04.07.2016, 15:24 Uhr

Mumifizierte Hunde: Bekannte belastet vermeintliche Tierquälerin schwer

Hund Zeus im Juni 2014, der mit drei anderen aus dem Haus der Angeklagten in die Pfotenhilfe Lochen übersiedelte und immer noch dort lebt. (Foto: Verein Pfotenhilfe)

Seit März steht jene Frau aus dem Bezirk vor Gericht, die mutmaßlich 38 Hunde verenden ließ. Eine "Kronzeugin" muss noch aussagen. Prozess bis Herbst vertagt.

SCHÄRDING, RIED (ska). Noch immer kein Urteil wurde im Fall der mutmaßlichen Tierquälerin und Betrügerin gefällt. Die Hauptbelastungszeugin, die laut Staatsanwaltschaft von der Angeklagten um rund 200.000 Euro betrogen worden sei, konnte nicht am Prozess heute, Montag, teilnehmen. "Die Zeugin ist derzeit in Indien aufhältig und schwer krank", sagt Walter Koller, Vizepräsident des Landesgerichts Ried zur BezirksRundschau. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Ein Termin im Herbst sei aber wahrscheinlich.

Andere Zeugen – viele aus dem tierärztlichen Bereich – haben heute laut Koller am Landesgericht Ried ausgesagt. Und auch die Pfotenhilfe, die sich als Privatbeteiligte dem Verfahren angeschlossen hat, hat eine Zeugin vorladen lassen. Diese ist der Angeklagten sehr nahe gestanden, wie Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe sagt. "Sie war es, die die Behörden verständigt hat", berichtet Stadler. Zuvor hatte die Angeklagte sie nie ins Haus gelassen und fadenscheinige Ausreden – "die Hunde beißen" benutzt.

"Die Angeklagte hat gekonnt alle hinters Licht geführt – Freunde, Bekannte und Behörden", beschreibt Stadler. "Sie war bekannt als Spezialistin für schwierige Hunde. Dass sie diese verhungern ließ und nur die braven Hunde weiter vermittelte, konnte niemand ahnen."


Bericht vom 1. Juli:


Prozessfinale am 4. Juli


SCHÄRDING, RIED. Wegen Tierquälerei und gewerbsmäßigen Betrugs belasteten Zeugen die Frau in den vorangegangenen Verhandlungen bereits schwer. Im November 2014 hatten Bezirkshauptmannschaft und Amtstierart im Haus der Frau eine erschreckende Entdeckung gemacht: 38 mumifizierte Hunde, die qualvoll verhungert und verdurstet sein dürften. Nun ist ein wohl letzter Prozesstag für Montag, 4. Juli, angesetzt.

Als Privatbeteiligte vor Ort ist abermals die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe. Diese hat im Frühjahr 2014 mit Hilfe eines Amtsveterinärs vier völlig abgemagerte und verwahrloste Hunde aus dem Haus der Angeklagten in ihr Tierheim in Lochen am See übernommen und gesund gepfleg. Pfotenhilfe-Obfrau Johanna Stadler im
Zeugenstand: „Derart ausgehungerte, dem Tode nahe Tiere habe ich noch
nie gesehen – ein schockierender Anblick, den ich nie vergessen
werde.“

Für 4. Juli hat die Pfotenhilfe nun weitere Zeugen beantragt, die teilweise fast täglich mit der Angeklagten zu tun hatten allerdings deren Haus wegen "fadenscheiniger Ausreden" nicht betreten durften. Zusätzlich hat Richter Josef Lautner laut Pfotenhilfe die zuständige Amtstierärztin der BH Schärding sowie die Hauptbelastungszeugin der Betrugsanklage geladen. Letztere sei laut Staatsanwaltschaft um rund 200.000 Euro betrogen worden.

Wie die Pfotenhilfe mitteilt, gehe aus einem Obduktionsbericht der veterinärsmedizinischen Universität Wien die genaue Todesursache der Hunde hervor. So hätten diese nicht nur Hunger gelitten. "Im Gegensatz zur Verweseng, die normalerweise bei Toten Tieren rasch eintritt, seien die Hunde mumifiziert gewesen, was auf Wassermangel schließen lasse", erklärt Stadler. Dieser habe schließlich zum Tod geführt. Und weil es bei dieser Art zu sterben zu kaum zu Geruchsentwicklung komme, sei nun auch klar, weshalb niemandem außerhalb des Hauses etwas aufgefallen war.



Bericht vom März 2016:

Prozess fördert Erschreckendes zu Tage


Der Prozess um jene Frau, die im Bezirk Schärding 38 Hunde verenden ließ, lässt mit erschütternden Zeugenaussagen aufhorchen.

