10.08.2016, 17:30 Uhr

Horror-Sturm in Haibach: "Gaffer" blockierten Straße

Durch ihre enormen Schäden nach dem verheerenden Sturm war die Eisenbirner Landesstraße besonders gefährlich. (Foto: BFKDO Schärding)

Schaulustige sorgten nach dem verherrenden Unwetter in Haibach für Ärger. Aber auch anderes Problem plagt die Einsatzkräfte.

BEZIRK (ska). Dutzende Autos fuhren dort, wo sie eigentlich gar nichts zu suchen hatten. Wie schon beim Hochwasser 2013 waren auch nach dem Horror-Sturm in Haibach am 23. Juli Schaulustige ein Problem. Aber anders als bei der Flut in Schärding, haben in Haibach nicht Fußgänger, sondern Autofahrer die Arbeit der Feuerwehren behindert.

"Viele haben bewusst die Absperrungen auf der Eisenbirner Landesstraße ignoriert, um sich die Lage vor Ort anschauen zu können", berichtet Bezirksfeuerwehrkommandant Alfred Deschberger auf Anfrage der BezirksRundschau. "Und diese haben dabei nicht die Helfer und Einsatzkräfte, sondern auch sich selbst in Gefahr gebracht." Denn insbesondere am Sonntag nach dem verheerenden Unwetter, als überall noch Schutt, Bäume und Autowracks lagen, war die Eisenbirner Straße ein Gefahrenquell. Der reißende Haibach hatte Teile der Fahrbahn komplett weggerissen. Für die Einsatzkräfte war sie jedoch die einzige Straße, durch die sie laut Deschberger zu den betroffenen Häusern gelangten.

Die Feuerwehren riefen deshalb die Polizei um Hilfe, damit diese die Fahrverbote verstärkt überwacht. "Abgestellte Privatfahrzeuge machten teilweise ein Zufahren der Einsatzfahrzeuge schwer bis gar nicht mehr möglich", sagt Bezirkspolizeikommandant Matthias Osterkorn.

Appell der Feuerwehr: "Fahrverbot ist Fahrverbot"

"Aber auch am Einsatzort selbst ist es wichtig, dass sich die Feuerwehren mit ihren Gerätschaften bewegen können", fügt Deschberger hinzu. Er mahnt deshalb, Verbotsschilder unbedingt zu beachten. Oft sei es auch schwer nachzuvollziehen, wer tatsächlich fahren muss und wer eine Ausrede parat hat. Aber grundsätzlich gelte: Fahrverbot ist Fahrverbot. "Feuerwehren haben in solchen Fällen Besseres zu tun als darauf zu achten, Privatfahrzeugen keinen Schaden anzuhängen." Und auch die Polizei appelliert an alle: "Personen, die keinen Beitrag zum Geschehen leisten, mögen sich vom Einsatzort fernhalten."

Feuerwehr ist nicht "Mädchen für alles"

Aber nicht nur Schaulustige machen den Feuerwehren zu schaffen. Bei den jüngsten Unwettern – die Haibacher Katastrophe ausgenommen – kristallisierte sich ein neues Problem heraus: unnötige Alarmierungen. "Eigenhilfe als auch Nachbarschaftshilfe lassen nach", berichtet etwa Markus Furtner von der FF Schärding, die zu zahlreichen Überschwemmungen, Unfällen und Einsätzen aufgrund umgefallener Bäume ausrücken musste.

"Uns ist die Botschaft wichtig, dass jeder, der glaubt die Hilfe der Feuerwehr zu brauchen, anrufen kann", sagt Furtner. Als "Mädchen für alles" möchten die Feuerwehrkameraden aber nicht behandelt werden. "Bei einem Zentimeter Wasser im Keller ist es durchaus angebracht, dass der Hausbesitzer Putzfetzen und Kübel in die Hand nimmt und das Problem selbst löst", beschreibt Furtner einen Fall. "Und wenn ein kleiner Ast auf der Straße liegt, sollte der Autofahrer kurz stehen bleiben, die Warnblickanlage einschalten und den Ast zur Seite ziehen", sagt er. Eine Alarmierung der Feuerwehr sei in solchen Fällen auf jeden Fall überzogen.

Frage an die Feuerwehr: Wie oft gehen eigentlich Fehlalarme ein?

Die jüngsten Unwetter haben gezeigt: Die Freiwilligen Feuerwehren sind zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Zu weit über hundert Einsätzen rückten die Kameraden aus – nahmen sich dafür Urlaub oder opferten ihre Freizeit. Fehlalarme sorgen dabei für unnötigen Einsatzstress. Die BezirksRundschau hat nachgefragt, wie oft sich die Feuerwehren mit solchen herumplagen müssen. "Glücklicherweise selten", sagt Markus Furtner vom Bezirksfeuerwehrkommando. Auch dass die Einsatzkräfte mutwillig zu einem vermeintlichen Unfall oder Brand alarmiert werden, passiere so gut wie gar nie. "Echte Täuschungsanrufe hatten wir in den letzten 20 Jahren etwa fünf", berichtet er. Einzig Brandmeldeanlagen schlagen des öfteren umsonst aus. Aber hier gelte die Devise: "Lieber einmal öfter hinfahren, als einmal zu wenig oder zu spät."
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