtarchivarin Dr. Gertrud Buttlar von ihrem Vater. Matthäus Mannhalter wurde 1907 vom Magistrat zum Mautner in der Pottendorfer Straße bestellt. Mannhalter bewohnte das kleine Häuschen, bestehend aus Zimmer, Küche und einem kleinen Vorbau, mit seiner Familie, die allmählich auf zehn Personen anwuchs. Hinter dem Mauthaus lag ein kleiner Gartenhof mit einem Schuppen. Das „Dienstzimmer“ befand sich im schmalen Vorhaus, wo sich die Kasse und ein Sessel befanden. Im selben Raum hatte sich Mannhalter, ein gelernter Schuster, eine kleine Werkstätte eingerichtet. Dies war für den Dienstgeber wünschenswert, da das Salär des Mautners sehr bescheiden war und er als Mautner nur fallweise in Aktion zu treten hatte.
Ein vom Mautner händisch zu bedienender Schranken sperrte, von einer Petroleumlampe beleuchtet, in der Nacht die Straße ab. Auf Grund mangelhaft beleuchteter Schranken kam es auch immer wieder zu Unfällen, so dass diese dann besser beleuchtet wurden um der Haftpflicht zu entgehen. Tagsüber war der Schranken geöffnet und jene Fahrzeuge, welche in die Stadt wollten und mautpflichtige Waren mit sich führten, durften erst nach Entrichtung der Maut passieren. So waren für ein Auto 10 Kreuzer, für ein Pferdfuhrwerk 5 Kreuzer und für getragene Ware (z. B. ein Buckelkorb) 2 Kreuzer, Maut zu entrichten. Als der Verkehr immer mehr zunahm, wurden 1931 die Mautstellen aufgelassen. Matthäus Mannshalter, der letzte Mautner Wiener Neustadts, verbrachte seine letzten Dienstjahre als Marktaufseher.
Glücklicherweise ist das Mauthaus in der Pottendorfer Straße noch vorhanden, es ist allerdings renovierungsbedürftig. Vorläufig kann hier nichts renoviert werden, da die Besitzverhältnisse nicht geklärt sind. Sehr interessiert an einer Erhaltung dieses Zeugnisses einer heute anachronistisch anmutenden Einrichtung, die man sich beim heute dahinbrausenden Verkehr gar nicht vorstellen kann, ist NR a. D. Dr. Johann Stippel, Obmann des Industrieviertelmuseums. „Das Mauthaus ein zeitgeschichtliches Juwel, könnte man als historischen Ausstellungsraum nutzen“ erläutert Stippel. „Auch das Kulturamt ist um eine Lösung bemüht“, schließt sich StR Isabella Siedl der Meinung Stippels an.
Quelle: Stadtarchiv, IVM, Amtsblatt
 auf anderen Webseiten Facebook Twittern Senden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Meistgelesene Beiträge des Autors

1 Bild

bonprix neu in Wr. Neustadt

Bezirksblatt Wiener Neustadt aus Wiener Neustadt | am 13.09.2010 | 2351 mal gelesen

Der deutsche Modeversender bonprix expandiert nach Österreich und eröffnet in Wiener Neustadt und in Leibnitz seine ersten Filialen. WIENER NEUSTADT. „Die Expansion nach Österreich war für uns der logische nächste Schritt. Nach zahlreichen Filialen in Deutschland, Italien und der Schweiz, war die Eröffnung der ersten Filialen in Österreich längst überfällig“, begründet Dr. Markus Janz, Leiter Retail bonprix, den Einstieg in...

2 Bilder

Kletterhalle für Wr. Neustadt?

Bezirksblatt Wiener Neustadt aus Wiener Neustadt | am 28.07.2010 | 1000 mal gelesen

Mit einem Megaprojekt lässt Sportstadtrat Horst Karas aufhorchen. Gemeinsam mit einem Team setzt er derzeit alles daran ein neues Vorzeigeprojekt nach Wiener Neustadt zu holen. WIENER NEUSTADT. Klettern boomt, und da man in Wiener Neustadt nicht jedem Trend hinterherrennen will, plant die Stadt derzeit intensivst an einer Kletterhalle, und das richtig. Immerhin soll in Wiener Neustadt ein neues Vorzeigeprojekt für die...

2 Bilder

Wer will Therme pachten?

Bezirksblatt Wiener Neustadt aus Wiener Neustadt | am 29.09.2010 | 952 mal gelesen

Die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern – Anton Saurers Job als Pächter der Kristalltherme wackelt. Nun scheint es entschieden, Saurer soll, geht es nach der Gemeindeführung, gehen. BAD FISCHAU-BRUNN(ih). Seit wenigen Tagen ist es nun Gewissheit, Saurers Pachtvertrag soll vorzeitig aufgekündigt werden. Bürgermeister Reinhard Knobloch informierte den Pächter vor kurzem mündlich über die bevorstehende...

Ähnliche Beiträge

2 Bilder

Schlechter Start in die Saison

Stefanie Reinwald aus Pyhra | vor 1 Minute | 4 mal gelesen

Der kalte und verregnete Mai sorgte für leere Bäder und einen verpatzten Saisonauftakt. - HERZOGENBURG/OBERWÖLBLING (sr). Es ist zwar bei den aktuellen Temperaturen nur schwer vorstellbar, aber der Start in die heurige Schwimmbadsaison war für die Bäder in der Region alles andere als gut. Leere Liegewiesen, leere Pools - ein Anblick, der sich auch dem Betriebsleiter vom Aquapark Herzogenburg, Johannes Kiesl, in den...

1 Bild

BUCH-TIPP: 100 Erinnerungen an Freud und Leid 1

Georg Larcher aus Rietz | vor 10 Stunden, vor 1 Minute | 69 mal gelesen

Was tut eine Zeitung, die für sich werben muss? Sie erfindet die 'Tour de France', das war 1903. Heuer berichtet nicht nur der Erfinder, die große L´Equipe, sondern Medien weltweit über die 100. Auflage der Frankreich-Rundfahrt (unterbrochen durch 2 Kriege). 100 Essays zu 100 Momenten der Tour machen das opulente Buch zum unterhaltsamen Ereignis, grandios! Delius Klasing, 416 Seiten, 41,10 €

12 Bilder

Mike Supancic: Der Mann mit der Gitarre begeisterte in Michelbach

Anja-Maria Einsiedl aus Altlengbach | vor 17 Stunden, 28 Minuten | 94 mal gelesen

MICHELBACH (ame). Der Mann, der scheinbar alle österreichischen Legenden in seiner Brust vereint, nämlich Mike Supancic, lieferte dem begeisterten Publikum mit seinen legendären Hits zahlreiche kabarettistische Höhepunkte.130 Besucher waren bei dem Auftritt des steirischen Künstlers dabei, als er mit dem Programm „Auslese“ die Höhepunkte aus seiner 20-jährigen Kleinkunstkarriere zum Besten gab.