31.03.2016, 00:00 Uhr

Vereine atmen auf: Bars bleiben Kassa-frei

Keine Belege für Bargetränke: Zumindest was Zeltfeste betrifft, können Vereine der Registrierkassenpflicht entgehen. (Foto: Gsellmann)

Ärger über Registrierkassenpflicht ist groß. Aber: Bei den Festln haben Vereine die Kurve gekratzt.

BEZIRK (ska). Für Kopfzerbrechen sorgt nach wie vor die Beleg- und Registrierkassenpflicht – nicht nur bei den Gastronomen, sondern auch bei den Vereinen des Bezirks.

Wie die neue Verordnung besagt, muss eine Registrierkasse angeschafft werden, wenn der Jahresumsatz 15.000 Euro übersteigt. Und das dürfe auf alle Kantinen der heimischen Fußballclubs zutreffen.

Die Angst der Funktionäre ist groß, dass die freiwilligen Helfer abspringen, wie die BezirksRundschau auf Nachfrage erfahren hat. Das selbe galt bis vor Kurzem nicht nur für die Kantinen, sondern auch für die Zeltfeste. Denn: Die Handhabe der Registrierkassen in Bar und Ausschank sei eine große Grauzone gewesen. "Wie soll das Eintippen in die Kasse funktionieren, wenn hunderte Menschen gleichzeitig Getränke wollen?", so der einheitliche Tenor der Funktionäre.

Nun können die Vereine aber aufatmen: Wie Günter Mitgutsch vom oberösterreichischen Fußballverband mitteilt, gilt die Registrierkassenpflicht nur für "große" Vereinsfeste. Erfüllen die Vereine gewisse Kriterien (siehe unten), gelten ihre Zeltfeste als "klein" – und es ist keine Registrierkasse nötig. Insbesondere die 48-Stunden-Regelung schaffe dabei etwas Spielraum. "Kleine Vereinsfeste dürfen einen Zeitraum von 48 Stunden im Kalenderjahr nicht überschreiten", erklärt Mitgutsch. Gemeint sind die behördlich genehmigten Ausschankzeiten – beispielsweise von Freitag 20 bis Samstag 3 Uhr.

Die großen Zeltfeste des Bezirks bleiben allesamt unter 48 Stunden. Allerdings mussten einige ihr Programm dafür etwas straffen. So verzichten die Schardenberger etwa auf ihr Sonntagabend-Programm im Zelt. Der FC Münzkirchen hatte Glück, wie Obmann Rudolf Kraninger sagt. Das Pfingstzeltfest, das aufgrund des Feiertages als das längste Fest des Bezirks galt, ist seit dem Vorjahr um einen Tag kürzer. "Wir haben auf den Freitag verzichtet, weil er sich nicht mehr rentiert hat", sagt Kraninger. Und auch die Mega-Zeltfesttage der Esternberger im August dauern nicht länger als 48 Stunden. Trotzdem müssen die Vereine aufpassen: "Weitere Veranstaltungen, wie etwa Faschingsbälle, fallen ebenfalls in diese Regelung", erklärt Mitgutsch.

Sorge um Freiwillige in den Sportplatzkantinen

Was die Registrierkasse in den Kantinen betrifft, herrscht immer noch große Unsicherheit. Der FC Münzkirchen etwa hat sich von einem Steuerberater über die Vorgehensweise informieren lassen. Wie die freiwilligen Helfer auf die Kasse reagieren, bleibe dennoch die große Unbekannte, wie Kraninger sagt. Dem schließt sich Franz Mauthner, Kassier der Union Esternberg, an: "Das Problem ist, dass jede Woche andere in der Kantine aushelfen. Diese einzuschulen wird eine große Herausforderung." Übrigens: Für Feuerwehren gelten andere Vorschriften. Denn sie werden als Körperschaften des öffentlichen Rechts gesehen. Ein Feuerwehrfest darf drei Tage nicht überschreiten, um der Registrierkassenpflicht zu entgehen. Wie es aus dem Bezirksfeuerwehrkommando heißt, ist im Bezirk kein Fest von der Pflicht betroffen.

Zur Sache
Die Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht ist seit 1. Jänner in Kraft. Die "Schonfrist" läuft laut Sportunion OÖ noch bis 30. Juni. Kleine Vereinsfeste sind befreit, wenn Organisation und Verpflegung durch Vereinsmitglieder und Angehörige erfolgt, Musikgruppen nicht teurer als 1000 Euro pro Stunde sind und die Feste des Vereins 48 Stunden im Jahr nicht überschreiten.

Kommentar zum Thema

von Redakteurin Kathrin Schwendinger
Die einen sind auf 180, andere machen das Beste daraus. Aber in einem sind sich alle Vereine einig: Die Registrierkassenpflicht ist eine Tritzerei. Zumindest bei den Zeltfesten hatten sie nun Glück im Unglück. Das Schlimmste wurde befürchtet, wenn für Bar und Ausschank eine Registrierkasse nötig gewesen wäre. Verständlich: Ist es grundsätzlich schwierig, Leute zu finden, die sich freiwillig bis in die Morgenstunden mit Betrunkenen herumschlagen, macht's ein kompliziertes Kassensystem sicher nicht einfacher. Was die Sportplatzkantinen betrifft, hoffen viele Funktionäre immer noch auf eine Erleichterung der Regelung. Denn Woche für Woche neue Freiwillige einzuschulen, hört sich schon in der Theorie schwierig an. Aber eines ist klar: Wenn sich alle fügen und das System trotz Unmut läuft, warum sollte sich dann etwas ändern?
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