25.05.2016, 09:48 Uhr

Der "Schlossgeist" und sein 'Flagranti-Erlebnis'

Josef Flotzinger ist seit über 37 Jahren "Mädchen für alles" im Schloss Zell.

Seit 2. Februar 1979 ist Josef Flotzinger Hausmeister im Landesbildungszentrum Schloss Zell/Pram.

ZELL/PRAM. Im Dezember geht Flotzinger in Pension. Im Interview spricht er über Begegnungen mit Berühmtheiten, peinliche Momente und was er vermissen wird.

BezirksRundschau: Fast 40 Jahre sind Sie als Hausmeister im Schloss tätig – was hat sich im Laufe der Zeit verändert?
Flotzinger: Gewaltig viel. Als ich damals zu arbeiten begonnen habe, waren die Hauptgäste von Raiffeisen, Bauernbund oder Landwirtschaftskammer für Mitarbeiterschulungen hier. Hinzugekommen sind nun viele Ausstellungen und Konzerte. Außerdem hat sich baulich sehr viel verändert. Kurz: Früher war ich Hausmeister, heute bin ich Haustechniker.

Stimmt es, dass Sie jeden Winkel des Schlosses kennen?
Ja, ich kenne jedes Eckerl. Schließlich war ich bei allen Umbauarbeiten dabei. So weiß ich etwa, wo die ganzen Leitungen verlegt sind. Es gibt wohl kein Fleckerl im Schloss, zudem mir nicht etwas einfallen würde.

Also nicht nur Hausmeister, sondern wandelndes "Schloss-Lexikon"?
Man kriegt halt im Laufe der Zeit viel altes Wissen mit. Ich bin in diesem Gebäude in die Volksschule gegangen. Das war Anfang der Sechzigerjahre. Viele wissen ja nicht mehr, dass sich einmal 40 Wohneinheiten im Haupt- und Nebengebäude befunden haben. Wie ich 1979 angefangen habe, waren es noch sechs Wohnparteien im Nebentrakt. Außerdem hat sich im zweiten Weltkrieg hier ein Lazarett befunden.

Sie hatten das Privileg, im Laufe der Jahre viele Persönlichkeiten kennenzulernen. Wen etwa?
Die Schauspieler Erwin Steinhauer, Nina Proll oder Karl "Mundl" Merkatz. Auch Christiane Hörbiger, Walther Reyer oder den Pianisten Rudolf Buchbinder. Natürlich auch viele österreichische Politiker. Josef Ratzenböck war oft hier.

Und welche Eindrücke sind geblieben?
Das sie durchgehend angenehme Menschen waren. Wobei: Die Politiker waren immer etwas schwieriger …

Sind aus den Begenungen auch Freundschaften entstanden?
Ja, etwa mit dem Künstler Helmut Hundstorfer und seiner Frau. Ein klasse Typ. Ihm habe ich bei einigen Ausstellungen geholfen. Außerdem faszinieren mich die Farben seiner Glaskunst.

Sie werden als Schlossgeist bezeichnet, warum eigentlich?
Weil ich zu vielen Gästen, die zu uns kommen, scherzhaft sage, dass ich der Geist des Schlosses bin. So ein Empfang macht sie gleich viel lockerer.

Gab es so etwas wie einen peinlichsten Moment?
(Schmunzelt). Ich bin einmal – um den Heizkörper zu kontrollieren – unverhofft in ein Zimmer gekommen, wo man nicht hineingehen sollte. Obwohl ich natürlich vorher geklopft hatte.

Sie sagen, dass Sie immer gern zur Arbeit gegangen sind. Wirklich?
Ja. Aber es hat vorübergehend mal eine Zeit mit einer anderen Schloss-Leitung gegeben, wo das nicht so war.

Was wird Josef Flotzinger an seinem Beruf am meisten abgehen?
Ganz eindeutig der Kontakt mit den Leuten. Man kriegt natürlich sehr viel mit, was sich im Hintergrund bei den Künstlern und Musikern abspielt. Von der Hektik, dem Aufwand und der Nervosität, die vor den Auftritten herrscht. Das und die vielseitige Arbeit ist schon etwas, das mir bestimmt fehlen wird.

Was wird Ihnen nicht fehlen?
Was mir auffällt ist, dass die Besucher immer mehr Grenzen überschreiten oder ausnutzen.

Wie meine Sie das?
Bei uns herrscht in den Zimmern Rauchverbot. Dennoch kam es vor, das Gäste rauchten und einfach die Rauchmelder im Zimmer herausrissen. Im Grunde ist es so: Unsere Gäste wissen, dass sie bei uns alles haben können – und das wird immer mehr auch ausgenutzt.

Was haben Sie sich für die Pension vorgenommen?
Ich möchte zusammen mit meiner Frau etwas mit Bio machen – vielleicht mit Biokräutern. Außerdem verschiedene Reisen unternehmen.

Steckbrief

Geburtsdatum:
29. 7. 1956
Familienstand: Verheiratet, drei Kinder
Erlernter Beruf: Gärtner
Hobbys: Fotografieren, Landwirtschaft
Lieblingsessen: Rindfleisch mit Semmelkren
Liebblingsgetränk: Bier
Lieblingsbuch: Geschichtsbücher
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