14.07.2016, 00:00 Uhr

Sprachbarriere adé bei Schlammfußball und Schuhplatteln

Die Otterbacher in Finnland: Beim Schlammfußball bedarf es nicht vieler Worte. (Foto: Kumpfmüller)

Die Schulen des Bezirks setzen auf Auslandserfahrungen ihrer Schüler – nicht nur fürs Lernen neuer Sprachen.

BEZIRK (ska). "Kyllä, kyllä" antworten die Schüler auf die Frage, ob es ihnen in Finnland gefallen hat. "Kyllä" heißt "Ja" und wird "Gülla" ausgesprochen. Ein Wort, das den Schülern der Landwirtschaftlichen Fachschule Otterbach ganz besonders in Erinnerung geblieben ist. "Man denkt gleich an die Gülle", sagt Michael Penzinger mit einem Grinsen. Gemeinsam mit 17 weiteren Schülern und vier Lehrern hat sich der Schüler aus St. Roman im Juni aufgemacht nach Lapinlahti, Finnland. Elf Tage verbrachten die Jugendlichen mit Einheimischen, lernten die Kultur kennen und schlossen Freundschaften fürs Leben.

Aber nicht nur Otterbach, sondern auch die anderen Allgemein- und Berufsbildenden höheren Schulen des Bezirks motivieren ihre Schüler zu Auslandsaufenthalten.

Otterbacher absolvieren Praktikum im Ausland

"Diese helfen den Jugendlichen nicht nur beim Sprachenlernen, sondern fördern auch die soziale Kompetenz", sind sich die Otterbacher Lehrer Elisabeth Martetschläger und Stefan Kumpfmüller einig. Die LWBFS Otterbach unterstütze ihre Schüler stets, wenn diese vorhaben ins Ausland zu gehen. So gibt es die Möglichkeit, das Pflichtpraktikum zwischen dem 2. und 3. Lehrgang außerhalb Österreichs zu absolvieren. Ein Schüler schnupperte etwa in einen landwirtschaftlichen Betrieb in Irland. "Machen es die einen, sinkt für die anderen die Hemmschwelle", erklärt Lehrerin Elisabeth Martetschläger den steigenden Trend zu Auslandsaufenthalten.

Kein Interesse an Sprachreise an der HAK

Und genau hier hakt's in der HAK Schärding: "Die Angebote werden von den Schülern nicht recht angenommen", teilt Direktorin Irene Wiesinger mit. Sogar eine geplante Sprachwoche an der Côte d'Azur komme nicht zustande – aufgrund mangelnden Interesses der Schüler, wie Wiesinger sagt. Ziel sei es nun, eine Kooperation mit einer Partnerschule in Italien aufzubauen. "Wenn Austauschschüler zu uns kommen, verlieren die Schüler vielleicht ihre Scheu", sagt die Direktorin. Am Gymnasium in Schärding ist ein reges "Austauschtreiben" im Gang. "Einmal jährlich besucht eine Klasse die Partnerschule in Hillerod, Dänemark. Die Dänen kommen wiederum eine Woche zu uns", berichtet Direktorin Brigitte Reisinger. Zudem ist das Gymnasium Teil des Erasmus-Projektes "Small Towns in Europe". Mit dabei sind zehn europäische Schulen. "Die Teilnehmer kommen an jedem Schulstandort einmal zusammen."

Auch die HTL Andorf legt Wert darauf, die Schüler weltoffen zu erziehen. Einzelne Schüler reisen etwa nach Argentinien und Südafrika – samt Gegenbesuch eines Gastschülers. Und insbesondere dieser ist eine Bereicherung für den Unterricht, wie Lehrer Richard Lechner sagt.

Die Landwirtschaftliche Fachschule Andorf bietet ihren Schülern seit 20 Jahren die Möglichkeit, via Austausch andere Schulen und Kulturen kennen zu lernen. Mit den Partnerschulen in Frankreich, Finnland und Deutschland ist die Schule regelmäßig in Kontakt. "Durch die Reisen gewinnen die Schüler vor allem an Selbstvertrauen", ist sich Lehrerin Brigitte Ebner sicher.

Ein solches haben auch die Otterbacher in Finnland an den Tag gelegt. Denn ihr Ziel war es nicht nur, die Kultur vor Ort kennen zu lernen, sondern auch die österreichische in den Norden zu bringen. Und was darf dabei nicht fehlen? Das Schuhplatteln. "Die Schüler haben gezeigt, wie's geht – natürlich in der Lederhose", erzählt Kumpfmüller mit einem Schmunzeln.

Otterbacher Schüler über Finnland

Paul Dallinger, Geinberg: "Am meisten Spaß gemacht hat mir Schlammfußball und der Besuch in der finnischen Sauna. Für mein Englisch hat mir die Reise viel gebracht und auch ein paar finnische Wörter hab ich mir gemerkt. Die Landwirtschaft ist besonders bemerkenswert. Die mähten erst den ersten Grasschnitt, da haben wir schon den zweiten."

Elena Starzengruber, Raab: "Die Gastfreundschaft war der Wahnsinn. Wir haben zwei Tage bei finnischen Familien gewohnt und konnten die Lebensweise direkt kennenlernen. Die haben uns mit gutem Essen verwöhnt. Spannend war es auch, in einer Hütte im Wald auf engstem Raum zu leben. So etwas habe ich vorher noch nicht erlebt."

Martin Penzinger, St. Roman: "Eines war ganz besonders ungewohnt: Es ist nie wirklich dunkel geworden. Um 2 Uhr nachts hat es mal ein bisschen gedämmert. Das hat den Tagesrhythmus schon durcheinander geworfen, war aber toll einmal zu erleben. Und einige finnische Wörter sind wirklich leicht zu merken, wie beispielsweise "Traktori" für Traktor."
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