SCHÄRDING, RIED. Das berichtet in einer aktuellen Aussendung der Verein Pfotenhilfe. Demnach wurde gestern, 9. März, am Landesgericht Ried der Prozess gegen die 63-jährige Frau fortgeführt. Im Wohnhaus der Frau in der Nähe von Schärding, wurden im November 2014 zumindest 38 mumifizierte Hunde gefunden. Einige Zeugen belasteten die wegen Tierquälerei und gewerbsmäßigen Betrugs Angeklagte schwer, wie Jürgen Stadler, vom Verein Pfotenhilfe sagt. "Laut Bezirkshauptmann gab es bereits im Frühjahr 2014 behördliche Kontrollen mit Verdachtsmomenten wegen Erkrankung der Frau und starkem Kot- und Harngeruch aus dem Haus, es wurde jedoch der Zutritt zum Gebäude verweigert. Es habe mehrere Versuche gegeben, aber erst am 26.11.2014 kam es zur zwangsweisen Hausdurchsuchung, bei der die 38 toten Hunde gefunden wurden. Dabei habe die Angeklagte geschrien und geweint und sogar versucht einen Polizist zu beißen", so Stadler in der Aussendung.

Versucht, Polizisten zu beißen

Wie Stadler weiter ausführt, soll der Amtstierarzt Dr. Stöger von der BH Braunau, der erstmals am 26.6.2014 als Urlaubsvertretung nach einem Hinweis einer Zeugin vor Ort war, ebenfalls nicht ins Haus gelassen worden sein. Dazaufhin wurde die Polizei eingeschaltet und die Angeklagte nach Stunden erfolgreich überredet, vier der sechs vorgefundenen Hunde freiwillig an die Pfotenhilfe Lochen abzugeben, die sie sofort abholte und gesund pflegte.

Alles sei laut Zeugen voller Müll und knöcheltief Hundekot gewesen. Das Haus konnte angeblich nur mit Gummistiefeln betreten werden. Die Hunde seien stark abgemagert gewesen, obwohl sich das Futter gestapelt haben soll. Bei der Hausdurchsuchung am 26.11.2014 sei einer der Zeugen entsetzt gewesen über den Anblick der 38 toten Hunde, die sich in verschiedensten Verwesungszuständen in Transportboxen und zusätzlich Knochenhaufen in Plastiksäcken befunden haben sollen.

Zudem wurde in einem Raum mit vielen toten Hunden ein noch lebender, abgemagerter Hund in einer abgedunkelte Transportbox gesperrt gefunden. "Die Angeklagte habe wohl Futter- und Wasserentzug als Erziehungsmethode angewandt. Ein dadurch bedingter Sterbeprozess ziehe sich über mehrere Wochen. Gleichzeitig hätte sich im ganzen Haus palettenweise Futter getürmt", berichtet Stadler.

"Bis sich Hunde anscheißen"

Eine weitere Zeugin sagte aus, dass die Angeklagte immer wieder gesagt hätte, dass sie bestimmte Hunde so lange schlägt, bis sie sich "anscheißen" und eine Woche nicht mehr auf die Füße kommen. Ihr Eindruck wäre, dass die Angeklagte bei solchen Äußerungen so etwas wie Lust empfand. Am Telefon hätte sie oft in Bezug auf die Hunde wie wild geschrien "Dreschen werde ich sie". Die Zeugin habe im Vorhaus der Angeklagten 40 Tuben Beruhigungsmittel Sedalin direkt über den Transportboxen mit den eingesperrten Hunden gesehen. Dadurch könne sich ein Hund trotz extremem Hunger und Durst kaum mehr bewegen oder laut bellen beziehungsweise winseln.

Vorwurf der Tierquälerei

Richter Josef Lautner versuchte die Angeklagte auf den Vorwurf der Tierquälerei festzunageln. Auf die Frage, warum 38 Hunde im November 2014 verhungert beziehungsweise verdurstet aufgefunden worden waren, obwohl sich das Futter gestapelt habe, meinte die Angeklagte, dass sie im April 2014 eine Nacht im Krankenhaus gewesen sei. Auf die verwunderte Nachfrage des Richters, wie das sein könne, kam minutenlang keine Antwort. Die Frau gab zu, etwas falsch gemacht zu haben. Weshalb sie die Hunde verbotenerweise dauerhaft in Transportboxen gesperrt habe, konnte oder wollte die Angeklagte jedoch nicht begründen.

Die Verhandlung wurde auf frühestens Juni vertagt, da erst dann die Hauptzeugin der Betrugsanklage aus Taiwan zurückkehre.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.